Am ersten Bootstag mit Crew legen wir morgens um 8 Uhr in Brindisi ab. Der Wind der letzten Tage hat etwas nachgelassen, und auch die Wellen sollen nun deutlich kleiner sein als bei meinem Einhandtrip von Bari hierher. Auch hier müssen wir nach dem Verlassen der Marina kurz warten, um einen grossen Pott einfahren zu lassen (diesmal eine Grimaldi-Fähre). Dann geht es bei sehr moderaten Bedingungen motorsegelnderweise mit Genua und 1500 Umdrehungen die Küste entlang nach Süden. Luigi hat uns in Otranto einen Hafenplatz organisiert. Da dieser Hafen und seine Besichtigung noch in unserem Reiselogbuch fehlen, machen wir hier für zwei Nächte fest, bevor es nach Griechenland geht.
Mangels Sanitäranlagen duschen wir an Bord und erkunden danach das hübsche Centro Storico mit seinen vielen Gässchen und Restaurants. Nach einer Pizza und einer Flasche Rosé-Primitivo geht es zurück an Bord.
Am Hafentag wollen wir an der nahen Tankstelle etwas Diesel bunkern und unsere Lebensmittelvorräte aufstocken, da wir in Griechenland wohl zunächst vor Anker liegen werden.
Die Nacht ist kurz. Nicht weil der Wecker zu früh klingelt, sondern weil der Steg es so will, ein rhythmisches Quietschen, das sich mit der Aufregung vor dem langen Einhandtörn zu einer zuverlässig schlaflosen Mischung verbindet. Um 06:08 Uhr, nach einem schnellen Kaffee, sind die Leinen los.
Gleich vor der Marina wartet die erste Überraschung: die MSC Fantasia, ein Kreuzfahrtkoloss, schiebt sich majestätisch in den Hafen. Ich warte, lasse ihr den Vortritt, und dann gehört die Bühne mir.
Naja, fast. Denn was vor der Mole wartet, ist wenig einladend: 1,5 bis 2 Meter Schwell aus Nordwest, der Wind ebenfalls wie angesagt NW, genau von hinten. Nach einem Schlenker um die Mole, kommt der Schwell dann wenigstens von achtern. Das Grosssegel bleibt eingepackt. Zu viel Schlagen, zu viel Stress für einen langen Tag alleine an Bord. Stattdessen: Vorsegel wenn möglich, Motor wenn nicht, Einhandsegeln heisst für mich manchmal, Heldentum bewusst wegzulassen.
Die Küste gehört mir fast alleine. Einzelne Fischerboote sind draussen, aber die Freizeitkapitäne sind wohl eher im Hafen geblieben. So bleibt Zeit für das, was das Meer so treibt (im wörtlichen Sinne): Irgendwann schwimmt ein alter Kleiderschrank vorbei. Kurze Zeit später rennt eine Gruppe Flamingos erst hektisch scheinbar über die Wasseroberfläche, als hätten sie Anlaufschwierigkeiten, bevor sie sich doch noch in die Luft erheben. Solche Momente rechtfertigen jeden Schlafentzug.
Nach 9,5 Stunden und 65 Seemeilen kommt die Mole von Brindisi in Sicht. Um die Ecke biegen bei noch immer 2 Meter Schwell. Just in dem Moment dröhnt Thunderstruck von AC/DC aus den Cockpit-Boxen. Es hätte schlechter passen können. Über Funk melde ich der Marina: Einer an Bord, keine Crew! Zwei Marineros erwarten mich bereits, übernehmen die Heckleinen und reichen die Mooring. Bei 20 bis 25 Knoten Wind von achtern lege ich an, das klappt wie am Schnürchen.
Im Hafenbecken zieht kurz darauf eine ziemlich grosse Meeresschildkröte ihre ruhigen Runden und taucht wieder ab. Sie scheint unbeeindruckt von meinem Anleger.
Das Anlegerbier schmeckt. Noch besser finde ich die darauf folgende Dusche. Anschließend wird mir klar, dass ein Restaurant trotz Hunger keine Option mehr ist. Abendessen an Bord, früh ins Bett, und eine Mütze Schlaf ohne quietschenden Steg.
Nachdem die letzten Wochen wieder ganz im Zeichen der Hausrenovierung standen – diesmal war das Dach dran – freue ich mich umso mehr, heute nach Bari zu fliegen und etwas Abstand von der Baustelle zu gewinnen. Schön wäre es, wenn das Gerüst in drei Wochen verschwunden wäre, wenn ich wieder nach Hause komme.
Der Plan: In Bari bereite ich das Boot vor, bevor ich am Sonntag Tati und Annika in Brindisi abhole – die beiden sitzen gerade noch in der letzten Schulwoche vor den Pfingstferien. Von dort geht es dann weiter Richtung Griechenland.
Ich bin gespannt, wie die Werft die beauftragten Arbeiten erledigt hat, und freue mich besonders auf das neue Flexiteek im Cockpit, das den doch sehr in die Jahre gekommenen Holzbelag endlich ersetzt.
Als ich nach Flug und Taxifahrt an der Werft ankomme, liegt Zanzibar bereits im Kranbecken – das war eigentlich anders abgemacht. Eine der vormals wackelnden Relingsstützen an Backbord fehlt noch, und auf dem Flexiteek zeigen sich ein paar unschöne gelbe Flecken. Ich hoffe, dass die Werft das noch vor dem Ablegen in den Griff bekommt. Immerhin: Während ich die Segel anschlage, wird bereits an der Reling gearbeitet. Auch Sprayhood, Bimini und Solarzellen lassen sich zügig montieren, sodass ich am Nachmittag mit dem neu angeschafften Trolley zum Supermarkt aufbreche – etwa 20 Minuten zu Fuß – um Proviant zu bunkern.
Der Trolley, erst kurz zuvor von Amazon geliefert und auf diesem Trip erstmals im Einsatz, bewährt sich beim Einkaufen tadellos. Zurück am Steg entlade ich ihn und lasse ihn kurz stehen – leicht, faltbar, kaum Eigengewicht. Genau das wird ihm beim zweiten Einkauf fast zum Verhängnis: Eine Böe erfasst den leeren Trolley und befördert ihn kurzerhand ins Hafenbecken, wo er ohne zu zögern auf Tauchstation geht. Vier Meter Tiefe, schätzungsweise auf Nimmerwiedersehen. Ich hatte ihn schon innerlich abgeschrieben, als ein Werftmitarbeiter die Sache in die Hand nahm. Mit einer improvisierten Hakenkonstruktion und beachtlicher Ausdauer fischte er den Trolley tatsächlich vom Grund des Beckens wieder ans Tageslicht.
Am nächsten Morgen verhole ich das Boot aus der Kranbox an einen Liegeplatz der Werft. Ich widme mich dem Relingsnetz, den Reffleinen und den Segellatten, während die Werft sich mit 80er-Korn um die gelben Flecken im Kunstteak kümmert. Danach reserviere ich einen Hafenplatz in Brindisi – schließlich will ich morgen losfahren. Wind ist angesagt, aber die nächste realistische Gelegenheit zum Ablegen würde sich für einen Einhandsegler wohl erst am Samstag bieten, und so lange im Werftgelände zu liegen wäre mir dann doch zu viel.
Und plötzlich ist sie wieder da: die altbekannte Angst des Einhandseglers vor der eigenen Courage. Aber der Wetterbericht sieht besser aus als damals vor dem geplanten Malta-Trip, und ich habe inzwischen auch einiges mehr an Erfahrung. Ich bin wild entschlossen – zumal es diesmal ja der Küste entlang geht.
Erneut legen wir wegen Gewittergefahr am Nachmittag früh morgens ab und motoren durch die Flaute von vorn unserem Winterlager in Bari entgegen. Etwas später gehen wir an Bord auf die Suche nach einem komischen Gummigeruch, realisieren dann aber, dass nur der Industrieduft aus zu uns Bari herüberweht. Zwei Delfine statten uns davon ungestört einen kurzen Besuch ab. Weiter geht es am Flughafen Bari vorbei, an dem gerade rush-hour herrscht. Wir beobachten ein startendes oder landendes Flugzeug nach dem anderen und der Wind von vorn nimmt stetig zu. Trotz 15 Knoten Seitenwind klappt der Anleger im Yachtclub “Vele Spiegate” gut.
Kurze Zeit später schlagen wir bei 20 Knoten Wind das Grosssegel ab. Wer weiss wie lange es trocken bleibt? Mit dem kostenlosen Shuttlebus geht es anschliessend für eine kurze Stippvisite in die Stadt: Wir suchen einen Mietwagen, werden aber kurzfristig nicht fündig: Alles ausgebucht oder über 900.- Euro (für 5 Tage) teuer. Dann fahren wir wohl Zug…
Am nächsten Morgen entfernen wir Genua, Sprayhood, Bimini und Solarzellen und ich bin froh, als alles trocken im Boot verstaut ist. Kurze Zeit später tröpfelt es. Punktlandung!
Der offizielle Shuttlebus hat heute morgen leider den Geist aufgegeben, und so nimmt uns (und den Busfahrer) ein freundlicher Italiener mit seinem klapprigen Transporter mit in Richtung Ausgang des Hafengeländes. Mit dem Zug fahren wir nach Polignano, das wir als sehr überlaufen, und ultra-touristisch erleben. Immerhin ist die Rückfahrt wegen defekter Ticketautomatenam Abend gratis.
Nach unserer Rückkehr aus Polignano spazieren wir am alten Hafen von Bari entlang. Komisch, dass man hier keine Marina baut. Die Infrastruktur wäre durch zwei Yachclubs schon so gut wie vorhanden. Zum Abendessen besuchen wir die urige Pizzeria Cosimo die wir von unserem ersten Besuch vor einigen Jahren kennen.
Am Donnerstag verholen wir uns zum Steg der Werft. Nachmittags stehen Gespräche an um die Arbeiten die während unserer Abwesenheit durchgeführt werden sollen zu besprechen.
Am nächsten morgen werden wir ausgekrant und ziehen nachdem die Werftmitarbeiter unser Boot mit der Wasserwaage ausgerichtet haben (!) in ein AirBnB in der Stadt um.
Vom hier aus erkunden wir weiter die Stadt die deutlich voller ist, als wir das von unserem ersten Besuch in Erinnerung haben und machen am Samstag mit dem Zug einen Ausflug nach Monopoli. Es ist schon erstaunlich wie anders man eine Stadt erlebt, wenn man mit dem Zug statt Boot abkommt und zunächst durch die Neustadt laufen muss um zum “Centro Storico” zu kommen.
Gegen halb elf legen wir nach drei Nächten in Trani ab und motoren bei vollständiger Flaute aber unangenehmem Schwell ins nur 5 Seemeilen südlich gelegene Bisceglie.
Leider war es schwierig ab heute bereits einen Hafenplatz in Bari zu bekommen, weshalb wir uns entschieden haben hier, knappe 18 Meilen vor Bari einen Zwischenstopp einzulegen. Ab morgen haben wir dann nach einigem hin und her einen Platz im Yachtclub in Bari. Allerdings könnte es bereits ab 14 Uhr gewittern. Es wird spannend, ob wir die Segel trocken ab bekommen… Wir wollen jedenfalls früh aufbrechen. Zum einen wegen der Segel, zum anderen um dem Gewitter auf See aus dem Weg zu gehen 🤞
Nach dem Anleger geht es direkt zum Strand wo Annika sich mit der Luftmatratze vergnügt und die Küstenwache einen Segler verscheucht, der doch sehr na an den Badenden ankern (um ebenfalls zu baden).
Nach dem Ablegen und einem kurzen Stopp an der Tankstelle rollen wir die Genua aus und motorsegeln der Küste entlang in Richtung Süden. Allerdings ohne einen nächsten Platz für die Nacht sprich eine Hafen oder Bojenreservierung zu haben. Wir hatte bei Navily von Luigi gelesen, der einem im Städtchen Trani zu einem Platz verhelfen können soll. Leider vertröstet er uns seit gestern morgen und wir warten immer noch auf seine Bestätigung. Zur Not wollen wir auf gut Glück in den Hafen fahren und einfach mal schauen. Falls es in Trani nicht klapp wollen wir es 5 Meilen weiter in Bisceglie versuchen.
Nach etwa 1.5h statten uns die Carabinieri einen kurzen Besuch ab, winken aber nur als sie hinter unserem Boot durch gehen und drehen ab.
Der Wind nimmt stetig zu und wir setzen das auch Gross und schalten den Motor aus.
Als wir eine Wende fahren wollen, um um ein Sperrgebiet vor der Küste herum zu kommen, kommt der Wind derart blöd und heftig von vorne, dass ich die Segel streiche und wir nach kurzer Motorfahrt nur die Genua wieder setzen.
Dann endlich meldet sich Luigi: Unser Platz in Trani ist bestätigt!
Wir segeln weiter und auch die auflandigen Wellen werden in Hafennähe immer größer und schütteln uns ordentlich durch. Im ruhigeren Vorhafen bringen wir die Fender aus und Tatjana telefoniert mit dem Hafen. Am Telefon bekommt sie mit, wie ein Segler, der kurz vor uns in den Hafen eingefahren ist, weggejagt wird: Gut dass wir Luigi kontaktiert hatten. Manche Dinge funktionieren in Italien einfach anders.
Wir werden sehr freundlich empfangen und sie kurze Zeit später am Pontile Communale sicher vertäut.
Wir erkunden den pittoresken Ort und finden ein ansprechendes Restaurant in Hafennähe.
Die Promenade ist auch hier recht lebhaft/laut, aber lange nicht so, wie in Manfredonia oder gar Vieste.
Aufgrund der Wettervorhersage die ab etwa Donnerstag Gewitter sieht, ändern wir unseren ursprünglichen Plan hier “nur” zwei Nächte zu bleiben und fragen eine dritte bei den Leuten am Steg an: Kein Problem! Und diesen Luigi kennt hier sowieso niemand, der arbeitet hier nicht, wie man uns grinsend sagt. Italien eben! Ich bin gespannt, wie Luigi zu seiner Provision kommt.
Jedenfalls bleiben wir hier nun bis Montag. Nach einigen Telefonaten ist klar, dass wir anschließend nach Bisceglie fünf Seemeilen weiter in Richtung Bari verholen und dann bereits den Yachtclub in Bari ansteuern, der im selben Hafenbecken liegt wie unsere Winterlagerwerft. Der Abstecher ins weiter südlich gelegene Monopoli muss aufgrund möglicher Wetterkapriolen auf dem Rückweg leider ausfallen…
Als das geklärt ist, essen wir in einem lustigen “Frisch-Pasta-Take Away” zu mittag. Man sucht sich hier an der Theke seine Nudeln, Sugo und Toppings (Käse, Nüsse, etc.) aus und wartet, bis alles frisch zubereitet ist. Lecker!
Nachmittags machen sich Annika und Tati auf zum Strand während ich beim fixieren wackliger Relingsstützen Arbeit für die Werft finde: Unsere Gasleitung die hinter den Schränken im Achterschiff verläuft ist ziemlich korodiert. 🫣
Am nächsten Tag erlaufen wir die beiden Molenfeuer und entdecken den angenehm schattigen Stadtpark für uns. Nach einem Mittagessen an Bord und einem erneuten Abstecher zum Strand genehmigen wir uns einen Aperitif und gehen anschliessend in einem von Luigi empfohlenen Restaurant lecker essen. Zuhause will ich unbedingt Spaghetti Assasina nachkochen…
Nachtrag: Luigi, den wir leider nicht persönlich getroffen haben (er macht Urlaub in Kroatien) möchte seine 20 Euro “Organisations-Gebühr” auf ein Konto in Litauen überwiesen haben. An manche Dinge werde ich mich nie gewöhnen, aber gut, dann halt nach Litauen…
Bei böigen bis zu 20 Knoten von Backboard versuchen wir abzulegen. Als nur noch die gefierte Luvleine belegt ist, liegen doch schon erheblich schräg am Steg. Ein Nachbarboot, an dem wir uns entlang hangeln könnten, haben wir hier nicht. Ich schicke also Tatjana zum Stegbetreiber um nach Dinghyunterstützung zu fragen. Das, so denken wir sollte kein Problem sein, da dieser ohnehin mehr als 20 Schlauchboote am Steg hat, die er an Touristen vermietet.
Mit einem Dinghy möchte er zwar nicht helfen, allerdings hält er mit einer langen Leine unseren Bug gerade, so dass wir ablegen können, ohne irgendwo gegen zu krachen. Was für ein Start!
Vor dem Hafen setzen wir im angesagten achterlichen Wind die Genua und rauschen bei unstetem Wind zwischen 7 und 25 Knoten in Richtung Etappenziel in Manfredonia.
Hier werden wir mit einem Dinghy empfangen und an einen Fingersteg begleitet. Endlich ausruhen! Nach der lauten Diskomusik in der Nacht zu vor und dem anstregenden Ablegemanöver bin ich platt und geniesse eine ausgiebige Dusche in der “Betonmarina”.
Nach einer ersten Erkundungstour am frühen Abend entscheiden wir uns fürs Kochen an Board und sinken anschließend im die Kojen.
Am nächsten Morgen geht es für einen Cappuccino (und Annikas obligatorisches Erdbeereis) erneut in den Ort.
Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zum Shipchandler und erstehen eine kleine Tube Sikaflex. Nach dem Mittagessen und einer Siesta an Bord pilgern wir mit Annika zum Strand. Zu unserer Überraschung ist dieser so ganz anders als 25 Seemeilen weiter nördlich am Kap von Vieste: Unmengen an Seegras türmen sich auf. Auch scheint die Saison hier gemessen an der Liegestuhlbelegung in den Bagnis bereits vorbei. Es herrscht gähnende Leere. Annika hat trotzdem ihren Spass beim Muscheln sammeln.
Da wir kein ansprechendes Restaurant finden, dass bereits am frühen Abend geöffnet hat, entscheiden wir uns nach dem Nachtanken aus dem Kanister für Risotto an Bord. Abends im Hafen schnappen die Fische an der Wasseroberfläche nach Luft (nicht weil wir Diesel verkippt haben!). Am Steg in Manfredonia gibt es zwar keine Disko, leider findet hier jedoch heute ein lautstarker Karaoke Wettbewerb statt, bei dem eine sehr motivierte Moderatorin das Können der Teilnehmer am Mikro kommentiert 🤪
“4:20 Lastovo abgelegt” lautet heute der erste Logbucheintrag. Entsprechend schlaftrunken ist die Crew. Immerhin bemerken wir nach dem Ablegen keine 10m vom Steg entfernt, dass wir die Navilichter vergessen haben. Auch mit diesen motoren wir im stockdunkeln langsam aus der Bucht. Auch der Mond ist bereits untergegangen und kann uns kein Licht spenden. Wir folgen zur Vermeidung von Fischernetzen zunächst den Track unserer Ankunft am Vortag. Zusätzlich steht Tati mit Rettungsweste und Taschenlampe am Bug und hält Ausschau.
Als wir etwas von der Insel entfernt sind beobachten wir fliegende Fische, schlafende Delfine, die bei unseren Näherkommen abtauchen und sogar eine Meeresschildkröte. Wir Motoren zunächst durch die Flaute. Bis ab etwa halber Strecke sportliches Am-Wind motorsegeln mit direktem Kurs auf Vieste möglich ist. Durch die geplante Etappenlänge lassen wir den Motor dennoch mitlaufen um ausreichend Strecke in Richtung Italien zu machen.
In Vieste legen wir diesmal nicht wie bei unserem ersten Besuch in der “Marina di Vieste” wie bei unserem ersten Besuch sondern in der “La Darsena – Marina Vieste” an, deren (einzelner) Schwimmsteg stadtnäher liegt. Ausserdem sparen wir hier 10 Euro Liegegebühr pro Tag.
Nach der langen Überfahrt sind wir ziemlich groggy und gehen abends in einer Pizzeria im Ort Abendessen. Wir sind zurück in Bella Italien und lassen hier zwei Tage die Seele baumeln, bevor es weiter geht in Richtung Winterlager in Bari.
Am zweiten Tag bunkern wir etwas Trinkwasser in Flaschen und holen beim örtlichen Fischhändler zwei Scheiben Schwertfisch für den Heckkorbgrill und geniessen den schönen flachen Sandstrand mit Annika.
Nachts werden wir unsanft geweckt: Das hatte ich irgendwie verdrängt: Die Discothek am anderen Ende des Hafenbeckens dreht gegen halb zwei so richtig auf. Erst gegen halb 4 wird es ruhiger, allerdings nur kurz. Um halb fünf werden wir von einem kurzen heftigen Gewitter direkt über uns geweckt. Was für ein Willkommen in Italien…
Beim Ablegen in Vieste laufen wir immerhin nicht erneut auf Grund: Wir verlassen den Hafen und navigieren durch unzählige Fischerfähnchen. Wie so oft haben wir den Wind dabei direkt auf der Nase und kommen unter Motor deshalb nur sehr langsam voran. Irgendwann habe ich genug: Wir Kreuzen gegen an! Sofort ist Leben im Boot, doch nach 2 h sehe ich es ein: Unser Weg verdoppelt sich durch unser Kreuzen. Leider machen wir aber nicht die doppelte Geschwindigkeit. Wir rollen das Vorsegel weg und gehen wieder direktauf Kurs.
Um die Mittagszeit werde ich unruhig: Ob es am Ziel wohl mit dem Ankern klappt? Einen echten Hafen zum Ausweichen gibt es auf den Tremiti Inseln nicht. Eine teure Boje haben wir nicht gebucht. Wie voll es wohl ist? Im Hinterkopf habe ich immer noch die Bilder aus Vulkano, wo derart viele Boote in einer Bucht ankerten, dass sich die Skipper fast die Hand reichen konnten.
Immerhin im Gegensatz zu damals ist weder Ferragosto noch Wochenende. Ich hoffe das Beste.
Kurz vor unserer Ankunft warnt Split Radio vor Feuerlöschflugzeugen in der Region Zadar.
Als wir auf den Tremiti Inseln ankommen ankern nur 2 andere Boote in der Bucht, die wir uns ausgekuckt haben. Wir sind aufgeregt, ob unser Anker hier wirklich hält und haben bereits im Vorfeld besprochen eine Ankerwache zu halten. Einer von uns wird unsere Position permanent im Auge behalten während der andere schlafen oder sich erholen kann. Nach und nach werde es jedoch mehr Boote. Viele versuchen für meinen Geschmack zu nah hinter unserem Heck zu ankern, doch die meisten sind mit dem Halt Ihres Ankers nicht zufrieden. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sind wir in unserer Bucht zu sechst. Immerhin drei haben ein Ankerlicht 😳.
Als Annika im Bett ist, lege auch ich mich etwas hin. Alle zwei Stunden soll der Wachwechsel erfolgen. Um Mitternacht beginnt meine erste Schicht: Position checken, andere Boote im Auge behalten, Sterne kucken und Blog schreiben. Anschliessend wieder von vorn. Die erste Schicht ist easy. Bei der Zweiten zwischen vier und sechs Uhr morgens steckt mir die Müdigkeit ganz schön in den Knochen. Immerhin werde ich mit einem Sonnenaufgang belohnt.
Wir legen am Samstag Morgen bereits um 6 Uhr ab. Heute steht uns eine etwa längere Etappe bevor. Wir wollen über den Golf von Manfredonia nach Vieste am Sporn des Stiefels. Zunächst herrscht Flaute. Wir motoren. Nach etwa 3 Stunden können wir die Segel zur Hilfe nehmen und motorsegeln. Kurze Zeit später schalten wir den Motor aus. Der Wind ist zwar etwas schwach auf der Brust und wechselt wild die Richtung, aber diese himmlische Ruhe an Bord überzeugt uns. Kurz vor unserem obligatorischen Badestopp kurz vor Etappenende besuchen uns drei Delfine. Zum ersten Mal in diesem Urlaub können wir die eleganten Tiere nicht nur aus der Ferne, sondern Haut nah bestaunen. Auch Annika ist begeistert. Nach dem Anleger in der Marina di Vieste machen wir einen Familienausflug zum nahen Discounter um unsere Trinkwasservorräte aufzustocken. Der Rückweg mit Einkaufs- und Kinderwagen durch den Kreisverkehr der Küstenstraße ist dann spannender als mir lieb ist, aber wir kommen sicher an Bord an und lassen den Tag mit Salsiccia vom Grill ausklingen.
Am Sonntag Vormittag herrscht zunächst Flaute. Perfekt um der Bootstankstelle einen Besuch abzustatten. Wir bitten einen Marinamitarbeiter bei der Tankstelle Bescheid zu sagen und legen ab. Gegenüber unseres Liegeplatzes liegen Bojen (für Moorings der an den dortigen (jetzt leeren) Liegeplätzen vertäuten Boote). Bei einer gemessenen Tiefe von 0.4m unter unserem Kiel (1.85m) gibt es plötzlich einen Bumms. Wir haben unter Wasser ein Hindernis getroffen 🤯. Entweder den Grund des Hafenbeckens oder eine von oben nicht zu sehende gespannte Leine. Zum Glück waren wir sehr langsam unterwegs. Ich denke, es ist nichts passiert. Der Boden im Hafenbecken besteht aus Sand. Trotzdem ein extrem ungutes Gefühl…
Nach dem Auftanken legen wir ohne weitere Probleme wieder an und machen uns auf den Ort zu erkunden.
Nach dem Mittagessen will ich einige Bootsarbeiten erledigen, während Annika und Tatjana zum Baden an den Strand aufbrechen.
Leider schaffe ich es nicht unseren Außenbordmotor, der die letzten knapp 2 Jahre in der Backskiste verbrachte zum Leben zu erwecken, neues Benzin, neues Öl, neue Zündkerze: Er springt nicht an! Um mich mit dem Vergaser intensiver auseinanderzusetzen fehlt mir im nur dreiwöchigen Sommerurlaub sowohl die Muse als auch das Know How. Das wandert also auf die „Winter-Liste“. Vorerst wird gepaddelt. Immerhin spanne ich endlich den für meinen Geschmack zu lockeren Keilriemen unseres (Haupt-) Dieselmotors und streiche einige andere Kleinigkeiten von der To-Do Liste.