Etappe 2026-1: Bari – Brindisi einhand: Schwell, Flamingos und Thunderstruck 🎶, 65 sm
Die Nacht ist kurz. Nicht weil der Wecker zu früh klingelt, sondern weil der Steg es so will, ein rhythmisches Quietschen, das sich mit der Aufregung vor dem langen Einhandtörn zu einer zuverlässig schlaflosen Mischung verbindet. Um 06:08 Uhr, nach einem schnellen Kaffee, sind die Leinen los.
Gleich vor der Marina wartet die erste Überraschung: die MSC Fantasia, ein Kreuzfahrtkoloss, schiebt sich majestätisch in den Hafen. Ich warte, lasse ihr den Vortritt, und dann gehört die Bühne mir.
Naja, fast. Denn was vor der Mole wartet, ist wenig einladend: 1,5 bis 2 Meter Schwell aus Nordwest, der Wind ebenfalls wie angesagt NW, genau von hinten. Nach einem Schlenker um die Mole, kommt der Schwell dann wenigstens von achtern. Das Grosssegel bleibt eingepackt. Zu viel Schlagen, zu viel Stress für einen langen Tag alleine an Bord. Stattdessen: Vorsegel wenn möglich, Motor wenn nicht, Einhandsegeln heisst für mich manchmal, Heldentum bewusst wegzulassen.
Die Küste gehört mir fast alleine. Einzelne Fischerboote sind draussen, aber die Freizeitkapitäne sind wohl eher im Hafen geblieben. So bleibt Zeit für das, was das Meer so treibt (im wörtlichen Sinne): Irgendwann schwimmt ein alter Kleiderschrank vorbei. Kurze Zeit später rennt eine Gruppe Flamingos erst hektisch scheinbar über die Wasseroberfläche, als hätten sie Anlaufschwierigkeiten, bevor sie sich doch noch in die Luft erheben. Solche Momente rechtfertigen jeden Schlafentzug.
Nach 9,5 Stunden und 65 Seemeilen kommt die Mole von Brindisi in Sicht. Um die Ecke biegen bei noch immer 2 Meter Schwell. Just in dem Moment dröhnt Thunderstruck von AC/DC aus den Cockpit-Boxen. Es hätte schlechter passen können. Über Funk melde ich der Marina: Einer an Bord, keine Crew! Zwei Marineros erwarten mich bereits, übernehmen die Heckleinen und reichen die Mooring. Bei 20 bis 25 Knoten Wind von achtern lege ich an, das klappt wie am Schnürchen.
Im Hafenbecken zieht kurz darauf eine ziemlich grosse Meeresschildkröte ihre ruhigen Runden und taucht wieder ab. Sie scheint unbeeindruckt von meinem Anleger.
Das Anlegerbier schmeckt. Noch besser finde ich die darauf folgende Dusche. Anschließend wird mir klar, dass ein Restaurant trotz Hunger keine Option mehr ist. Abendessen an Bord, früh ins Bett, und diesmal ohne quietschenden Steg.






















