Einhand nach Malta – Vom Winde verweht: Ich lege nicht ab

Erst kam die Einreisegenehmigung für den ursprünglich für Sonntag geplanten Schlag zur für mich so faszinierenden Insel nicht. Als diese dann für Dienstag endlich eintrudelt und auch der Hafenplatz in der Grand Harbour Marina reserviert ist, habe ich hier im Marina di Ragusa bereits einige Tage als Zuschauer des Hafenkinos hinter mir.

Pro Tag laufen hier, bei immer noch steifem Wind aus Nord-West nicht mehr als zwei Boote ein. Alle mit Crew (teilweise zusätzlich mit Bugstrahlruder). Fast alle davon haben trotz Dinghyunterstützung mehr oder weniger grosse Probleme im böigen Wind einzuparken. Hier und da scheppert es und es gibt Macken im GFK der Boote. Von Sonntag auf Montag liege ich fast die ganze Nacht wach. Der Wind heult durchs Rigg. Morgens beim Aufstehen bin ich fast schon entschlossen, einfach hier im Hafen zu bleiben und nicht abzulegen. Und dann das: Um 8 Uhr herrscht im Hafen bei strahlendem Sonnenschein fast Flaute. Ich mache das Boot also segelklar. Beim Versuch den hinteren Wassertank aufzufüllen stelle ich fest, dass die Wasseranschlüsse am Steg nicht mehr funktionieren. Wintermodus! Wasser gibt es nur noch auf Nachfrage (dabei halte ich Frost hier für eher unwahrscheinlich). Als ich dann später am Tag verdutzt auch noch einen Marinamitarbeiter beobachte, der am Steg sämtliche Holeleinen der Moorings am Steg abknotet und ins Wasser wirft, um sie kurze Zeit später fein säuberlich aufgeschossen an unserem Bugkorb aufzuhängen, verstehe ich: Die meinen das mit dem Wintermodus ernst.

Einmal angelegt fährt hier vermutlich kaum noch einmal jemand aus dem sicheren Hafen zum Segeln raus ins herbstliche Mittelmeer. Und ich will morgen bei um die 30 Knoten aus Nordwest meine Einhandsegelpremiere mit Zanzibar feiern? Vermutlich eher keine so gute Idee. Vor dem Segeln ist mir nicht bange. Die Rettungsweste liegt bereit und vorsorglich habe ich statt der vorderen Reffleine des 1. Reffs das 3. eingeschoren (unser Einleinenreffsystem im Baum sieht vorne nur zwei statt der bei unserem Segel vorhandenen drei Reffs vor). Natürlich kann man bei 30 Knoten segeln. Erst recht wenn man den Wind wie ich beim geplanten Törn nach Malta eher von hinten hat. Das größere Problem wäre der Rückweg, denn die Wetterlage bleibt die nächsten Tage recht beständig. Das aktuelle Tiefdruckgebiet bewegt sicht nur langsam in Richtung Griechenland und bei Tunesien und Gibraltar warten schon die Nächsten. Ich müsste mindestens bis Sonntag auf Malta auf ein Wetterfenster warten. Dann blieben mir allerdings nur noch wenige Tage zusammen mit der Familie zum „Erholen“. Das Boot muss ja auch wieder eingemottet werden. Ausserdem müsste ich alleine auch immerhin 4 Hafenmanöver fahren. Bei den Bedingungen die gerade herrschen, hätte ich am liebsten schon beim Ablegen ein Dinghy auf standby. Schweren Herzens entschliesse ich mich nichts zu erzwingen und hier zu bleiben. Wer schon beim Ablegen am Startort ein ungutes Gefühl hat, sollte vermutlich einfach im Hafen bleiben, schliesslich will ich keinen Bruch fabrizieren (auch wenn wir gut versichert sind ;-).

Ich hoffe es kommt vielleicht 2022 eine neue Chance nach Malta zu segeln. Einhand, mit Crew oder einfach mit mehr Zeit um auf das passende Wetterfenster zu warten. Diesmal hat es wohl nicht sollen sein. Nun freue ich mich auf meine morgen hier eintreffende Familie und hoffe auf sonnige Tage und tolle Ausflüge an Land. Das Boot fungiert dabei als Ferienwohnung in einem Ort auf Sizilien, in dem wegen des Windes sogar die Palmen in den Gärten abgespannt werden. 

Ich bin um die Erkenntnis reicher, dass ich wohl eher bei 3-4 statt 6-7 Beaufort mit der Einhandsegelei im Mittelmeer beginnen sollte. Ich denke auch die schwierige Entscheidung im Zweifel eben nicht abzulegen, lässt mich als Skipper reifen (auch wenn ich mir den Ausflug nach Sizilien natürlich etwas anders vorgestellt hatte und entsprechend enttäuscht bin). Die besten Segler sterben an Land 😉

Einhand nach Malta – der zerknautschte Skipper und ein stinkendes Paket sind da. Das Boot ist abfahrbeit. Die Einreisegenehmigung lässt auf sich warten…

Nachdem ich am Freitag mitten in der Nacht mit dem Taxi in Basel aufgebrochen bin, erreiche ich um kurz nach 11 das Boot in Marina di Ragusa. Es bläst ordentlich. In Böen sicher 30 Knoten und das Meer sieht aufgewühlt aus. Ich mache mich an die Arbeit und um kurz nach 12 sind bereits Sprayhood , Bimini und Solarzellen montiert. Läuft! Könnte man meinen. Leider habe ich auf meine Bitte um “Clearance“ zur Einreise am Sonntag bisher keine Rückmeldung vom maltesischen Port Medic erhalten. Ohne diese, darf ich keinesfalls in maltesische Gewässer einlaufen.

Wie mir die Marina per eMail mitteilte ist inzwischen auch mein Paket angekommen. Allerdings würde es komisch riechen und würde deshalb nicht Büro sondern in einer Garage verwahrt. 🙄 Mir schwant schreckliches. Im Paket befinden sich neben allerlei Ersatzteilen (und neuen Flip Flops) auch Gelcoat inkl. Härter, Farbe und eine neue Dose Dieselzusatz. Worst case wäre also stinkendes Biozid im ganzen Paket verteilt. Und tatsächlich, schon als ich das Paket entgegennehme steigt mir der charakteristische Geruch in die Nase. Am Steg öffne ich das Paket (vorsichtshalber mit Einmalhandschuhen). Die Diesel-Zusatz Dose hat ein etwa 7 mm grosses Loch im Boden und ihr kompletter Inhalt wurde von Karton und Co aufgesaugt. Sch…

In 2 Mülltüten sortiere ich: „Zu retten“ und „gleich entsorgen“. Die gefriergetrocknete Nahrung fliegt sofort weg. Ebenso das Segel-Nähgarn und das Klebeband. Beim Sicherungshalter für den Gaswarner (auf unserem Erst-Boot war dieser ohne Sicherung eindrucksvoll abgefackelt), den Flip Flops und zwei Thermosbechern zögere ich. Nach und nach fliegt aber fast alles weg. Anschliessend verproviantiere ich. Gar nicht so einfach der nahegelegene Supermarkt scheint entweder nur im Sommer geöffnet oder aber eine außergewöhnlich lange Siesta zu machen. Ich muss also die schweren Getränke und die Milch für den morgendlichen Kaffee Wohl oder Übel etwa 20 min die Promenade entlang schleppen. Immerhin lerne ich so den Ort etwas besser kennen. Alles hier wirkt völlig anders als im Sommer. Der Strand ist fast ausgestorben und nur vereinzelt sind Surfer unterwegs.

Am Samstag vormittag herscht Windstille und ich beginne damit das Vorsegel anzuschlagen. Sofort werde ich vom Nachbarn schräg gegenüber gefragt ob ich Hilfe brauche (das wäre im Hochsommer sicher nicht passiert). Aber ich will es alleine versuchen. Schon bald ist das Vorsegel aufgezogen. Das Grosssegel ist etwas komplizierter. Lazybag und Unterlieg des Segels wollen gemeinsam in die Nut auf dem Baum gezogen werden. Aber auch das gelingt. Jetzt sieht Zanzibar eigentlich schon ziemlich abfahrbereit aus.

Die Segellatten friemel ich am Nachmittag bei wieder deutlich mehr Wind ins Segel. Das ist alleine die bisher größte Herausforderung. Die Reffleinen vertage ich wegen des Windes auf den Sonntag. Denn noch immer habe ich keine Einreisegenehmigung für Malta erhalten. Für morgen sieht es also nicht allzu gut aus 😏. Ein Probelauf des Motors verläuft ebenso erfolgreich wie das „Vorkochen“. So ganz aufgeben will ich noch nicht. Aber inzwischen ziehe ich insgeheim durchaus in Betracht, dass es mit Malta schon wieder nicht klappen könnte. Als Alternativplan spiele ich inzwischen daher mit dem Gedanken eines Daysail von/nach Marina di Ragusa. Vielleicht wäre das als Start ins Einhandsegeln im Herbst ohnehin die weisere Entscheidung.

Einhand nach Malta – Anstehen für ein neues Covid Zertifikat, Abschluss der Baggerarbeiten, ein verschollenes Paket und Wetter, Wetter, Wetter…

Man hört und liest ja so allerhand über das Reisen in Zeiten von Corona. Zum Beispiel sollen manche Länder bei der Einreise-Kontrolle der Covid Zertifikate Probleme machen, wenn der dort aufgeführte Name nicht exakt mit dem Namen im Reisepass übereinstimmt. Von Malta oder Italien hatte ich diesbezüglich zwar noch nichts gelesen (und in Italien war ich mit meinem aktuellen Covid Zertifikat ja bereits im Sommer) aber ich will keinesfalls ein unnötiges Risiko eingehen:

So stehe ich einige Tage vor meiner Abreise nach Italien also erneut am Impfzentrum in Basel an um ein neues Zertifikat zu erhalten. Auf diesem soll anders als auf meinem ersten Zertifikat auch mein zweiter (bisher unterschlagener) Vorname aufgeführt sein. Irgendwie ging das bei der Impfung selbst alles schneller. Die Schlange am Schalter scheint endlos und es geht nur langsam vorran, aber was solls… Immerhin kann ich das neue Zertifikat als ich dann endlich an der Reihe bin direkt in Empfang nehmen und muss nicht auf eine SMS oder eine eMail mit einem Downloadlink warten wie beim ersten Mal.

Anschliessend frage ich per eMail beim Hafen nach, ob die Baggerarbeiten denn wie geplant vorangehen und erwähne, dass ich mich auf ein Wiedersehen am kommenden Freitag freue. Man antwortet mir prompt: Die Baggerarbeiten seien inzwischen abgeschlossen und ich solle mich am Freitag einfach 1 Seemeile vor dem Hafen über VHF Kanal 74 ankündigen 🤨…

Immerhin, Ein- und Ausfahrt aus dem Hafen scheinen gerade rechtzeitig wieder „normal“ möglich. Da ich mit Flugzeug und Taxi zur Marina anreise, kann ich mir die Ankündigung meiner Ankunft per VHF ziemlich sicher auch sparen 😀

Da der ÖPNV in Basel vor 5 Uhr morgens leider nicht ganz so flächendeckend funktioniert, hab ich ein Taxi bestellt, dass mich morgen in aller Herrgottsfrüh zu  Flughafen bringen soll.

Leider lässt mich die italienische Post grade etwas hängen und hat mein Ersatzteil- und Bootszubehör Paket bisher noch nicht zugestellt. Auf der entsprechenden Webseite wird als Sendungsstatus „In Zustellung“ angegeben, während DHL bereits seit gestern von „Nicht zustellbar“ spricht. Das wäre wirklich ärgerlich.

Was mir nun bleibt ist zu hoffen, dass das Segel anschlagen alleine keine allzugrosse Hürde darstellt. Ausserdem würde ich mir für mein erstes Einhand-Abenteuer im Mittelmeer schon etwas weniger Wind wünschen als gerade herscht:

Zwischen Sonntag und Dienstag hoffe ich auf ein passables Wetterfenster für die Überfahrt nach Malta. Schau ma mal…