Zwischen Baugerüst und Großsegel
Nachdem die letzten Wochen wieder ganz im Zeichen der Hausrenovierung standen – diesmal war das Dach dran – freue ich mich umso mehr, heute nach Bari zu fliegen und etwas Abstand von der Baustelle zu gewinnen. Schön wäre es, wenn das Gerüst in drei Wochen verschwunden wäre, wenn ich wieder nach Hause komme.
Der Plan: In Bari bereite ich das Boot vor, bevor ich am Sonntag Tati und Annika in Brindisi abhole – die beiden sitzen gerade noch in der letzten Schulwoche vor den Pfingstferien. Von dort geht es dann weiter Richtung Griechenland.
Ich bin gespannt, wie die Werft die beauftragten Arbeiten erledigt hat, und freue mich besonders auf das neue Flexiteek im Cockpit, das den doch sehr in die Jahre gekommenen Holzbelag endlich ersetzt.
Als ich nach Flug und Taxifahrt an der Werft ankomme, liegt Zanzibar bereits im Kranbecken – das war eigentlich anders abgemacht. Eine der vormals wackelnden Relingsstützen an Backbord fehlt noch, und auf dem Flexiteek zeigen sich ein paar unschöne gelbe Flecken. Ich hoffe, dass die Werft das noch vor dem Ablegen in den Griff bekommt. Immerhin: Während ich die Segel anschlage, wird bereits an der Reling gearbeitet. Auch Sprayhood, Bimini und Solarzellen lassen sich zügig montieren, sodass ich am Nachmittag mit dem neu angeschafften Trolley zum Supermarkt aufbreche – etwa 20 Minuten zu Fuß – um Proviant zu bunkern.
Am nächsten Morgen verhole ich das Boot aus der Kranbox an einen Liegeplatz der Werft. Ich widme mich dem Relingsnetz, den Reffleinen und den Segellatten, während die Werft sich mit 80er-Korn um die gelben Flecken im Kunstteak kümmert. Danach reserviere ich einen Hafenplatz in Brindisi – schließlich will ich morgen losfahren. Wind ist angesagt, aber die nächste realistische Gelegenheit zum Ablegen würde sich für einen Einhandsegler wohl erst am Samstag bieten, und so lange im Werftgelände zu liegen wäre mir dann doch zu viel.
Und plötzlich ist sie wieder da: die altbekannte Angst des Einhandseglers vor der eigenen Courage. Aber der Wetterbericht sieht besser aus als damals vor dem geplanten Malta-Trip, und ich habe inzwischen auch einiges mehr an Erfahrung. Ich bin wild entschlossen – zumal es diesmal ja der Küste entlang geht.



























