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Etappe 29: Rom – Boatservice Shipyard/Tiber (2.2 sm)

Sonntag, 13. Oktober, 2019

Die Etappe zum Auswassern war nochmal aufregend. Nachdem der Wecker zu nachtschlafender Zeit (5:30!) klingelte, begrüsste uns ziemlicher Schwell schon bei der Hafenausfahrt vom Porto di Roma. Der Wind der letzten Tage hatte seine Spuren hinterlassen und Tatjana war entsprechend nervös. Hatte ich Ihr nicht erklärt, dass brechende Wellen für Yachten durchaus zum Problem werden können? Zum Glück war kaum Wind als wir kurze Zeit später vom Schwell in den Tiber gespühlt wurden. Irgendwie werde ich ja auch immer etwas unruhig, wenn wie hier weniger als 2 m Wasser unter uns liegen. Schlussendlich lief es aber ganz problemlos (Selbstheilungskräfte haben die Vibrationen an unserem Propeller scheinbar zumindest verringert) und wir haben um kurz nach 8 Uhr morgens an einem wackligen Holzsteg vor der Werftgelände angelegt.

Hier starteten dann aber die Probleme (glücklicherweise einmal nicht mit unserem Boot): Der Kran, der uns auskranen sollte sprang nicht an. Ein Mechaniker nach dem anderen wurde herbeizitiert, doch keiner schaffte es, den Kran zum Laufen zu bringen. Schlussendlich wurden wir auf Montag vertröstet. Mit neu (bestelltem) Anlasser soll ein zweiter Versuch unternommen werden. Gut dass wir eine weitere Woche quasi „vor Ort“ sind… Meine bisherige Italienerfahrung lässt jedoch bereits leichte Zweifel aufkommen, dass das am Montag wirklich klappt. Wir werden sehen…

Unser Aufenthalt am Werftsteg war durchaus unterhaltsam. So konnten wir beim Packen mehrfach sehen, wie Werftmitarbeiter Boote mit gewagten Leinenmanövern im kräftigen Strom des Tibers von einer Seite des Steges zur anderen jonglierten. Das Boot hinter Zanzibar steht nur deshalb schräg, da der Kiel/Tiefgang ein weiteres heranzerren an den Steg verhinderte. Uuuups. Zum Glück bin ich nicht vor Ort, wenn derlei Spielchenmit unserem Boot gemacht werden…

Bei unserer Abholung zeigte sich Rom dann bereits von seiner gastfreundlichsten Seite: Der Fahrer kam 30 Minuten zu früh und war genervt von unserem vielen Gepäck (selbstverständlich hatten wir bei der Buchung den grösstmöglichen Minivan ausgewählt und darauf hingewiesen, dass wir ein knappes halbes Jahr auf dem Boot gelebt hatten und entsprechend viel Gerödel transportiet werden muss).

Am Zielort packte der Fahrer auf einmal kräftig mit an: Unser Gepäck wurde unsanft an der Strassenecke abgestellt (hingeworfen wäre vermutlich der passendere Ausdruck). Ich habe es mir daher nicht nehmen lassen, vom genervten Fahrer noch eine Quittung für den Fahrpreis zu verlangen und ihm mitzuteilen, dass ein freundlicher Fahrer ja durchaus mit einem Trinkgeld hätte rechnen können 👊

Falls jemand in Rom mal einen Transfer braucht, rate ich also dringend vom Unternehmen eleganceservice.com ab. Unser AirBnB Host hatte diesen Fahrer für uns organisiert. Immerhin war der Preis annehmbar. Fahrstil und Freundlichkeit des Fahrers waren es definitiv nicht.

Nun sind wir also wieder Landratten (naja fast, sobald das Boot ausgewassert ist…) und verbringen eine Woche in Rom und gönnen uns den Luxus von fliessendem warmem Wasser, nicht schaukelnden Betten und einer Toilette bei der man nicht pumpen muss.

Update aus Porto di Roma, Teil II

Freitag, 11. Oktober, 2019

Tatjana lernt viel zur Zeit: Segel abschlagen und verstauen, Edelstahl polieren, Nachts eine zweite Mooring ausbringen. Sämtlich Aufgaben, die eigentlich bisher in meinen Aufgabenbereich fielen, werden jetzt zusätzlich zur Versorgung von Annika von Ihr übernommen. Von daher bin ich froh, wenn Zanzibar Ende nächster Woche ausgekrant ist, an Land steht und wir als Landratten unsere AirBnB Unterkunft in Rom beziehen.

Immerhin kann ich mit Reservekanister bewaffnet mehrfach zur Tankstelle um die Ecke pilgern. Da die Bootstanke hier im Hafen 1,80 € für einen Liter Diesel will laufe ich lieber drei mal ein paar hundert Meter durch die Mittagssonne um Auto-Diesel für 1,50 € den Liter zu zapfen. Auch sonst besteht meine Aufgabe überwiegend aus Laufen. Mehrmals täglich drehe ich mit Annika meine Runden im Hafen damit Tatjana ungestört werkeln kann.

Update aus Porto di Roma (Ostia)

Freitag, 4. Oktober, 2019

Nachdem ich immer noch einhändig unterwegs bin, bleiben die meisten Aufgaben, die vor dem Einwintern von Zanzibar anstehen an Tatjana hängen. Das Dinghy musste geputzt und verstaut werden. Das letzte Heizungskabel wollte von der Backskiste in den Salon verlegt werden und und und. Das Heizungskabel hat Tatjana übrigens gerade zur rechten Zeit verlegt. Es wird deutlich kühler. Zuerst wunderten wir uns, dass es nachmittags nun nicht mehr ausreicht Badehose oder Bikini zu tragen, am 4. Oktober sind wir dann schlotternd aufgewacht: 18 Grad im Boot 😅🥶 Vielleicht ist die Zeit der Sommerbettdecken nun auch vorbei. Immerhin: die neue Dieselheizung läuft bisher problemlos. Nachdem die Luft aus der Dieselleitung entfernt wurde sorgt sie nun für wohlige Wärm unter Deck (zugegeben, der Plastikgeruch stört etwas. Dieser sollte sich gemäß Händler aber bald geben).

Inzwischen hat Tatjana auch den Dorade-Lüfter neu abgedichtet und ist mit der Politur der Edelstahlteile an Deck zu gange. Ich bin zum Zuschauen verdammt oder gehe mit Annika spazieren. Immerhin das kann ich, ohne dass meine Hand zu sehr belastet wird. Schon als ich versuchte eine Schlauchschelle am Fäkalienschlauch zu wechseln (rein prophylaktisch, die alte war ziemlich korrodiert, was mir beim Wechsel der Pumpe aufgefallen war) blutete es wieder. Na toll! So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Irgendwie ein unwürdiges Ende der Elternzeit unter Segeln.

Bisher nicht wirklich weiter gekommen sind wir mit den auf der letzten Etappe aufgetretenen Vibrationen am Saildrive/Propeller. Tatjanas Tauchversuche ware nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Evtl. unternehmen wir einen weiteren Versuch mit der GoPro. Immerhin treten die Vibrationen im Leerlauf nicht auf. Zur Not müssen wir die Schraube eben nach dem Kranen inspizieren.

Nachts werden wir nun immer häufiger von Fischen geweckt. Was andernorts ein kaum wahrnehmbares Knuspern kleinerer Fische am Bewuchs des Unterwasserschiffs ist, hört sich hier an, als würden sich die Fische mit Hammer und Meißel über unser Unterwasserschiff hermachen. Wenn sie das gründlich genug tun, können wir nächstes Jahr eventuell auf einen Antifouling-Anstrich verzichten 😅

Etappe 28: Anzio – Rom (31.9 sm)

Samstag, 28. September, 2019

Was mangels funktionierender Hände an Bord als langweilige Schwachwind-Motor-Überführungsfahrt zurück nach Rom geplant war wurde gestern doch nochmal aufregend. Ungefähr eine Stunde nachdem wir in Anzio abgelegt hatten, sackte die Motordrehzahl plötzlich ab und wir spürten seltsame Vibrationen im Boot. Nicht schon wieder das nächste Problem 🤯

Da im Motorraum nichts zu erkennen war und der Motor allem Anschein nach ruhig und gleichmäßig lief, gingen wir mögliche Ursachen durch:

Mangelnde Dieselzufuhr? Immerhin hatten wir in Anzio die neue Dieselpumpe für die neue Heizung eingebaut, die ihren Treibstoff aus unserem Haupttank bezieht. Verstopfter Dieselfiter? Eine angebrochne Anode am Propeller?

Tatjana und ich waren unterschiedlicher Meinung wie wir mit dem Problem umgehen sollten: Tatjana wollte die ca. 5 Seemeilen nach Anzio zurück, ich wollte wenigstens die halbe Strecke (also noch 10 weitere Seemeilen) schaffen, damit uns die Küstenwache bei gröberen Problemen wenigstens in “den richtigen” Hafen schleppen würde. Vermutlich wäre ein Zurückfahren die bessere Option gewesen (sicherlich im Sinne von guter Seemannschaft, erst Recht mit Säugling an Bord) aber wir haben es aus eigener Kraft mit 1100 Umdrehungen und rund 3 Knoten nach Porto di Roma geschafft.

Gegen Ende der Etappe wurde ich etwas wehmütig. Das war sie also, die Elternzeit im Mittelmeer. Schön! Aber doch so ganz anders als ich es mir ausgemalt hatte. Viel zu viele Motorstunden, nur wenige echte Segeltage und eine Menge Arbeit, um die zahlreichen auftretenden kleineren und grösseren Probleme an Bord zu bewältigen. Probleme ist ein gutes Stichwort:

Wir vermuten inzwischen die Ursache der Vibrationen entweder in einer um den Propeller gewickelten Leine/Fischernetz oder einer sich teilweise gelösten Anode… sobald das Wetter passt, wollen wir der Sache tauchend auf den Grund gehen. Eine mittels am Bootshaken befestigter GoPro durchgeführte Inspektion brachte leider keine neuen Erkenntnisse. Das Wasser im Hafenbecken ist zu trüb und die GoPro kommt nicht nahe genug an den Saildrive/die Schraube heran.

In diesem Zusammenhang fiel mir auch ein besonderes Feature einer auf der Boot in Düsseldorf besichtigten Amel (50?) wieder ein. Dort gab es unter dem Bett in der Achterkoje eigens ein Kontrollfenster um die Schiffsschraube zu begutachten. Tatsächlich sehr sinnvoll und durchdacht.

Leider eine andere Liga was das Budget angeht, also wird bei uns wohl getaucht. Ansonsten bleibt nur das Unterwasserschiff nach dem Auskranen am 11. Oktober zu begutachten.

Update aus Anzio

Donnerstag, 26. September, 2019

Aufgrund meiner verletzten Hand haben wir entschieden, statt eines Abstechers noch weiter nach Süden morgen zurück zu unserem diesjährigen Winterlager nach Porto di Roma zu fahren. Dort wollen wir in den folgenden zwei Wochen das Boot winterklar machen und versuchen bereits eine Woche früher als ursprünglich geplant auszuwassern.

Anschliessend wollen wir wie geplant eine Woche lang von Land aus Rom erkunden und in der “gesparten” Woche eventuell Florenz besichtigen bevor es zurück nach Basel geht (irgendwann muss ich ja schliesslich wieder ins Büro)

Anzio: Hafentag des Grauens

Montag, 23. September, 2019

Selten haben wir so einen ereignisreichen Hafentag erlebt wie heute in Anzio. Leider eher weniger im positiven Sinne.

Aufgrund des kräftigen Südostwindes der genau in den Hafen bläst, ist unser Liegeplatz sehr unruhig. Starker Schwell steht wie im Hafenhandbuch angekündigt im Hafen und wir liegen sehr unkomfortabel. Ich wollte die angekündigten “Schwerwettertage” eigentlich nutzen um die Installation der neuen Heizung fertigzustellen. Leider habe ich mir dabei beim Kürzen der Kunststoffdieselleitung mit dem Teppichmesser ziemlich blöd in die Hand geschnitten. So kam es, dass die Bordärztin gleich nach dem Frühstück Ihre erste OP hatte und unser Nahtmaterial zum Einsatz kam. 

Das Vorher Bild erspare ich Euch…

Grade als ich mich an den Gedanken nun vom quasi Einhandsegler zum Halbhandsegler geworden zu sein gewöhnt hatte und wir diskutierten, wie wir mit diesem Handicap am Besten weiter machen, kam die Küstenwache und schleppte einen Segler mit Motorproblemen durch die Hafeneinfahrt in der sich inzwischen die Wellen brachen vorwärts in die Lücke neben uns.

Bei uns an Bord war sofort “high life”, zehn Segler brachten Ihr komplettes Gepäck (vieeeeel Gepäck) über unsere Stb Seite und unsere Gangway auf den Steg. Alle schön mit schwarzen Sohlen… Immerhin waren sie sehr freundlich und wir bekamen sogar zum Abschied als Dank für unsere Hilfe beim Anlegen und Entladen eine kalte Flasche Prosecco. Ob der wohl für den (selbstgefahrenen) Anleger des Tages gedacht war?

So sitzen wir jetzt, den ganzen Tag an Bord (Tatjana war wenigstens kurz einkaufen) und hören den markerschütternden Schlägen der Wellen zu, die von der Kaimauer reflektiert gegen unser Heck klatschen. Ich hoffe, es sind die Wellen und nicht unser Ruderblatt, das Bekanntschaft mit dem Grund des Hafenbeckens macht. Das hatten wir in Griechenland auf einem Charterboot mal erlebt und führte unseren Erinnerungen nach zu einem noch hässlicheren Geräusch.

Am nächsten Morgen hatte der Wind endlich gedreht und Tatjana konnte zwei zusätzliche Fender die im Hafenbecken trieben als Entschädigung für unser Durchhaltevermögen abstauben. Die konnten wir auch brauchen, denn die Motoryacht Backbord neben uns war nur mäßig gesichert und kam mit ihrem Heck bereits gestern bedrohlich nahe an unser Heck, so dass wir das Dinghy als Riesenfender an diese Stelle verholt haben.

Etappe 27: Rom – Anzio (29.8 sm)

Samstag, 21. September, 2019

Nachdem wir heute morgen in Rom abgelegt hatten, habe ich die Genua ausgerollt und gewartet, bis die Wassertiefe für mein Dafürhalten gross genug war, um bei ablandigem Wind in den selben Richtung Küste zu fahren um auch das Gross zu setzen. Trotz idealer Segelbedingungen von 10-12 Knoten Wind aus Ost haben wir dabei ein Reff ins Gross gebunden und der Motor tuckerte dauerhaft eingekuppelt mit. Tatjana hatte Angst vor eventuellen Herbststürmen und Gewittern (der italienische Wetterdienst warnt meiner bisherigen Erfahrung nach oft und grosszügig vor Gewittern, die dann meist nicht kommen, an Bord aber immerhin für ein ungutes Gefühl sorgen).

Gepaart mit der Beschreibung im Hafenhandbuch, dass der (heutige Ziel-) Hafen von Anzio bei Sturm aus Süd nicht anfahrbar ist, sorgte dies bei der grossen Borddame für eine etwas blassere Gesichtsfarbe als üblich. Also erstes Reff und zu Ihrer Beruhigung habe ich die Rettungsweste angelegt, einer muss nach den gut 27 Meilen, die wir heute vor uns haben ja anlegen können, ich sollte also nicht über Bord gehen. Na wenn’s hilft…😏

Zanzibar liegt währenddessen super balanciert am Ruder. Man kann das Steuer sogar los lassen und Sie hält Kurs. Nur manche Mitsegler sollten das besser nicht sehen.

So motorsegelten wir den Tag in südöstlicher Richtung dem Stiefel entlang. Erstes Highlight des Tages war dabei ein Düsenflugzeug, dass in der Nähe des Militärflughafens Mario De Bernardi seine Kunststücke wie Loopings etc. zum Besten gab.

Das nächste Highlight der besonderen Art war zweifellos die nervenaufreibende Hafeneinfahrt. Da der Hafen stark zum Versanden neigt, funkt man die Küstenwache an, die einem entsprechend des eigenen Tiefgangs eine Fahrrinne in den Hafen zuweist (In unserem Fall “in 30m Abstand zum Backbord Leuchtfeuer der Hafeneinfahrt”). Da diese Fahrrinne in einem Sperrgebiet lag, hatte ich leichte Skrupel dieser Anweisung zu folgen und es wurden eher 100m Abstand. Glücklicherweise hatte ich mir die AIS Wegpunkte eines vor uns in den Hafen einfahrenden (größeren) Seglers gespeichert und so liegen wir nun, nach anschliessendem Funken mit den Marineros im Hafen von Anzio in dem ein nicht unerheblicher Schwell steht. Fühlt sich fast wie Ankern an 😅.

Die Ausfahrt dürfte unproblematisch werden, denn nun haben wir ja unseren eignen Track den wir in umgekehrter Richtung erneut abfahren können.

Wetterbedingt planen wir 5 Nächte hier zu verbringen und zum Beispiel die Ruinen von Neros Villa und seinem Hafen zu besichtigen.

Es wird eindeutig Herbst…

Gerne würden wir auf unserem Trip noch zur Insel Ponza, allerdings bereitet mir das auf dem Weg dorthin als Zwischenstop angedachte San Felice Circeo etwas Kopfzerbrechen. Auch dort neigt der Hafen zum Versanden und der maximal zulässige Tiefgang für die Einfahrt beträgt 2m (wir haben 1,85m)… Mal sehen, welche Erkenntnisse ein Anruf dort bringt.

Solange also erst mal auf zur Besichtigung von Neros Ruinen:

Etappe 26: Riva di Traiano – Rom (31.7 sm)

Montag, 16. September, 2019

Während wir das Boot für die heutige Etappe klar machen, fahren laut hupende Fischer aus dem Hafen. Erst später erzählt mir Tatjana, dass das Hupen wohl Ihr galt, als Sie auf dem Steg unser öliges Geschirr vom Vortag abwusch und man unter Ihrer Jogginghose ein Stück Ihres Tangas hervorblitzen sah. Na dann…

Das Geschirr haben wir übrigens nur deshalb am Steg gewaschen, da es in Riva di Traiano nur „Industrial Water“ an den Stegen gibt und wir etwas knapp an Trinkwasser in unseren Tanks im Boot waren und unsere Schläuche/Tanks nicht mit Wasser zweifelhafter Qualität füllen wollten.

Nachdem der Nachbar von Gegenüber als Abschiedsgruß über seine Reling ins Hafenbecken pinkelte (das scheint es also nicht nur in Cannes zu geben) haben wir abgelegt (nicht deshalb natürlich 😅).

Als wir kurze Zeit später an der Tanke längsseits gingen, haben wir den bereits gestern bestaunten Tankwart live erlebt. Er rauchte als er uns den Zapfschlauch reichte seelenruhig eine Zigarette…

Dann aber ging es los. Bei Wind direkt auf die Nase sind wir die ersten Stunden in Richtung Rom motort.

Da auf dem NAVTEX keine Meldung bezüglich einer geplanten Schiessübung empfangen wurde, sind wir um Seemeilen zu sparen durch das Schiessübungsgebiet E305 motort. Kurz bevor wir es erreichten wurde ich aber doch nervös. Civitavecchia Radio meldete auf Kanal 16 Schiessübungen. So richtig gut, waren die dort verlesenen Koordinaten jedoch nicht zu verstehen. So kam es, dass wir ca 2.5h lang froh um jedes Fischerboot waren, dass unseren Weg kreuzte (und sich dann ebenfalls im fraglichen Gebiet befand).

Unterwegs haben wir ausserdem heute die 500. Seemeile mit Annika geloggt und nicht nur einen lustig immer wieder aus dem Wasser springenden kleinen Schwertfisch sondern einige Male auch eine Delfinflosse und einen Schwarm Sardinen gesehen.

Ungefähr zehn Seemeilen vor unserem Etappenziel drehte der Wind dann etwas und wir konnten mit der Genua wenigstens noch etwas Motorsegeln.

Die Marina Porto di Roma ist etwas in die Jahre gekommen, aber selbst am Ende der Saison, zumindest am Wochenende überraschend belebt. Es scheint sich um die Flaniermeile von Lido di Ostia zu handeln. Natürlich wollen wir hier neben grösseren Bootsarbeiten (Heizung, Fäkalienpumpe (schon wieder ein Sch… Job) auch wieder eine kleine Sightseeing-Tour ins antike Ostia machen.

Rom selbst wollen wir vorerst nicht besichtigen, da wir planen, nach der Auswasserung von Zanzibar, vor unserer Heimreise ohnehin eine Woche in einem AirBnB in Rom zu verbringen.

Etappe 25: Porto Ercole – Riva di Traiano (36.2 sm)

Freitag, 13. September, 2019

Es wird Herbst, es ist nicht zu leugnen. Zum einen brauchen wir seit ca 3 Tagen abends wieder lange Klamotten, zum anderen haben sich die vorhergesagten Winde deutlich geändert. Für heute ist Wind zwischen 15 und 20 Knoten vorhergesagt, idealer Segelwind also. Eigentlich!

Denn leider haben Teile der Crew Bedenken und fühlen sich bei 10 Knoten Wind am wohlsten (ab 11 Knoten fängt je nach Kurs das Unwohlsein an). Das kann ja was werden. Und dann wollen wir am Freitag den 13. auch noch fast 35 Meilen machen 🥴. Kurz wird halbherzig versucht mich mit „never leave port on a Friday“ zum abwarten zu bewegen. Ohne Erfolg.

Bis zum geplanten Winterlager ist es noch gut einen Monat und eigentlich hatte ich ja vor, die Region südlich von Rom im Hinblick aufs nächste Frühjahr schon mal ein bisschen zu erkunden.

Da der Wind die ersten Stunden nach unserer Abfahrt dann doch nicht sooo „schlimm“ war wie angekündigt, hatte ich Zeit einem AIS Mysterium auf den Grund zu gehen. Die letzten Tage habe ich in der Bucht vor Porto Ercole immer mal wieder einen verblüffend schnellen Segler gesehen.

Allerdings nur im AIS, nie beim Rundumblick. Zusätzlich hat mich der Aufbau der gesendeten MMSI verwirrt 152879695. Eine Zahlenfolge, die es gemäß international gültiger Radio Regulations eigentlich nicht geben kann. Zahlenfolgen die mit 1 beginnen, sind dort nämlich Flugzeugen und Hubschraubern im Rettungseinsatz vorbehalten, beginnen dann aber mit 111… Der kleinstmöglich Ländercode einer normalen Seefunkstelle wäre 201 für Albanien.

Der entscheidende Tipp kam aus dem Segelforum, an dass ich mich bei Ungereimtheiten oder Problemen gerne wende, um vom Erfahrungsschatz der anderen Forumsmitglieder dort zu profitieren.

Es handelt sich beim empfangenen Signal wohl um eine (falsch programmierten) AIS Sender an einer Fischreuse oder ähnlichem, die so vom Fischer leichter gefunden werden kann. Auf die Spur kam ich dem Fischer neben dem Hinweis im Forum übrigens dadurch, dass das fragliche Signal dem Fischer in allen Kursbewegungen folgte und dann plötzlich verschwand. Reuse eingefangen…

Interessant auch, dass ich dieses wenig plausible Signal lediglich mit Navionics beobachten konnte, nicht mit iSailor. Dort wird also vermutlich nach Plausibilität gefiltert.

Die Tatsache, dass wir den Turbosegler locker überholen konnten, sorgt nun neben einem neuen Distanzrekord für die heutige Etappe auch für einen neuen Geschwindigkeitsrekord. Zanzibar ist nicht nur in der Lage einen 52 Knoten Segler einzuholen, sondern kann auch locker vorbei ziehen 🤣

Nach diesen Spielereien kam dann aber tatsächlich noch Wind und das vorsorglich im ersten Reff gesetzte Gross machte plötzlich Sinn.

Beikost bei Seegang, da muss man bei der Bildschärfe Abstriche machen 😉

Trotzdem war es ein langer Tag und ich war froh, dass wir am Zielort südlich von Civitavecchia beim Anlegen mal kaum Wind hatten…

Der weisse Fleck im marinetraffic Empfangsgebiet ist Geschichte…

Auch hier wollen wir 2 Nächte bleiben, bevor wir unserem Winterlagerhafen in Rom einen ersten Besuch abstatten wollen (Zubehör für die neue Dieselheizung und eine neue Fäkalienpumpe sind bereits parallel zu uns auf dem Weg dorthin).

Wir haben in dieser „Betonmarina“ einen echten Premiumliegeplatz ergattert, direkt an der Hafeneinfahrt. Bei Nordwest Wind steht netter Schwell und jedes Boot das hier vorbeifährt zerrt an unseren Heckleinen. Allerdings haben wir einen unverbaubaren Blick auf die Tankstelle der Marina, an der sich der Tankwart während er auf Kunden wartet den ganzen Tag in einer knappen schwarzen 80er Jahre Badehose sonnt…

Ein bisschen wackelig liegen wir hier schon…

Etappe 24: Marina Cala Galera – Porto Ercole (11 sm)

Mittwoch, 11. September, 2019

Nachdem wir nach einem Anruf in Giglio definitiv wussten, dass es an den dortigen Liegeplätzen weder Wasser noch Strom gibt, verzichten wir auf einen Abstecher auf die zweite Insel dieser Reise. Da wir Annika zu liebe auf Ankernächte verzichten, würde ein solcher Hafen derzeit wenig Sinn machen.

Stattdessen segelten wir einige Zeit durch die Bucht und liegen jetzt im Nachbarhafen in Porto Ercole, der unser letzter Hafen in der Toskana werden soll.

Es kommt vermutlich nicht oft vor, dass Etappenstart (rechts) und Etappenziel (links) aufs selbe Foto passen

Einen AIS Track gibt es von diesem Segelausflug nicht, da wir uns immernoch auf einem „weissen Fleck“ in der marinetraffic Abdeckung befinden. Stattdessen aber ein kurioser AIS Fund den ich bereits bei der Einfahrt nach Cala Galera und auch während des Trips gestern wieder gesehen hatte:

Ziemlich flott unterwegs, und doch weit und breit nicht zu sehen…

Nachdem auf unsere Funksprüche vor der Hafeneinfahrt einmal mehr nicht reagiert wurde, griff Tatjana zum Telefon: Die Tatsache, dass Ihr Gesprächspartner kein Englisch sprach, entlockte Ihr nur noch ein kurzes „Oh, ok!“ und nach „Somos aqui“ in Portovenere klang das ganze hier auf einmal irgendwie schon viel italienischer, „Ingresso Porto“. Da die Bordgynäkologin mit dem zurückkommenden „Sinistra al fondo“ dank Lateinkenntnissen sogar etwas anfangen konnte, hatten wir nach kurzer Suche im Hafenbecken den für uns bestimmten Schwimmsteg gefunden. Welch ungeahnte Talente 😳

Das Anlegemanöver in diesem super engen Hafen war ziemlich speziell. Bei der Anfahrt zum Liegeplatz warteten bereits 2 Leute auf den Booten links und rechts der für uns vorgesehenen Lücke. Der Helfer mit der Mooring kletterte dann kurzer Hand über unsere Reling und belegte die Mooring, während sich Tatjana mit dem anderen Helfer um die Heckleinen kümmerte.