Etappe 2021-8: Pozzallo – Marina di Ragusa 18.2 sm

Auch unser nächster Urlaubstag startet windarm. Wir versuchen zwar mit Genua etwas zu motorsegeln, brechen aber bald wieder ab: Es hat zu wenig Wind!

Ursprünglich hatten wir geplant, heute von Pozzallo nach Scoglitti weiter zu fahren. Da die Tankstelle in Pozzallo aber genauso wenig vertrauensvoll wirkt, wie unser vom letzten Jahr übriggebliebener Diesel im Reservekanister und wir inzwischen wirklich wieder einmal tanken sollten, planen wir um und statten bereits heute unserem Winterlager in Marina di Ragusa (wo der Hafen hoffentlich über eine stark frequentierte Tanke verfügt) einen Besuch ab. Da wir den Liegeplatz dort ohnehin schon ab heute bezahlen, schonen wir so ganz nebenbei sogar noch unsere Urlaubskasse.

Nach dem obligatorischen Rührei zum Brunch und einer Badepause am frühen Nachmittag legen wir an der Tanke an. Wieder einmal staune ich: Der Verbrauch unseres Dieselmotors, den wir üblicherweise mit gemächlichen 1500 Umdrehungen betreiben (was uns dann mit etwa 5 Knoten vorwärts schiebt), liegt bei nur 0.8-0.9 Litern pro Stunde. Meine Schätzung ging von 1.5 l aus.

Kurze Zeit später machen wir dann erstmals an dem Liegeplatz fest, an dem unser Boot den kommenden Herbst und Winter verbringen soll. Tatjana und Annika statten dem stark bevölkerten örtlichen Strand einen Besuch ab, während ich mich einigen kleineren Bootsarbeiten widme.

Den Abend lassen wir in einem Restaurant an der ebenfalls sehr vollen Strandpromenade ausklingen. Es herrscht ein derartiger Menschenauflauf, dass die Take Away Pizzeria am Platz am Wochenende nur bereits vorbestellte Pizzen backt.

Etappe 2021-7: Marzamemi – Pozzallo 23 sm – Überwiegend Flaute, ein Anruf von Port Control und endlich solargekühltes Bier

Da Annika eine unruhige Nacht hatte, sind die Eltern morgens ziemlich zerknautscht und wir legen später als eigentlich geplant in Marzamemi ab.

Vorhersagenentsprechend erleben wir zunächst den windärmsten Tag unseres diesjährigen Urlaubs. Den wenigen Wind den es gibt, haben wir natürlich direkt auf der Nase. Wir passieren unter Motor Capo Passero und durchfahren ein Schiessübungsgebiet der italienischen Marine.

Als kurz danach der Wind wenigstens etwas zunimmt, entrollen wir die Genua und schalten den Motor aus. Wir wollen testen, wie gut unsere Solarzellen funktionieren und welche Verbraucher wir damit betreiben können. Bereits kurze Zeit später zeigt sich, dass wir noch zu viel Strom verbrauchen und wir schalten einige der weniger wichtigen Verbraucher aus. Der auf maximaler Stufe laufende Kühlschrank zieht kräftig. Wenn wir jedoch auf Autopilot und Radio verzichten, reicht es gerade so. Vielleicht sollten wir den Kühlschrank künftig einige Stufen niedriger drehen 😳

Als wir das Segel wieder einrollen, haben wir gerade ein Pipeline Gebiet verlassen, in dem das Ankern (und Trawlerfischen) selbstverständlich verboten ist. Hier möchte Tatjana rund 3 Seemeilen vor dem Hafen im Meer schwimmen. Wir lassen uns treiben. Kurze Zeit später empfangen wir auf Kanal 16 jedoch einen Funkspruch an “das Segelboot vor dem Hafen von Pozzallo”. Ich bin mir unsicher, ob wirklich wir gemeint sind und reagiere erst beim zweiten mal. Pozzallo Port Control teilt uns mit, dass wir an unserem aktuellen Ort nicht bleiben könnten. Ich erkläre, dass wir das Feld räumen und ohnehin demnächst in den Hafen einfahren werden.

Als wir uns dem Hafen nähern, sehen wir, dass ein anderer Segler fast unmittelbar vor der Hafeneinfahrt ankert. Vermutlich galt der Funkspruch eher ihm. Ups! Wir hatten uns schon gewundert, dass unser Gesprächspartner unsere Position nicht abgeglichen hatte. Auch über unser ausgesendetes AIS Signal hätte man uns zweifelfrei identifizieren können. Naja, es scheint kein größeres Problem zu sein, denn das andere Boot steht auch am nächsten Morgen noch an Ort und Stelle.

Unser Liegeplatz für die Nacht liegt an einem privaten Schwimmsteg im Hafen der echten Industriecharme versprüht. Natürlich wird auch hier wieder nicht auf Funk oder Telefonanrufe reagiert und wir gestikulieren uns mit Hilfe anderer „Stegbewohner“ zum Ziel. Umso überraschter bin ich, als zur Bezahlung zwei Mitzwanziger auftauchen, die einen Mundschutz tragen. Auch werden wir hier tatsächlich das erste Mal seit Reisebeginn nach unserem Covid Impfstatus gefragt.

Am selben Steg liegt eine recht heruntergekommene 64 Fuss Segelyacht neueren Baujahrs. Ein Blick auf den Heckspiegel lässt mich schmunzeln: Aus Steuergründen fahren viele Italiener unter ausländischer Flagge. Noch nie allerdings, sind wir einem Boot aus DIESEM Heimathafen begegnet 😂

Wir erkunden den Strand. Da wir hier nur eine Nacht bleiben, verzichten wir auf einen Spaziergang in den Ort.

Etappe 2021-6: Syracusa – Marzamemi 25.9 sm

Direkt nach unserem Ablegen bemerken wir, dass der Schwell, der heute aus Richtung Adria und Griechenland herüber schwappt deutlich höher ist, als auf den vorherigen Etappen. Es fehlt die Abdeckung des italienischen Festlands.

Im Laufe des Vormittags beobachten wir in der Nähe der Fischerboote die wir passieren immer wieder Delfine. Leider sind die Tiere wohl auf Nahrungssuche und keines kommt an unserem Boot zum Spielen vorbei.

Später nimmt der anfangs schwache Wind auf rund 15 Knoten zu. Allerdings kommt dieser Wind direkt aus SSW. Schon wieder von vorn. Wir motoren deshalb in den brütend heissen Südwind. Selbstredend haben wir den stärksten Wind dann kurz vor der Hafeneinfahrt von Marzamemi. Wir werden aber bereits erwartet: Offenbar beobachtet man die AIS Signale in Hafennähe. Jedenfalls werden wir auf dem Arbeitskanal des Hafens bereits erwähnt, bevor wir die Marina zum ersten Mal anfunken. Nach kurzem Funkverkehr kommt uns dann auch schon ein Dinghy entgegen und weist uns den Weg durch die versandete Hafeneinfahrt. Anschliessend ersetzt es bei Seitenwind unser nicht vorhandenes Bugstrahlruder. Perfekter Service!

Nicht nur beim Anlegen: Der Fischerort Marzamemi ist zu Fuss bei den aktuellen Temperaturen unangenehm weit entfernt. Die Marina bietet deshalb standardmäßig Fahrräder an, die man sich kostenlos ausleihen kann. Dass uns aber ein Marinamitarbeiter sein privates Fahrrad inklusive Kindersitz und Helm für Annika leiht, schreiben wir der sizilianischen Gastfreundschaft zu.

So sitzen wir abends im Dorfkern beim Aperitif und lassen den Tag ausklingen…

Nachdem ich unser Solarkabel frühmorgens vom Heckspiegel quer durch die Tiefen der Backskiste in die Nasszelle verlegt und Tatjana unsere Wäsche gewaschen hatte, radeln wir auch am nächsten Tag in den pittoresken Ort zum zweiten Frühstück.

Kurz vor der grössten Mittagshitze kehren wir zum Boot zurück und ich widme mich wieder dem Kabel. Wenigstens kann ich jetzt IM relativ kühlen Boot arbeiten und muss nicht mehr an Deck. Während ich das Kabel vom Bad zum Navitisch weiterziehe blässt auch heute wieder ein unerbittlicher, heisser Südwind. Wir machen im Boot Siesta. Hier drin hat es dank Klimaanlage erträgliche 32 Grad. Draussen dürften es inzwischen gut 40 sein.

Als es kühler wird lassen wir den Abend bei Pizza und Weisswein in der Pizzeria am Hafen ausklingen und tragen anschliessend die bereits schlafende Annika zum Boot.

Etappe 2021-5: Catania – Syracusa 28.2 sm

Nach dem Ablegen in Catania wird unser Segeln in leichten Winden nach einiger Zeit durch einen Besuch einer Delfinschule unterbrochen. Zwei der Tiere umspielen unseren Bug und Annika kommt jauchzend zu ihrer ersten bewusst wahrgenommenen Delfinbegegnung. Später beim Passieren des Capo Santa Croce nimmt der Wind zwar wie vorhergesagt zu, kommt aber direkt aus süd-süd-östlicher Richtung und damit von vorn.

Wir motoren also unserem Tagesziel Porto Piccolo in Siracusa entgegen und haben im Hafenbecken ein Deja vu: Weder unsere Funksprüche noch unsere Telefonanrufe werden beantwortet. Zum Glück ist der Hafen sehr windgeschützt. Wir fahren sehr nahe an “unseren” Steg heran und fragen andere Segler, ob wir hier denn im richtigen Yachtclub sind. Die Erfahrung lehrt uns: Man weiss ja nie 😉. Doch es passt alles und die hilfbereiten Yachties rufen den Marinero herbei, der beim Einparken in die viel zu kleine Lücke hilft. Es wird zurecht geruckelt, gedrückt, gezogen und wir sind fest.

Am späten Nachmittag brechen wir zu einem ersten Streifzug durch Ortigia, der auf einer Halbinsel liegenden Altstadt von Syracusa auf. Wir lassen uns treiben und erreichen nach einiger Zeit den Porto Grande. Hier liegt Maltese Falcon vor Anker. Unsere Routen scheinen sich zu überschneiden. Im eigentlich abgesperrten Bereich des Zollhafens erhaschen wir einen Blick auf den beeindruckenden Koloss mit seinem besonderen drehbaren Rigg.

Am nächsten Morgen schlendern wir über den örtlichen Markt und kaufen fast 1 Kilo Schwertfisch, der abends auf dem Grill landen soll. Anschliessend folgt ein weiterer Streifzug durch die Stadt und zur Archimedes Statue. Der griechische Gelehrte ist ein Sohn der Stadt, auf den die Einwohner noch heute stolz sind.

Wir laufen ausserdem zur Fakultät für Architektur am äußersten, südöstlichen Zipfel der Altstadt. Auf dem Rückweg lassen wir uns eine Zitrone für den Schwertfisch schenken bevor ich in der brütenden Mittagshitze unsere Solarzellen provisorisch (mit einem durch den Niedergang geführten Kabel) verkable. Heureka! Es funktioniert!

Etappe 2021-4: Giardini Naxos – Catania 26.1 sm

Bei völliger Flaute motoren wir entlang der Küste in Richtung Catania und geniessen einmal mehr den Blick auf den nahen Ätna.

Zum Finale der Etappe frischt der Wind dann doch noch etwas auf und wir können unter Genua etwas motorsegeln. Nach dem Anlegen im Porto Antico direkt im Zentrum von Catania spazieren wir am Nachmittag durch die Altstadt.

Abends gehen wir zum ersten Mal seit langem wieder auswärts essen. Unter freiem Himmel sitzen wir in einer Bar und was eigentlich als Aperitif geplant war entwickelt sich dank üppiger Portionen auf der bestellten Vorspeisenplatte zum Abendessen.

An Hafentag 2 brechen wir mit einem Mietwagen auf um den nahen Ätna zu besuchen. Der höchste aktive Vulkan Europas ist gerade ziemlich aktiv und qualmt vor sich hin. Mit einem etwas mulmigen Gefühl nehmen wir die Seilbahn Funivia dell’Etna zur Bergstation auf 2500 m und machen mit Annika einen Spaziergang durch die beeindruckende Mondlandschaft aus Geröll, Asche und erkalteter Lava. Die sich mit Mietwagen bietenden Möglichkeiten nutzen wir anschliessend zum Verproviantieren in einem riesigen Supermarkt. Ein Gefühl, dass sich auch nach nur einer Woche an Bord fast wie Weihnachten anfühlt.

Das Auftanken des Mietwagens vor der Rückgabe ist wider Erwarten sehr spannend: Weil wir im sizilianischen Feierabendverkehr nur mäßig gut zurecht kommen, fahren wir eine kleine bediente Tankstelle an. Als einziges Auto (von vielen!) werden an eine separate Zapfsäule gebeten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Da unser Verbrauch tagsüber moderat war, bezahlen wir trotzdem nur erträgliche 15,- € (in bar, seltsamerweise funktioniert unsere EC Karte, die eben im Supermarkt noch tadellos ihren Dienst verrichtete hier nicht). Als wir nach einer Quittung fragen (was für ein Spass!) müssen wir warten und bemerken mehrere Autos, die zwar (an der anderen Zapfsäule) nur wenige Sekunden betankt werden, anschließend aber mit grossen Mengen Bargeld “bezahlen”. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt 😅

Etappe 2021-3: Messina – Giardini Naxos/Taormina 28.2 sm und ein herrlicher Segeltag

Auch unser zweiter Seetag in der Strasse von Messina startet früh morgens. Die Strömung steht günstig und wir können bereits kurz nach dem Verlassen der Marina in Messina das Vorsegel setzen und segeln mit bis zu 25 Knoten achterlichem Wind in Richtung Süden.

Es herrscht dichter Verkehr, doch wir segeln etwas ausserhalb des Fahrwassers problemlos unserem Etappenziel entgegen. Wir kommen dank mitlaufender Welle gut voran und erreichen das angepeilte Bojenfeld zwischen Taormina und Giardini Naxos bereits am frühen Nachmittag. Nach einer Badepause im Meer lassen wir uns mit einem Shuttle des Bojenfeldbetreibers an Land bringen und erkunden die Strandpromenade von Giardini Naxos.

Immer wieder fällt uns bei diesem Spaziergang, die überall auf den Strassen verteilte Vulkanasche des nahen Ätna auf.

Symbolbild (einige Tage später in Catania aufgenommen)

Der Vulkan ist gerade derart aktiv, dass unser naher Rückflug-Flughafen in Catania kürzlich wegen Aufräum- und Reinigungsarbeiten kurzzeitig geschlossen werden musste.

Nach der unruhigsten (Vollmond-)Nacht die wir bisher an einer Boje hatten (1 Meter seitlichem Schwell in Kombination mit Flaute) ist unser Tag/Nacht Rhythmus durch den unruhigen Liegeplatz derart ruiniert, dass wir uns am Folgetag erst kurz vor der Mittagszeit von einem Taxi nach Taormina fahren lassen. Das war eigentlich anders geplant.

Nun denn, wir spazieren durch die malerische Altstadt und probieren sizilianische Arancini und allerlei Süssspeisen, bevor wir den Blick aus dem antiken Theater hinüber zum Ätna geniessen.

Da ich die Installation der neu angeschafften Solarzellen auf unserem Bimini in Messina zwar begonnen, die Verkabelung jedoch noch nicht abgeschlossen habe, starten wir nach unserer Rückkehr zum Boot am Nachmittag den Dieselmotor um ausreichend Strom für den Kühlschrank zur Verfügung zu haben.

Morgen wollen wir weiter nach Catania segeln und vom dort aus eventuell einen Abstecher zum nahen Vulkan machen. Erneut ist Wind vorhergesagt der gegen Nachmittag zunehmen soll. Wir wollen daher erneut bereits gegen 8 Uhr morgens aufbrechen.

Da Malta gestern vom RKI erneut zum Corona Risikogebiet erklärt wurde und ein Abstecher dorthin innerhalb unseres nur dreiwöchigen Urlaubs ohnehin erheblichen Aufwand bedeuten würde, haben wir entschieden, auf einen Besuch dort zu verzichten. Falls es die Situation es erlaubt, wollen wir im Herbst gegebenenfalls erneut zum Boot fliegen und dieses Highlight dann nachholen.

Etappe 2021-2: Palmi – Messina 19.6 sm: Die berühmte Strasse von Messina

Um 08:15 legen wir in Palmi ab und haben den Wind wie so häufig direkt von vorn. Die Strecke bis zur Einfahrt der Strasse von Messina verläuft von einer vorbei treibenden OP-Maske einmal abgesehen unspektakulär. Offenbar hat die Corona Pandemie auch Einfluss auf andere, weniger offensichtliche Bereiche unseres Lebens. Um 10:43 Uhr geht es los: Wir erreichen den Eingang der Strasse von Messina. Von Sizilien kommende böige Fallwinde würden ein Am-Wind-Segeln zulassen. Da wir aber überhaupt nicht wissen, was uns auf dem folgenden Streckenabschnitt so erwartet, verzichten wir. Wir motoren knapp ausserhalb des Fahrwassers nach Süden und begegnen zahlreichen traditionellen Schwertfischerbooten. Unserem Timing sei Dank bemerken wir von der berüchtigten Strömung nur einzelne konfuse Wasserverwirbelungen. Es wirkt teilweise so, als würde die See kochen. Insgesamt aber kein grosses Problem und so legen wir bereits um kurz vor 12 an einem Fingersteg der Marina del Nettuno in Messina an und ich dichte potentielle Leckagen auf unserer Steuerbordseite an Deck mit Sikaflex ab.

Nach unserer ersten unruhigen Nacht im Schwell der Strasse von Messina erkunden wir die Stadt und pilgern zum bestens sortierten Shipchandler um Zubehör zur Gelcoat Ausbesserung sowie ein Stück Motordämmmatte zu kaufen. Letztere hatte sich auf dem Weg nach Messina von der Decke des Motorraums gelöst.

An Tag 2 sind wir nach einem netten Gespräch mit einem älteren Herrn (der gerne wieder einmal deutsch sprechen wollte und uns auf der Strasse offenbar sofort als deutsche Touristen erkannt hatte) morgens zur etwas erhöhten Kirche Christo Re gepilgert und haben von dort die Aussicht über die Stadt und die Strasse von Messina genossen. Anschliessend statten wir dem örtlichen Botanischen Garten einen Besuch ab, bevor wir in einem Tante Emma Laden (auf Empfehlung des Shipchandlers) tatsächlich Gaskartuschen für unseren Bordgrill bekommen.

Nach dem Mittagessen an Bord können wir beobachten, wie das riesige Kreuzfahrtschiff “Costa Smeralda” nach Rom aufbricht um von dort aus innerhalb von 8 Tagen mit über 6000 Passagieren das Mittelmeer zu erkunden.

Nach dem Trocknen der Bilge und der Vermessung unseres Biminis als Vorbereitung der Solarinstallation wollen wir morgen früh weiter nach Giardini Naxos und dort für zwei Nächte an einer Boje festmachen.

Aufgrund der Strömungsvorhersage planen wir unsere Abfahrt erneut bereits gegen 8 Uhr früh.

Etappe 2021-1: Tropea – Palmi 21.7 sm – Das Abenteuer geht weiter

Nachdem der uns für den angeschliffenen Gelcoat angebotene Nachlass mit 50,- € lächerlich niedrig ausfällt, liegen wir kurz nach unserem Ablegen in Tropea gegen halb zehn Uhr morgens wieder an der Werftmauer und lassen den Schaden beheben. Ich bin sehr gespannt wie lange das dauern wird und wie gut das Endergebnis dann sein wird…

Nach zirka 2 Stunden und getaner Arbeit haben wir natürlich auch hier wieder eine „It‘s the same colour“ Diskussion. Der neu aufgebrachte Gelcoat hat natürlich nicht (!) die richtige Farbe. Schön geschliffen ist er auch nicht. Wir lassen es trotzdem gut sein. Der Skipper wird sich dieser Stelle nochmal selbst widmen. So, bekomme ich das allemal auch selbst hin.

Anschliessend haben wir auf unserem Weg nach Palmi zunächst etwa 15 Knoten Wind direkt auf der Nase und motoren deshalb durch eine unangenehme seitliche Welle. Nachdem wir das Capo Vaticano passiert haben, können wir die Genua etwas zur Hilfe nehmen um gegen die 2 Knoten Strömung die uns aus der Strasse von Messina entgegen kommen besser voran zu kommen. Wie schon bei unserem ersten Aufenthalt werden wir auch heute im Yachtclub in Palmi herzlichst empfangen. Wieder schenkt man uns eine Flasche Prosecco. Wenn uns hier jetzt keiner ins Boot fährt kann der Urlaub beginnen.

Nach dem Anleger beschäftigt uns bereits die morgen anstehende Etappe: Die an der engsten Stelle nur 3 Kilometer breite Strasse von Messina, in der die Strömung bis zu 6 Knoten betragen kann, nötigt uns einigen Respekt ab. Wir planen gegen 8:30 Uhr hier aufzubrechen, um gegen 11 Uhr bei „slack“ also Null Strömung an der Einfahrt zur Strasse zu sein. Danach kippt die Strömung gegen uns. Von der Einfahrt der Strasse bis zur Marina sind es dann allerdings nur noch etwa 8 Seemeilen also etwa 1.5-2 Stunden.

Von 0 auf 100 in unter 27 Stunden – Willkommen zurück in Italien!

Nach einem gut zweistündigen Flug und einem anschliessenden, halsbrecherischen Transfer vom Flughafen zur Werft sind wir wieder heute endlich wieder zurück an Bord.

Da wir an einem Freitag Mittag, kurz vor Feierabend ankommen, liegt unser Boot bereits im Wasser und ist längsseits an einer Mauer auf dem Werftgelände festgemacht. Nach dem Begleichen unserer Rechnung 🤫 hilft man uns trotz des nahen Wochenendes noch unsere zahlreichen Gepäckstücke an Bord zu hieven.

Dann sind wir auf uns gestellt: Feierabend! Strom oder Wasser gibt es hier nicht. Das ist aber kein Problem, wir haben für die ersten Nächte einen Hafenplatz in der Marina im selben Hafenbecken reserviert und müssen uns lediglich dorthin verholen. Die ca. 5 Knoten auflandiger Wind sind dann beim Eindampfen in die Spring beim Ablegen auch gar nicht das Problem. Leider aber hat die Mauer an der wir liegen einen Vorsprung, der nicht auf Höhe unserer Bordwand sondern deutlich darüber (auf Höhe unserer Relingsoberkante) liegt. Nach einigem improvisierten Hin- und Her- (vermutlich war ich beim Eindampfen in die Spring nach so langer Bootsabstinenz etwas zu zaghaft) schaffen wir es freizukommen und verholen uns problemlos auf unseren Liegeplatz unmittelbar vor der lokalen Pizzeria. Abends schlage ich noch die Sprayhood an, bevor der Tag bei Pizza und Bier ausklingt.

Nachts gegen viertel vor vier werden wir tatsächlich von Regen geweckt und bauen halsüberkopf unsere Klimaanlage ab. Gleichzeitig bemerken wir einen Regenwassereinbruch über zwei Lampen an unserer Salondecke steuerbords. Da haben wir also schon einen weiteren Punkt auf unserer To-do Liste.

Am nächsten Morgen trocknen wir die Motorbilge und bringen das Bimini an. Nach zwischenzeitlichen Regenpausen folgen am Nachmittag das Grosssegel und die Lazybags. So langsam sieht Zanzibar schon wieder wie ein Segelboot aus…

Anschliessend spielt Annika etwas am nahen Sandstrand und ich buche den nächsten Hafenplatz in der Marina di Palmi, die wir ebenfalls bereits von einem Besuch im Vorjahr kennen. Wir wollen es langsam angehen lassen und uns schrittweise der Strasse von Messina nähern, die uns doch einiges an Respekt abverlangt.

Obwohl wir bei der örtlichen Werft durch den Neuafbau (inkl. Sandstrahlen) des Unterwasserschiffs rund 20% das Schiffswertes investierten, gibt es auch hier wieder etwas zu meckern: Wir hatten auch die Aufarbeitung des Teaks im Cockpit in Auftrag gegeben. Man sagte uns zwar, dass das schwierig sei, da das Teak nur noch sehr dünn sei, unsere Beschwerde hat aber nichts mit dem tatsächlich sehr dünnen Teak zu tun. Viel mehr mit der Arbeitsweise des Mitarbeiters, der das Teak abgeschliffen hat. Offenbar ist er beim Schleifen davon ausgegangen, dass das Teak über dem umliegenden Gelcoat liegt. Das war jedoch leider nicht überall der Fall. Man hat sich anschliessend noch nicht einmal die Mühe gemacht, den Fehler zu beheben/vertuschen…

Doch es kommt noch doller: Gegen 19 Uhr als wir gerade unter Deck zu abend essen, kracht ein Boot Anker voraus in unsere Backboardseite. Verständlicherweise sind wir etwas aufgeregt als wir vom Abendessen aufspringen und beim Abdrücken des fremden Ankers von unserer Bordwand helfen. Vom Vorschiff, des mit dem Wind einparkenden Bootes wird uns gleich signalisiert: Kein Problem! Kann man alles wegpolieren. Von wegen! Wir nehmen uns vor, auf eine Regelung durch die gegnerische Versicherung zu bestehen. Ein ähnlicher, in Rom reparierter Gelcoatschaden (vom netten „Fahrerflucht Franzosen“ in Genua) hatte immerhin mit rund 300,- EUR zu Buche geschlagen.

Anschliessend passiert dann zunächst etwa 1.5h nichts. Als Tatjana(!) nachdem sich alle etwas beruhigt hatten zum Boot des Unfallgegners spaziert und fragt, wie wir mit dem Unfallschaden denn nun umgehen sollten, wird Ihr vom Skipper ein unfreundliches „Domani Mattina“ („Morgen früh“) entgegengeraunt. Kein Wort der Entschuldigung, Nichts!

Auch als sich auf dem 3 Plätze weiter entfernt liegenden Boot gegen halb elf am nächsten Morgen schliesslich endlich etwas regt, werden wir beim erneuten Nachfragen auf „später“ vertröstet. Man habe Urlaub und möchte zunächst in einem Cafe am Hafen einen Kaffee trinken gehen.

Schliesslich bequemt sich einige Zeit später dann doch noch ein Besatzungsmitglied zu uns. Er möchte zunächst den Schaden begutachten und Fotos machen. Ich bitte ihn an Bord und nach kurzer Inspektion unserer Backboardseite sieht er ein, dass die von mir bereits gemachten Fotos wohl genügen..

Wir tauschen die Fotos und Handynummern aus und er verspricht, ein Foto seine Versicherungspapiere zu schicken. Na ob das klappt? Willkommen zurück in Italien!

Noch eine Woche: Sich permanent ändernde Einreisebestimmungen sorgen für Kopfzerbrechen. Immerhin, unsere Solarzellen sind bereits in der Werft angekommen

Morgen in einer Woche wollen wir den Flieger in Richtung Italien besteigen. Wir müssen noch packen, klar. Mehr beschäftigt mich derzeit aber die Frage, ob ich bei den doch recht komplexen Reisebestimmungen auch wirklich nichts übersehen habe, was unserer Reise noch im Wege stehen könnte. Die Coronasituation ist trotz aktuell recht niedriger Fallzahlen kompliziert. Die aufkommende Delta-Variante sorgt für einige Unsicherheit. Daran muss man sich aber wohl gewöhnen, wenn man wie wir in einer „Pandemiepause“ ins Ausland reisen möchte.

Immerhin ist inzwischen ganz Italien „weisse Zone“. Es gibt also nur noch relativ leichte Einschränkungen wie Maskenpflicht und Abstandhalten.

Auch die Einreisebestimmungen sind moderat:

  • Kinder unter 6 Jahren (und somit auch Annika) sind bei der Einreise aus der Schweiz von der Testpflicht ausgenommen.
  • Tatjana und ich haben jeweils ein digitales Impfzertifikat und sollten daher ebenfalls ohne weiteren Test nach Italien einreisen dürfen.

Zur Sicherheit habe ich die gebuchten Testslots am Abflugtag allerdings noch nicht gecancelt, man weiss ja nie.

Die Tatsache, dass ich ein Impfzertifikat aus der Schweiz, Tatjana aber eines aus Deutschland hat, stellt für Italien kein Problem dar. Wohl aber für Malta. Dorthin dürfte Tatjana (mit EU Zertifikat) inzwischen ohne Test reisen. Solange die EU das schweizer Zertifikat jedoch noch nicht vollständig anerkennt, bräuchte ich allerdings einen negativen PCR Test… Ich bin gespannt, ob sich das (wie inzwischen angekündigt) in den nächsten Tagen noch ändert (und ob wir zeitmässig überhaupt in der Verlegenheit kommen, einen Abstecher nach Malta in Betracht zu ziehen). Immerhin, würde Annika (und generell Kinder bis 5 Jahre) auch in Malta keinen negativen Test mehr benötigen.

Eine andere Sorge ist, dass unser Boot rechtzeitig fertig wird. Natürlich kennt die Werft unseren Anreisetag. Natürlich hat sie zugesagt, uns am Freitag den 16. Juli kurz vor Feierabend noch zu kranen. Ob aber sämtliche in Auftrag gegebene Arbeiten erledigt sind entzieht sich meiner Kenntnis. Die vormals sehr reaktionsschnelle Werft wird beim Beantworten meiner Anfragen per eMail oder WhatsApp zunehmend einsilbig und träge. Das letzte Update ist schon eine ganze Weile her und beunruhigte mich mit dem Plan man wolle mit den noch ausstehenden Arbeiten noch warten und diese erst Anfang Juli erledigen. Na ob das klappt. Ich versuche optimistisch zu bleiben.

Inzwischen wurden auch unsere Solarzellen durch UPS an die Werft geliefert (ich hoffe, dass sie in der letzten Woche vor unserer Anreise dort nicht verschwinden).

Es bleibt spannend…

1 2 3 4 5 12