Bootsarbeiten – Einbau des neuen Autopiloten

Nach etlichen Wochen im Büro und auf der Baustelle (wir sanieren seit dem Frühjahr ein fast 100 Jahre altes Reiheneckhaus) geht es endlich wieder in Richtung Süden aufs Boot. Nicht zum Segeln zwar, ich freue mich aber trotzdem sehr darauf eine Woche das Marinafeeling zu geniessen und auf dem Boot übernachten zu können. Diesmal bin ich alleine. Ich will mich ganz auf die anstehenden Bootsarbeiten konzentrieren. Die letzte Telefonkonferenz am Freitag Nachmittag habe ich kurzerhand bereits auf den Rastplatz am Südportal des Gotthardtunnes verlegt, bevor es im Regen über überfüllte italienische Autobahnen zunächst nach Piacenza geht. Südlich von Mailand steige ich hier in einem simplen Motel ab und will nach einigen Stunden Schlaf morgen ausgeruht weiter nach Ancona fahren.

Auf der Bootsarbeitsliste ganz oben steht für diesen Besuch der Einbau des neuen Autopiloten. Zumindest das für den Linearantrieb nötige Holzpodest will ich zusammenschreinern und auch die übrigen mechanischen Komponenten so weit wie möglich installieren. Der Elektroteil folgt dann später.

Unterwegs mache ich einen kurzen Abstecher nach Maranello: Ich wollte immer schon mal sehen, iwo die roten Flitzer gebaut werden 😄

Nach meiner ersten Starkwind Warnung auf der Autobahn erreiche ich am Samstag Nachmittag die Marina. Auch ohne gemeinsame Sprache mit den Angestellten klappt alles prima, ich werde erwartet. Die Schranke öffnet und als ich kurze Zeit später auf das doch arg schmutzige Boot klettere habe ich sowohl Zugang zum Steg als auch Strom und Wasser: Läuft!

Das Boot ist trocken, und die meisten Arbeiten der Werft wurden zu meiner Zufriedenheit ausgeführt. Nach einem Teller Pasta samt Feierabendbier sinke ich in die Koje.

In dem folgenden Tagen hänge ich den Großteil des Tages im schwerzugänglichen Heck Zanzibars um den Linearantrieb für den Autopiloten auf einem eigens gebauten Holzpodest rechtwinklig und waagerecht auszurichten. Das dauert (natürlich wieder einmal) deutlich länger als gedacht und ich muss mich bereits zur Wochenmitte damit abfinden, dass ich die Arbeiten in diesem “Urlaub” nicht abschließen können werde. Da muss ich wohl im Frühjahr nochmal wieder kommen…

Immerhin, während das Epoxidharz für das Holzpodest des Autopiloten trocknet, markiere ich endlich unsere Ankerkette. Die Gelegenheit dazu ist günstig, wer weiss, wann wir das nächste Mal längsseits an einem Steg liegen 😉

Ausserdem tanke ich aus dem Kanister mit einem neu angeschafften Schüttelschlauch: Was für ein geniales Gadget! Kein Vergleich zum Balancieren des schweren Dieselkanisters auf der Badeplattform.

Während das Epoxidharz trocknet bezahle ich den Liegeplatz und die Werftarbeiten und mache regelmäßig Ausflüge zum gut sortierten Baumarkt in der Nähe.

Etappe 2022 – 17: Porto San Giorgio – Ancona 35.5 sm

Die letzte Etappe unseres diesjährigen Sommerurlaubs ist mit rund 35 Meilen wieder etwas länger. Entsprechend legen wir bereits gegen 7 Uhr morgens bei böigem Seitenwind an. Erneut motorsegeln wir zwischen piepsenden Bohrplattformen und Fischfarmen hindurch. Der für 14 Uhr angekündigte kräftige Wind, der der Skipperin eine schlaflose Nacht bereitet hatte kommt nicht. Nur beim Anlegen an der Stirnseite eines Fingerstegs briest es kurz auf. Der Marinero, der etliche Runden im Hafenbecken auf sich warten lässt überzeugt nicht wirklich mit seinen Kommentaren zu meinem Anlegemanöver vom Steg, aber dann sind wir fest.

Ich hoffe, dass dieser unmittelbar in der Boxengasse liegende Liegeplatz nicht unser Winterplatz ist und wir spätestens Mitte Oktober nach dem wieder Einwassern einen geschützteren Liegeplatz bekommen, an dem nicht Hinz und Kunz auf dem Weg zur Hafeneinfahrt vorbeibrettern. Eine Hoffnung, die sich leider nicht erfüllt. Das soll tatsächlich unser Winterplatz sein. Auch sonst ist man hier nicht wirklich auf Winterlager eingestellt. Das hatte ich mir doch etwas anders vorgestellt.

Wir schlagen inzwischen routiniert die Segel ab, waschen mangels Automatenwaschmachine von Hand unsere Wäsche und erreichen einen Tag nach unserer Ankunft endlich jemanden bei der Werft, die über den Winter neues Antifouling anbringen, die Anoden wechseln und einen Motorservice durchführen soll. Ausserdem wollen wir hier unsere Rettungsinsel zum ersten Mal warten lassen.

Abends wundern wir uns, wie überlaufen die tagsüber noch ausgestorben wirkenden Restaurants im Hafen sind. Hier kochen wir wohl eher an Bord. Auch gut! Die Reste müssen ohnehin weg. Nach und nach räumen wir das Boot auf und finden sogar Zeit die Edelstahlteile an Deck zu polieren, die in den 6 Wochen in Brindisi an der Wetterseite ziemlichen Flugrost angesetzt hatten. Da es hier in Gehdistanz leider keinen Badestrand gibt, darf Annika am Spätnachmittag jeweils in ihrer Babybadewanne im Cockpit planschen während die Eltern alles zusammen packen.

Am Freitag morgen heben wir unser Gepäck auf den Steg und legen ab um in einiger Entfernung vom Hafen den Fäkalientank zu entleeren. Während wir gerade die Hafeneinfahrt wieder passieren, klingelt mein Handy: Die Mannschaft am Kran steht bereits 40 min vor dem vereinbarten Termin bereit und wartet auf uns. Wir legen also nicht mehr am Liegeplatz an sondern fahren direkt weiter zum Kran. Ich bin froh, dass es heute kaum Wind gibt als wir in das Kranbecken einbiegen. Das Auskranen und Abkärchern läuft problemlos und schon steht unser schwimmendes Zuhause auf dem Hafengelände an Land.

Hier soll Das Boot nun bis Mitte Oktober stehen bevor es von der Werft wieder an Ihren Liegeplatz im Wasser verholt werden soll. Ich will Ende Oktober erneut zum Boot um mit dem Einbau des neuen Autopiloten zu beginnen. Ein bisschen beunruhigt bin ich, dass wir bisher keinen Vertrag für den Liegeplatz im Winter haben. Den möchte die Marina dann im Oktober aufsetzen. Italien!

Wir fahren mit dem Bus in die Stadt und beziehen unser direkt am Bahnhof liegendes Hotel. Von hier aus geht es am nächsten Tag zurück nach Hause. Bahn fahren (zumal mit Kleinkind und viel Gepäck) ist, wie wir dabei feststellen auch ein grosses Abenteuer 😉

Etappe 2022 – 16: San Benedetto del Tronto – Porto San Giorgio 19 sm, 0.5 Motorstunden: Wir segeln!

Die heutige Etappenlänge erlaubt es uns ohne Wecker aufzuwachen. Was für ein Luxus! Nach dem Kaffee übe ich trotz Seitenwind das Ablegen erneut als Einhandmanöver. Bereits kurz vor dem Hafen setzen wir die Segel und es heisst: Motor aus! Endlich! Auch wenn der Wind auch heute natürlich wieder aus nördlichen Richtungen kommt. Wir haben Zeit zu kreuzen. Was durch kürzere Etappenlängen alles möglich wird 😉.

Kurz ärgern wir uns auf unserem Weg über ein Motorboot, dass uns vor den Bug fährt. Unter Segeln weichen WIR aus. Dann sehen wir, dass das Motorboot quasi „manövrierbehindert“ ist: Es zieht an einer hinterhergeschleppten Angelleine eine Möwe hinter sich her, deren Geflatter immer schwächer wird. Vielleicht sollte der Motorbootfahrer Gas weg nehmen? Immerhin befreit er der Möwe nach einiger Zeit.

Wir schlängeln uns auch heute durch Pipelines und Fischfarmen. An der Küstenlinie bemerken wir, wie es immer grüner wird. Es sieht fast aus, wie in der Toskana. Wir kommen definitiv wieder in nördliche Gefilde.

Bei der erneut versandeten Hafeneinfahrt wird natürlich nicht auf unsere VHF Anfragen reagiert. Wir tasten uns vorsichtig in den Hafen. Plötzlich taucht doch noch ein Marinero auf und weist uns ein. Im Büro dann die Überraschung: Wir werden in akzentfreiem Deutsch begrüßt und vom Marina Manager mit allerlei Tipps zum Einkaufen und Essen gehen versorgt. Abends grillen wir ein letztes Mal an Bord, bevor der Grill zum Einmotten über Winter picobello geputzt wird.

Am Hafentag putzen und verstauen wir bereits das Dinghy wieder im Vorschiff. Das Ende des Urlaubs naht. Nach nur einer weiteren Tagesetappe wollen wir unser Winterlager in Ancona aufschlagen und mit dem Zug zurück nach Basel fahren.

Wir machen alle zusammen einen Ausflug zum Strand bevor wir Abends dem Tipp des Managers der Marina folgen und in einem gut besuchten Strandrestaurant die beste Pizza seit langem essen.

Etappe 2022 – 15: Pescara – San Benedetto del Tronto 36.2 sm – Nordseefeeling im Mittelmeer

Um 7 Uhr lege ich bei ablandigem Wind ab und wir setzen bereits kurz vor dem Hafen die Genua. Unser Optimismus wird zwar mit dem Besuch zweier Delfine belohnt, doch mit Segeln ist nicht viel: Sobald wir uns etwas vom Land entfernen, schläft der Wind wieder ein. Wir motoren um die Gasplattform Fratello Nord herum. Zusammen mit der niedrigen Wassertiefe erinnert mich das Bild heute fast ein wenig an die Nordsee. Von den sommerlichen Temperaturen abgesehen natürlich 😉.

Unter Deck hat es 30 Grad. Trotzdem backen wir unterwegs ein Brot. Leider mag der Autopilot heute gar nicht und wir müssen von Hand steuern. Der Zahnriemen hat wohl in den letzten Tagen wohl doch zu viele Zähnchen verloren.

Zwei Meilen vor der erneut sehr flachen Hafeneinfahrt von San Benedetto legen wir einen (sehr) kurzen Badestopp ein. Unbedingt wollen wir uns abkühlen, doch am Himmel türmen sich bereits wieder  Gewitterwolken auf, die den Skipper leicht beunruhigen und keine entspannte Badestimmung aufkommen lassen. 

Als wir kurze Zeit später am Steg des örtlichen Yachtclubs liegen, donnert es und wir warten mit unserer Erkundungstour durch die Stadt bis nach dem Gewitter.

In San Benedetto del Tronto wollen wir zwei Nächte bleiben. Zum Einen, weil für morgen (Samstag) mehr Wind und Regen angesagt ist, zum anderen wollen wir natürlich die südlichste Stadt der Region Marken in der traditionell das Radrennen Tirreno – Adriatico endet gerne erkunden.

Bereits am Ankunftstag erkunden wir die Fussgängerzone des Ortes, der sich für uns schon wie die südlichsten Stadt Norditaliens anfühlt. Am nächsten Morgen beginnen wir den Tag mit Kaffee und süßen Teilchen in einem nahen Kaffee bevor wir mit der Sackkarre neues Trinkwasser in Flaschen bunkern. Um die Mittagszeit zieht der Himmel zu und das nächste Gewitter folgt. Gut, dass wir einen Hafentag einlegen und nicht auf See unterwegs sind. Alles richtig geplant 😄.

Nachmittags vergnügen sich Frau und Tochter am Strand während ich mich um den tropfenden Wasserhahn in der Pantry kümmere. Annika macht inzwischen deutliche Fortschritte beim „Schwimmen“ mit Schwimmflügeln. Der Schwimmkurs zu Hause scheint seine Wirkung zu entfalten 😅. Anschliessend brechen wir erneut in die Stadt auf, um in einer netten kleinen Osteria zu Abend zu essen.

Als wir im Dunkeln abends gerade über die Gangway aufs Boot balancieren, verirrt sich ein aus dem Wasser springender Fisch auf unsere Badeplattform. Er zappelt wie wild hin und her und schafft es schließlich zurück ins Hafenbecken. Was für ein Schreck (für mich und den Fisch).

Etappe 2022 – 14: Porto Sveva – Pescara 37.2 sm

Um 6 Uhr morgens wache ich auf und beginne sofort damit alles fürs Ablegen vorzubereiten. Der Himmel sieht freundlich aus und wie wollen versuchen, vor den heute Nachmittag potentiell anstehehden Gewittern nach Pescara zu kommen. Am Steg kommt der Wind aus Süd, das wäre ja prima.

Natürlich sieht es aber draussen ganz anders aus. Wir setzen motiviert um kurz nach 7 die Genua und wie aufs Kommando schläft der Wind ein. 2.7 Knoten von vorn! Wir motoren also den von Industrieanlagen, Fischfarmen und Sonnenschirmen geprägten Küstenabschnitt entlang in Richtung Pescara.

Unterwegs fällt mir ein Glimmen der Motorkontrollleuchte “Spannung” auf. Handelt es sich um ein durch Feuchtigkeit verursachtes Elektronikproblem oder um eine „echte“ Warnung? Wir nehmen uns vor in Pescara mit Voltmeter bewaffnet der Sache auf die Suche zu gehen.

Nach etwa 2 Stunden können wir bei 10 Knoten aus WNW wieder etwas motorsegeln, doch unser Glück währt auch dieses Mal nicht lange und bald ist der Wind wieder einbeschlafen. Ich poliere den Heckkorb und einige andere Edelstahlteile, die während unseres sechswöchigen Stops in Brindisi erstaunlich viel Flugrost angesetzt hatten. Glücklicherweise hat unser Autopilot heute einen guten Tag uns hält brav unseren Kurs. Kurz vor dem Sperrgebeiet vor Dogana taucht hinter uns ein Boot auf. Ich vermute erst, dass es sich um die Küstenwache handeln könnte, die beobachtet, ob wir nicht vielleicht doch ins Sperrgebiet einfahren. Doch irgendwann dreht unser Verfolger ab. Als wir das Sperrgebiet passiert haben und Kurs auf unser heutiges Etappenziel nehmen, können wir das Vorsegel wieder ausrollen.

Trotzdem, eine Fortbewegung nur per Wind ist aufgrund der Etappenlänge und der drohenden Gewitter die zumindest Teile der Crew beunruhigen keine echte Option. Ich spiele etwas mit den Trimmfäden am Vorsegel und versuche das letzte Zehntel rauszukitzeln.

Als wir in Richtung Pescara eindrehen türmen sich tatsächlich wieder Wolken am zuvor strahlend blauen Himmel. Wir steuern durch die unangenehm flache (und durch zusätzliche Fahrwassertonnen enge) Hafeneinfahrt. Auch hier haben wir den kräftigsten Wind natürlich wieder beim Anlegen. Wir sind grade vertäut und stossen mit dem gestern verdienten Spumante darauf an, es vor dem Gewitter geschafft zu haben, als es los geht.

Ein Gewitter inklusive Hagelschauer fegt über den Hafen. Was für eine Punktlandung!

Leicht angesäuselt laufen wir über die spektakuläre Fußgängerbrücke und die kilometerlange Strandpromenade in die Fußgängerzone um uns einen ersten Eindruck von Pescara zu verschaffen.

Auf dem Rückweg zum Boot beobachten wir von der Ponte Flaiano den Sonnenuntergang bevor wir in einem Restaurant am Hafen zu Abend essen.

Am nächsten Tag erledigen wir die Hafenformalitäten, pilgern mit unseren Dieselkanistern zur nahen Tankstelle und besichtigen den „anderen“ Teil der Stadt, welche im Wesentlichen aus einem studentisch geprägten Barviertel besteht. Die Zeiten sind vorbei 😅.

Etappe 2022 – 13: Tremiti Inseln – Marina di Montenero/Porto Sveva 33.5 sm

Ziemlich übermüdet von der Ankerwache holen wir auf den Tremiti Inseln um 7 Uhr morgens den Anker auf.

Auch heute haben wir auf unserem Rückweg zum italienischen Festland über 30 Seemeilen vor uns. Es soll zum Porto Sveva in der (mir zuvor unbekannten) Region Molise gehen.

Zu Beginn motoren wir: Es ist wie immer: Der Wind kommt in der Adria bisher zuverlässig von vorn. Fahren wir nach Norden bläst es aus Nord, fahren wir nach Westen (wie heute) bläst es aus West. Irgendwann können wir zum mitlaufenden Motor wenigstens die Genua setzen und etwas motorsegeln.

Die Etappe verläuft sonst recht ereignislos. Keine Delfine, keine größeren Probleme mit Zanzibar. Wir schmieden bereits Pläne für den liebgewonnenen Badestop kurz vor dem Zielhafen. Doch als wir den Hafen fast erreicht haben, ist es auf einmal ziemlich ungemütlich. Der jetzt auflandige Wind hat aufgefrischt und wir können uns plötzlich so gar nicht mehr vorstellen über unsere Badeplattform freiwillig ins aufgewühlte Wasser zu steigen.

Während ich das Boot durch die unangenehmen brechenden Wellen steuere, übernimmt Tatjana auf italienisch den Funkkontakt mit dem Hafen. Nachdem unser Tiefgang abgefragt wurde, werden wir zu Steg E dirigiert. Im jetzt ziemlich böigen Wind versemmle ich prompt das Anlegemanöver und es wird kurz hektisch an Bord. Aber (wie ich von Richard gelernt habe): Ein Anlegemanöver ist dann gelungen, wenn:

  1. das Boot am Liegeplatz festgemacht ist
  2. sich keiner weh getan oder verletzt hat
  3. nichts kaputt gegangen ist
  4. kein böses Wort gefallen ist

Alles gut, eigentlich ein gelungener Anleger 😅🤷‍♂️.

Nach dem Anlegemanöver kommentiert der Marinero wohlwollend Tatjanas Italienisch Kenntnisse umd gesteht, dass er uns sonst (Mittagspause des Marina Büros) wohl ignoriert hätte 😳.

Ob wir eine oder zwei Nächte im Porto Sveva verbringen werden, wissen wir noch nicht. Morgen könnte es Gewitter geben, die wir auf den dann nach Pescara knapp 40 anstehenden Seemeilen natürlich gerne vermeiden würden. Also erstmal eine Runde zum Strand. Nach der Nacht vor Anker ohne Möglichkeit an Land zu gehen drängt Annika nach draussen.

Nach einer ausgiebigen Dusche schlendern wir durch den aus Ferienhäusern und Campingplätzen bestehenden Ort zu einer nahegelegenen Pizzeria zum Abendessen.

Auf dem Rückweg zum Boot werden wir nass, das erste Gewitter. In den Gewitterböen legt an unserem Steg gegenüber ein Boot an. Nach zwei Fehlversuchen rückwärts anzulegen kommt das 40 Fuss Schiff längsseits am Steg zu liegen. Dafür hängen die Fender jedoch zu hoch. Ich helfe mit weiteren „Stegbewohnern“ durch Abhalten mit, Macken im Gelcoat zu vermeiden. Zum Glück ist der Hafen nicht voll und es ist ausreichend Platz. Als wir später gerade ins Bett wollen braucht der Skipper gegenüber erneut meine Hilfe: Er muss nach Hause und möchte vorher das Boot drehen. Also T-Shirt und Schuhe wieder an. Nach einigem Rumprobieren mit der landseitigen Achterleine erkläre ich ihm mit Händen und Füßen das Manövers des Ablegens mit der Luv-wärtigen Achterleine. Zuerst skeptisch ist er am Gas etwas zaghaft, versucht es aber dennoch und freut sich, als sich das Boot in den Wind dreht. Kurze Zeit später liegt das Boot mit dem Heck zum Steg und er bedankt sich mit einer Flasche Spumante bei mir. Es scheint, dass sich meine Hafenmanöver Trainings langsam auszahlen 😉 Der fremde Skipper erklärt, er müsse leider dringend weg, seine Frau erwarte ein Kind. Kein Wunder also, dass er so aufgeregt war.

Etappe 2022 – 12: Vieste – Tremiti Inseln 38.1 sm – Die erste Nacht als Familie vor Anker ⚓️

Beim Ablegen in Vieste laufen wir immerhin nicht erneut auf Grund: Wir verlassen den Hafen und navigieren durch unzählige Fischerfähnchen. Wie so oft haben wir den Wind dabei direkt auf der Nase und kommen unter Motor deshalb nur sehr langsam voran. Irgendwann habe ich genug: Wir Kreuzen gegen an! Sofort ist Leben im Boot, doch nach 2 h sehe ich es ein: Unser Weg verdoppelt sich durch unser Kreuzen. Leider machen wir aber nicht die doppelte Geschwindigkeit. Wir rollen das Vorsegel weg und gehen wieder direktauf Kurs.

Um die Mittagszeit werde ich unruhig: Ob es am Ziel wohl mit dem Ankern klappt? Einen echten Hafen zum Ausweichen gibt es auf den Tremiti Inseln nicht. Eine teure Boje haben wir nicht gebucht. Wie voll es wohl ist? Im Hinterkopf habe ich immer noch die Bilder aus Vulkano, wo derart viele Boote in einer Bucht ankerten, dass sich die Skipper fast die Hand reichen konnten.

Immerhin im Gegensatz zu damals ist weder Ferragosto noch Wochenende. Ich hoffe das Beste.

Kurz vor unserer Ankunft warnt Split Radio vor Feuerlöschflugzeugen in der Region Zadar.

Als wir auf den Tremiti Inseln ankommen ankern nur 2 andere Boote in der Bucht, die wir uns ausgekuckt haben. Wir sind aufgeregt, ob unser Anker hier wirklich hält und haben bereits im Vorfeld besprochen eine Ankerwache zu halten. Einer von uns wird unsere Position permanent im Auge behalten während der andere schlafen oder sich erholen kann. Nach und nach werde es jedoch mehr Boote. Viele versuchen für meinen Geschmack zu nah hinter unserem Heck zu ankern, doch die meisten sind mit dem Halt Ihres Ankers nicht zufrieden. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sind wir in unserer Bucht zu sechst. Immerhin drei haben ein Ankerlicht 😳.

Als Annika im Bett ist, lege auch ich mich etwas hin. Alle zwei Stunden soll der Wachwechsel erfolgen. Um Mitternacht beginnt meine erste Schicht: Position checken, andere Boote im Auge behalten, Sterne kucken und Blog schreiben. Anschliessend wieder von vorn. Die erste Schicht ist easy. Bei der Zweiten zwischen vier und sechs Uhr morgens steckt mir die Müdigkeit ganz schön in den Knochen. Immerhin werde ich mit einem Sonnenaufgang belohnt.

Etappe 2022-11: Bisceglie – Vieste 44.2 sm, Wind aus allen Richtungen, Delfine und die erste Grundberührung 😳

Wir legen am Samstag Morgen bereits um 6 Uhr ab. Heute steht uns eine etwa längere Etappe bevor. Wir wollen über den Golf von Manfredonia nach Vieste am Sporn des Stiefels. Zunächst herrscht Flaute. Wir motoren. Nach etwa 3 Stunden können wir die Segel zur Hilfe nehmen und motorsegeln. Kurze Zeit später schalten wir den Motor aus. Der Wind ist zwar etwas schwach auf der Brust und wechselt wild die Richtung, aber diese himmlische Ruhe an Bord überzeugt uns. Kurz vor unserem obligatorischen Badestopp kurz vor Etappenende besuchen uns drei Delfine. Zum ersten Mal in diesem Urlaub können wir die eleganten Tiere nicht nur aus der Ferne, sondern Haut nah bestaunen. Auch Annika ist begeistert. Nach dem Anleger in der Marina di Vieste machen wir einen Familienausflug zum nahen Discounter um unsere Trinkwasservorräte aufzustocken. Der Rückweg mit Einkaufs- und Kinderwagen durch den Kreisverkehr der Küstenstraße ist dann spannender als mir lieb ist, aber wir kommen sicher an Bord an und lassen den Tag mit Salsiccia vom Grill ausklingen.

Am Sonntag Vormittag herrscht zunächst Flaute. Perfekt um der Bootstankstelle einen Besuch abzustatten. Wir bitten einen Marinamitarbeiter bei der Tankstelle Bescheid zu sagen und legen ab. Gegenüber unseres Liegeplatzes liegen Bojen (für Moorings der an den dortigen (jetzt leeren) Liegeplätzen vertäuten Boote). Bei einer gemessenen Tiefe von 0.4m unter unserem Kiel (1.85m) gibt es plötzlich einen Bumms. Wir haben unter Wasser ein Hindernis getroffen 🤯. Entweder den Grund des Hafenbeckens oder eine von oben nicht zu sehende gespannte Leine. Zum Glück waren wir sehr langsam unterwegs. Ich denke, es ist nichts passiert. Der Boden im Hafenbecken besteht aus Sand. Trotzdem ein extrem ungutes Gefühl…

Nach dem Auftanken legen wir ohne weitere Probleme wieder an und machen uns auf den Ort zu erkunden.

Nach dem Mittagessen will ich einige Bootsarbeiten erledigen, während Annika und Tatjana zum Baden an den Strand aufbrechen.

Leider schaffe ich es nicht unseren Außenbordmotor, der die letzten knapp 2 Jahre in der Backskiste verbrachte zum Leben zu erwecken, neues Benzin, neues Öl, neue Zündkerze: Er springt nicht an! Um mich mit dem Vergaser intensiver auseinanderzusetzen fehlt mir im nur dreiwöchigen Sommerurlaub sowohl die Muse als auch das Know How. Das wandert also auf die „Winter-Liste“. Vorerst wird gepaddelt. Immerhin spanne ich endlich den für meinen Geschmack zu lockeren Keilriemen unseres (Haupt-) Dieselmotors und streiche einige andere Kleinigkeiten von der To-Do Liste.

Etappe 2022-10: Bari – Bisceglie 22.7 sm – Luigi reicht dem Hans die Leine

Nachdem Tatjana in Bari abgelegt hat, motoren wir für einen besseren Windwinkel zunächst etwa eine halbe Stunde von der Küste und können unserer Eisenfock kurz darauf tatsächlich eine Pause gönnen und in den leichten Winde (am Wind) segeln. Auch heute weichen wir auf unserem Weg zahlreichen Fischfarmen aus. Wie bereits auf den vergangenen Etappen beobachtet, scheint dieser Teil der Adria sehr fischreich zu sein (nicht nur durch die Aufzuchtanlagen).

Unterwegs interessiert sich wieder einmal die Guardia Finanza für uns uns fragt von Boot zu Boot schreiend Start und Zielhafen ab.

Kurz vor der Hafeneinfahrt von Bisceglie legen wir einen Badestopp ein. Trotz stets prompter Rückantworten bei Navily (in perfektem Englisch) antwortet am Funkgerät als wir uns anmelden natürlich wieder einmal niemand. Am Telefon wird auch nur halbherzig genuschelt. Wir fahren in Richtung Steg und sehen schließlich den mit einem roten Shirt bekleideten Marinero. Bei fast vollständiger Flaute legen wir problemlos an.

Als der Marinamitarbeiter mir die zweiter Heckleine zurück geben will, ich aber noch mit der Mooring beschäftigt bin ruft er nach „Hans“ (mir) der ihm doch bitte die Leine endlich abnehmen möchte.

Irgendwie ziemlich respektlos! Gar kein guter Start, vorallem beim stolzen Preis von 83,- € den wir hier für unsere Übernachtung hinlegen. Naja, immerhin nicht Adolf.

Ich siniere, ob Bisceglie vielleicht so etwas, wie die imaginäre Grenze nach Norden markiert und die Leute ab hier wieder unfreundlicher werden?

Wie dem auch sei, wir besichtigen das um die Mittagszeit doch sehr verschlafene Örtchen und genehmigen uns am frühen Abend in einer Cafe/Bar einer (sehr hochpreisigen) Aperitif. Immerhin sind wir anschließend so satt, dass wir das Abendessen an der nun immer belebteren Promenade ausfallen lassen. Als wir zum Boot zurück kommen piepst unser Motoralarm. Wohlgemerkt: Der Motor ist natürlich aus. Das Spülwasser für den angeschlagenen Autopilot sorgt nun wohl an anderer Stelle für seltsame Elektronik Probleme. Man kann sich darauf verlassen: Irgendwas ist immer

Die Crew vor Zanzibar am Liegeplatz in Bisceglie

Etappe 2022-9: Monopoli – Bari 27.8 sm

Auf unserer Etappe von Monopoli nach Bari haben sich Wind und Welle aus Nord-West bereits etwas abgeschwächt. Anfangs motoren wir an zahlreichen Fischfarmen genau in den Wind und kümmern uns nebenbei um die Kalibrierung unseres elektronischen Windanzeigers. Etwa ab halber Strecke nehmen wir die Genua zur Hilfe und werden rund einen Knoten schneller. Reisegeschwindigkeit 5-6 Knoten. Endlich! Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr einen Wind und Welle gegenan einbremsen.

Anschliessend beobachten wir unzählige jagende Fischschwärme die immer durch die zahlreichen darüber kreisenden Möwen gut zu erkennen sind.

Unser Einlaufen in den Hafen verläuft problemlos. Vom befürchteten Fährverkehr ist in der Hafeneinfahrt keine Spur. Zum Glück, denn unser Autopilot will das Steuer kaum freigeben. Auch das sonst erfolgreiche harte Ruder legen sorgt zwar für fürchterliches Knacken, das Ruder kommt dabei aber trotzdem nicht frei. Einige Vollkreise im Vorhafen sind nötig, um endlich wieder vernünftig manuell steuern zu können. Gut, dass der neue Autopilot als Ersatzteil bereits mit an Bord ist. Jetzt muss ich mich eigentlich „nur“ noch um den Einbau des neuen Linearantriebs kümmern.

Nach zwei erfolglosen Funksprüchen (einmal Englisch, einmal Italienisch) erreichen wir die Marina telefonisch und liegen kurze Zeit sicher vertäut am Steg einer örtlichen Segelschule.

Noch selben Abend nutzen wir den kostenlosen Shuttle Bus der eigentlich die Fährpassagiere vom nahegelegenen Ticketschalter zu dem Fähranlegern am anderen Ende des weitläufigen Hafens bringt für einen Abendspaziergang durch das historische Zentrum von Bari. An einem belebteren Platz finden wir hauchdünne Pizza zum Abendessen und kaufen auf dem Nachhauseweg in der Strada delle Orecchiette die berühmten Nudeln (das Foto kostete wohl extra 😅).

Am nächsten Tag erkunden wir die Fussgängerzonen und wundern uns über skurrile Firmen und Restaurantnamen bevor wir nach einem Abstecher zum Shipchandler (Einbau Autopilot) unsere Lebensmittelvorräte etwas aufstocken.

Als der Shuttlebus auf dem Rückweg zum Boot ewig auf sich warten lässt (wir vermuteten zwischenzeitlich der Fahrer würde Siesta machen) rufen wir in der Marina an um sicher zu gehen, dass der Bus noch kommt. Kurzerhand bietet Andrea, der sehr nette Büromitarbeiter an, uns mit seinem Auto abzuholen. Als fünf Minuten später der Bus doch noch in der Ferne auftaucht haben wir ein ziemlich schlechtes Gewissen. Wir rufen Andrea erneut an, doch er kann uns bereits sehen und winkt uns aus dem Auto zu. Er muss tatsächlich sofort nach unserem Anruf zum Parkplatz gesprintet sein um uns am anderen Ende des Fährhafens abzuholen 🙏. Grazie mille!

Zum Abendessen gibt es die berühmten Nudeln, bevor wir den Abend on Bord ausklingen lassen.

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