Einhand nach Malta – Vom Winde verweht: Ich lege nicht ab

Erst kam die Einreisegenehmigung für den ursprünglich für Sonntag geplanten Schlag zur für mich so faszinierenden Insel nicht. Als diese dann für Dienstag endlich eintrudelt und auch der Hafenplatz in der Grand Harbour Marina reserviert ist, habe ich hier im Marina di Ragusa bereits einige Tage als Zuschauer des Hafenkinos hinter mir.

Pro Tag laufen hier, bei immer noch steifem Wind aus Nord-West nicht mehr als zwei Boote ein. Alle mit Crew (teilweise zusätzlich mit Bugstrahlruder). Fast alle davon haben trotz Dinghyunterstützung mehr oder weniger grosse Probleme im böigen Wind einzuparken. Hier und da scheppert es und es gibt Macken im GFK der Boote. Von Sonntag auf Montag liege ich fast die ganze Nacht wach. Der Wind heult durchs Rigg. Morgens beim Aufstehen bin ich fast schon entschlossen, einfach hier im Hafen zu bleiben und nicht abzulegen. Und dann das: Um 8 Uhr herrscht im Hafen bei strahlendem Sonnenschein fast Flaute. Ich mache das Boot also segelklar. Beim Versuch den hinteren Wassertank aufzufüllen stelle ich fest, dass die Wasseranschlüsse am Steg nicht mehr funktionieren. Wintermodus! Wasser gibt es nur noch auf Nachfrage (dabei halte ich Frost hier für eher unwahrscheinlich). Als ich dann später am Tag verdutzt auch noch einen Marinamitarbeiter beobachte, der am Steg sämtliche Holeleinen der Moorings am Steg abknotet und ins Wasser wirft, um sie kurze Zeit später fein säuberlich aufgeschossen an unserem Bugkorb aufzuhängen, verstehe ich: Die meinen das mit dem Wintermodus ernst.

Einmal angelegt fährt hier vermutlich kaum noch einmal jemand aus dem sicheren Hafen zum Segeln raus ins herbstliche Mittelmeer. Und ich will morgen bei um die 30 Knoten aus Nordwest meine Einhandsegelpremiere mit Zanzibar feiern? Vermutlich eher keine so gute Idee. Vor dem Segeln ist mir nicht bange. Die Rettungsweste liegt bereit und vorsorglich habe ich statt der vorderen Reffleine des 1. Reffs das 3. eingeschoren (unser Einleinenreffsystem im Baum sieht vorne nur zwei statt der bei unserem Segel vorhandenen drei Reffs vor). Natürlich kann man bei 30 Knoten segeln. Erst recht wenn man den Wind wie ich beim geplanten Törn nach Malta eher von hinten hat. Das größere Problem wäre der Rückweg, denn die Wetterlage bleibt die nächsten Tage recht beständig. Das aktuelle Tiefdruckgebiet bewegt sicht nur langsam in Richtung Griechenland und bei Tunesien und Gibraltar warten schon die Nächsten. Ich müsste mindestens bis Sonntag auf Malta auf ein Wetterfenster warten. Dann blieben mir allerdings nur noch wenige Tage zusammen mit der Familie zum „Erholen“. Das Boot muss ja auch wieder eingemottet werden. Ausserdem müsste ich alleine auch immerhin 4 Hafenmanöver fahren. Bei den Bedingungen die gerade herrschen, hätte ich am liebsten schon beim Ablegen ein Dinghy auf standby. Schweren Herzens entschliesse ich mich nichts zu erzwingen und hier zu bleiben. Wer schon beim Ablegen am Startort ein ungutes Gefühl hat, sollte vermutlich einfach im Hafen bleiben, schliesslich will ich keinen Bruch fabrizieren (auch wenn wir gut versichert sind ;-).

Ich hoffe es kommt vielleicht 2022 eine neue Chance nach Malta zu segeln. Einhand, mit Crew oder einfach mit mehr Zeit um auf das passende Wetterfenster zu warten. Diesmal hat es wohl nicht sollen sein. Nun freue ich mich auf meine morgen hier eintreffende Familie und hoffe auf sonnige Tage und tolle Ausflüge an Land. Das Boot fungiert dabei als Ferienwohnung in einem Ort auf Sizilien, in dem wegen des Windes sogar die Palmen in den Gärten abgespannt werden. 

Ich bin um die Erkenntnis reicher, dass ich wohl eher bei 3-4 statt 6-7 Beaufort mit der Einhandsegelei im Mittelmeer beginnen sollte. Ich denke auch die schwierige Entscheidung im Zweifel eben nicht abzulegen, lässt mich als Skipper reifen (auch wenn ich mir den Ausflug nach Sizilien natürlich etwas anders vorgestellt hatte und entsprechend enttäuscht bin). Die besten Segler sterben an Land 😉

Einhand nach Malta – der zerknautschte Skipper und ein stinkendes Paket sind da. Das Boot ist abfahrbeit. Die Einreisegenehmigung lässt auf sich warten…

Nachdem ich am Freitag mitten in der Nacht mit dem Taxi in Basel aufgebrochen bin, erreiche ich um kurz nach 11 das Boot in Marina di Ragusa. Es bläst ordentlich. In Böen sicher 30 Knoten und das Meer sieht aufgewühlt aus. Ich mache mich an die Arbeit und um kurz nach 12 sind bereits Sprayhood , Bimini und Solarzellen montiert. Läuft! Könnte man meinen. Leider habe ich auf meine Bitte um “Clearance“ zur Einreise am Sonntag bisher keine Rückmeldung vom maltesischen Port Medic erhalten. Ohne diese, darf ich keinesfalls in maltesische Gewässer einlaufen.

Wie mir die Marina per eMail mitteilte ist inzwischen auch mein Paket angekommen. Allerdings würde es komisch riechen und würde deshalb nicht Büro sondern in einer Garage verwahrt. 🙄 Mir schwant schreckliches. Im Paket befinden sich neben allerlei Ersatzteilen (und neuen Flip Flops) auch Gelcoat inkl. Härter, Farbe und eine neue Dose Dieselzusatz. Worst case wäre also stinkendes Biozid im ganzen Paket verteilt. Und tatsächlich, schon als ich das Paket entgegennehme steigt mir der charakteristische Geruch in die Nase. Am Steg öffne ich das Paket (vorsichtshalber mit Einmalhandschuhen). Die Diesel-Zusatz Dose hat ein etwa 7 mm grosses Loch im Boden und ihr kompletter Inhalt wurde von Karton und Co aufgesaugt. Sch…

In 2 Mülltüten sortiere ich: „Zu retten“ und „gleich entsorgen“. Die gefriergetrocknete Nahrung fliegt sofort weg. Ebenso das Segel-Nähgarn und das Klebeband. Beim Sicherungshalter für den Gaswarner (auf unserem Erst-Boot war dieser ohne Sicherung eindrucksvoll abgefackelt), den Flip Flops und zwei Thermosbechern zögere ich. Nach und nach fliegt aber fast alles weg. Anschliessend verproviantiere ich. Gar nicht so einfach der nahegelegene Supermarkt scheint entweder nur im Sommer geöffnet oder aber eine außergewöhnlich lange Siesta zu machen. Ich muss also die schweren Getränke und die Milch für den morgendlichen Kaffee Wohl oder Übel etwa 20 min die Promenade entlang schleppen. Immerhin lerne ich so den Ort etwas besser kennen. Alles hier wirkt völlig anders als im Sommer. Der Strand ist fast ausgestorben und nur vereinzelt sind Surfer unterwegs.

Am Samstag vormittag herscht Windstille und ich beginne damit das Vorsegel anzuschlagen. Sofort werde ich vom Nachbarn schräg gegenüber gefragt ob ich Hilfe brauche (das wäre im Hochsommer sicher nicht passiert). Aber ich will es alleine versuchen. Schon bald ist das Vorsegel aufgezogen. Das Grosssegel ist etwas komplizierter. Lazybag und Unterlieg des Segels wollen gemeinsam in die Nut auf dem Baum gezogen werden. Aber auch das gelingt. Jetzt sieht Zanzibar eigentlich schon ziemlich abfahrbereit aus.

Die Segellatten friemel ich am Nachmittag bei wieder deutlich mehr Wind ins Segel. Das ist alleine die bisher größte Herausforderung. Die Reffleinen vertage ich wegen des Windes auf den Sonntag. Denn noch immer habe ich keine Einreisegenehmigung für Malta erhalten. Für morgen sieht es also nicht allzu gut aus 😏. Ein Probelauf des Motors verläuft ebenso erfolgreich wie das „Vorkochen“. So ganz aufgeben will ich noch nicht. Aber inzwischen ziehe ich insgeheim durchaus in Betracht, dass es mit Malta schon wieder nicht klappen könnte. Als Alternativplan spiele ich inzwischen daher mit dem Gedanken eines Daysail von/nach Marina di Ragusa. Vielleicht wäre das als Start ins Einhandsegeln im Herbst ohnehin die weisere Entscheidung.

Einhand nach Malta – Anstehen für ein neues Covid Zertifikat, Abschluss der Baggerarbeiten, ein verschollenes Paket und Wetter, Wetter, Wetter…

Man hört und liest ja so allerhand über das Reisen in Zeiten von Corona. Zum Beispiel sollen manche Länder bei der Einreise-Kontrolle der Covid Zertifikate Probleme machen, wenn der dort aufgeführte Name nicht exakt mit dem Namen im Reisepass übereinstimmt. Von Malta oder Italien hatte ich diesbezüglich zwar noch nichts gelesen (und in Italien war ich mit meinem aktuellen Covid Zertifikat ja bereits im Sommer) aber ich will keinesfalls ein unnötiges Risiko eingehen:

So stehe ich einige Tage vor meiner Abreise nach Italien also erneut am Impfzentrum in Basel an um ein neues Zertifikat zu erhalten. Auf diesem soll anders als auf meinem ersten Zertifikat auch mein zweiter (bisher unterschlagener) Vorname aufgeführt sein. Irgendwie ging das bei der Impfung selbst alles schneller. Die Schlange am Schalter scheint endlos und es geht nur langsam vorran, aber was solls… Immerhin kann ich das neue Zertifikat als ich dann endlich an der Reihe bin direkt in Empfang nehmen und muss nicht auf eine SMS oder eine eMail mit einem Downloadlink warten wie beim ersten Mal.

Anschliessend frage ich per eMail beim Hafen nach, ob die Baggerarbeiten denn wie geplant vorangehen und erwähne, dass ich mich auf ein Wiedersehen am kommenden Freitag freue. Man antwortet mir prompt: Die Baggerarbeiten seien inzwischen abgeschlossen und ich solle mich am Freitag einfach 1 Seemeile vor dem Hafen über VHF Kanal 74 ankündigen 🤨…

Immerhin, Ein- und Ausfahrt aus dem Hafen scheinen gerade rechtzeitig wieder „normal“ möglich. Da ich mit Flugzeug und Taxi zur Marina anreise, kann ich mir die Ankündigung meiner Ankunft per VHF ziemlich sicher auch sparen 😀

Da der ÖPNV in Basel vor 5 Uhr morgens leider nicht ganz so flächendeckend funktioniert, hab ich ein Taxi bestellt, dass mich morgen in aller Herrgottsfrüh zu  Flughafen bringen soll.

Leider lässt mich die italienische Post grade etwas hängen und hat mein Ersatzteil- und Bootszubehör Paket bisher noch nicht zugestellt. Auf der entsprechenden Webseite wird als Sendungsstatus „In Zustellung“ angegeben, während DHL bereits seit gestern von „Nicht zustellbar“ spricht. Das wäre wirklich ärgerlich.

Was mir nun bleibt ist zu hoffen, dass das Segel anschlagen alleine keine allzugrosse Hürde darstellt. Ausserdem würde ich mir für mein erstes Einhand-Abenteuer im Mittelmeer schon etwas weniger Wind wünschen als gerade herscht:

Zwischen Sonntag und Dienstag hoffe ich auf ein passables Wetterfenster für die Überfahrt nach Malta. Schau ma mal…

Einhand nach Malta – Vorbereitungen auf die Einreise-Prozedur und dann das: Hafensperrung

Wie bereits erwähnt, standen mir zwei der unzähligen potentiell in Malta zur Auswahl stehenden Marinas bereits vor dem eigentlichen Trip mit Rat und Tat zur Seite und beantworteten meine zahlreichen eMails mit Fragen zu den Einreisebestimmungen, benötigten Dokumenten, Formularen und vieles mehr.

Ich hatte mir im Vorfeld die Marina di Valletta (unter anderem wegen der Nähe zu der mich besonders interessierenden Altstadt Vallettas) und die Grand Harbour Marina ausgekuckt und beide einfach mal angeschrieben. Lustige Anekdote zwischendurch: Ich habe mich unter anderem auch deshalb für genau diese Marinas entschieden, da beide einen (englischen) Namen tragen, den ich mir zutraue auch müde und/oder gestresst am Funkgerät noch fehlerfrei aussprechen zu können. Das wäre zum Beispiel bei der Msida & Ta’Xbiex Marina nicht unbedingt der Fall gewesen 😉

Vorallem die Grand Harbour Marina beeindruckte mich immer wieder mit kurzen Antwortzeiten und sehr hilfreichen Tipps zu meinem geplanten Trip. Ein Dinghy das beim Einparken hilft soll hier ebenfalls kein Problem sein. Das klingt vielversprechend.

Nach der Vorbereitung des Bootes in Marina di Ragusa muss ich mich im Detail um folgende Formalitäten kümmern:

Per eMail muss ich 24h vor meiner geplanten Abfahrt nach Malta den so genannten „Port Medic“ kontaktieren, ihm mein Impfzertifikat (das befreit mich von der PCR Testpflicht bei der Einreise), meine Crewliste (die ist übersichtlich) und das „Maritime declaration of health“ Formular zusenden. Er wird mir dann (so hoffe ich) die Freigabe zur Einreise nach Malta erteilen, ohne die ich keinesfalls in die Hoheitsgewässer Maltas einlaufen darf.

Ganz schön strikte Bedingungen für eine Reise innerhalb von EU und Schengenraum, aber Corona sorgt wohl auch hier aktuell für eine höhere Komplexität und mehr Papierkram als sonst. Sobald ich die Freigabe zur Einreise dann habe, darf ich ablegen um 12 sm vor der maltesischen Küste „Valletta Port Control“ per Funk über mein Einlaufen in die Hoheitsgewässer zu informieren. Erneuter Funkkontakt soll dann an einer bestimmten Fahrwassertonne etwa 1 Seemeile vor dem Hafen erfolgen. Das alles wirkt sehr bürokratisch, aber einhand auf Sizilien (z.B. nach Licata) zu segeln wäre ja auch irgendwie langweilig gewesen. Wer Abenteuer sucht, bekommt auch Abenteuer 😉

Doch das Abenteuer wird noch grösser/spannender: Am Samstag den 25.09. kommt abends die Hiobsbotschaft (ausschliesslich auf italienisch) per eMail: Der Hafen informiert über Baggerarbeiten in der Hafeneinfahrt und eine damit einhergehende Sperrung zwischen dem 27.09. und dem 11.10.2021. Ich kann es nicht glauben: Ausgerechnet in unseren Herbstferien! Können die das nicht im Winter machen? Sofort kommen Bedenken auf, ob die Arbeiten wohl termingerecht abgeschlossen werden. Falls sich irgendetwas verzögert, sitze ich in Marina di Ragusa und kann den Hafen nicht verlassen…

Malta steht wohl auch diesmal auf wackligen Füßen.

Einhand nach Malta – klingt gut, oder???

Den Plan mit Zanzibar auch einmal alleine loszuziehen, hege ich schon länger. Jetzt bietet sich die Möglichkeit: Tatjana will mit Annika Freunde in Deutschland besuchen. Ich fliege am 08. Oktober zum Boot nach Italien. Mein Plan sieht vor, hier das Boot klar zu machen (ich bin gespannt wie es alleine klappt die beiden Segel anzuschlagen…) um dann bei passendem Wind nach Malta zu segeln. Dort will ich einige Tage verbringen und Valletta besichtigen. Anschliessend soll es nach Marina di Ragusa zurück gehen. Tatjana und Annika wollen etwa eine Woche nach mir zum Sonnetanken ebenfalls dorthin kommen um mich wieder in Empfang zu nehmen.

Immer wieder kommen aber Zweifel auf, ob mein kühner Plan im Herbst alleine los zu segeln tatsächlich so klug ist. Mit unserem Erstboot im schweizer Binnenrevier war ich schon oft alleine segeln, kein Problem! Irgendwie komme ich dort schon wieder in die Box im Heimathafen. Zur Not eben mit Hilfe der Scheuerleisten 😉

Aber mein Vorhaben hier ist eine andere Hausnummer: 54 Seemeilen über’s offene Meer. Rund 11 Stunden werde ich bei diesem Abenteuer auf mich alleine gestellt sein. Mir graut dabei weniger vor dem Segeln selbst. Das krieg ich hin. Vorausgesetzt es toben Mitte Oktober nicht bereits die ersten Herbststürme ;-). Vielmehr graut mir vor etwaigen technischen Problemen mit dem Boot und vorallem den zwangsläufig anstehenden Hafenmanövern: Alleine hat man nunmal nur begrenzt Hände zur Verfügung und jeder Schritt will gut überlegt sein. Kommen dann Müdigkeit oder Erschöpfung dazu, kann durchaus auch mal etwas schief gehen. Ausserdem sträuben sich die Italiener üblicherweise ja, sich beim Anlegen zuerst um meine geliebte Luv-Heckleine zu kümmern. Wie das wohl auf Malta ist? Immerhin: Ein Sprachproblem sollte ich dort nicht haben, schliesslich ist Englisch eine der beiden Amtssprachen.

Auch die sich ständig ändernden Einreisebestimmungen durch COVID tragen nicht gerade zur Entspannung bei. Reicht mein Impfzertifikat oder wird zusätzlich ein negativer PCR Test erwartet? Entsprechende Anfragen bei Behörden und Tourismusverbänden werden entweder ignoriert oder mit wenig hilfreichen Standardantworten beantwortet. Immerhin, die beiden angeschriebenen Marinas reagieren prompt auf meine Anfragen und wollen mir bei meinem Unterfangen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Segeln mit Kleinkind – die nächste Challenge

Segeln mit einem weitgehend immobilen Säugling ist verhältnismässig einfach: Man sorgt für eine sichere Unterbringung des Kindes und los geht’s. Sobald die Kleinen dann jedoch anfangen zu Krabbeln oder Laufen wird das Unterfangen ungleich schwieriger. Aber auch für diese Herausforderung haben wir uns allerhand einfallen lassen um die Umgebung und den Aufenthalt an Bord für unseren Nachwuchs so angenehm wie möglich zu gestalten:

Zunächst haben wir 2020 ein Relingsnetz installiert.

Da unser Boot nicht über eine gelochte Fussreling verfügte und ich keine zusätzlichen Löcher bohren wollte, haben wir für die Netzunterkante einen zusätzlichen Relingsdraht gespannt (was uns ein Feature in der Zeitschrift Yacht einbrachte ;-))

Artikel in der Yacht 10/21

Ausserdem haben 2021 mit einem Kinder-Sicherheitsgurt/Lifebelt von Baltic und einem über eBay erstandenen Sea-Swing dafür gesorgt, dass Annika auch im Cockpit sicher ist. Vorallem bei An- und Ablegemanöver macht der Sitz der in die Winsch gesteckt wird einen riesen Unterschied. Annika kann jetzt im Cockpit genau sehen, was Mama und Papa da so treiben. Früher hatten wir sie für diese Manöver im Salon geparkt, was regelmässig mit Geschrei endete und unseren Stresslevel bei diesen Manövern nicht unwesentlich erhöhte:

Inzwischen setzen wir Annika vor dem Ablegemanöver in den Sea-Swing und stellen sie mit einem „Ablegekeks“ ruhig. Sobald wir aus dem Hafen raus sind wird sie mit dem Lifebelt an einer der Ösen im Cockpit eingeklickt und kann auf dem Schoss im Cockpit sitzen und Delfine oder Möwen beobachten.

Zusätzlich zum bewährten Autositz auf einer selbstgezimmerten Isofixhalterung hatten wir am Salontisch schon 2020 einen ansteckbaren Kindersitz. Dieser hat sich zum Essen durchaus bewährt (auch wenn wir beim nächsten Mal eine dunklere Stofffarbe wählen würden ;-)).

Eine Art quer zur Fahrtrichtung aufgespanntes „Lee“-Segel verhindert, dass Annika aus der Vorschiffskoje fällt.

Einzig ein klappbarer Minilaufstall (den ich extra an die eingeschränkten Platzverhältnisse an Bord angepasst hatte) hat sich an Bord als eher unpraktikabel erwiesen. Er flog quasi unbenutzt wieder raus (eine Hälfte haben wir vorerst als potentielles Schutzgitter für den Niedergang noch behalten).

Etappe 2021-10: Licata – Marina di Ragusa 38.9 sm – Schlussetappe und Bootsarbeiten

Früh morgens brechen wir in Licata auf. Während unsere Familien von nur 20 Grad in Deutschland bzw. der Schweiz berichten, soll hier das Thermometer heute auf 37 Grad klettern.

Eigentlich kennen wir die heutige Etappe ja schon. Nur eben in die andere Richtung. Trotz Flaute (von vorn 😉) ist es unerwartet spannend: Etwa auf Höhe der Offshore Plattform „Prezioso“ weichen wir zwei Schleppnetzfischern aus, die sich offenbar ineinander verhakt haben und verzweifelt versuchen voneinander los zu kommen. Wir halten gebührenden Abstand.

Etwas später können wir in der brütenden Mittagssonne tatsächlich noch etwas motorsegeln. Wir fahren eine Wende um am Punta Braccetto vorbeizukommen und legen nach rund 7.5 Stunden wieder in Marina di Ragusa auf Platz D-08 an. D-08? Unser Winterlagerplatz sollte laut Vertrag eigentlich der benachbarte Platz D-06 sein. Der Marinero winkt ab. D-06 sei für unser Boot zu klein, wir sollten das mit dem Büro klären (er weiss offenbar nicht, dass wir vor 2 Tagen noch problemlos auf Platz D-06 lagen). Naja egal, wir fahren vor dem Verlassen des Bootes am kommenden Montag ohnehin noch mindestens einmal aus dem Hafen um den einen Tank zu leeren und den anderen an der Tankstelle mit Diesel aufzufüllen…

Nach dem Anleger fordert Annika einen Strandbesuch ein. Mutter und Kind pilgern also zum nahe gelegenen Sandstrand während Papa sich um erste Punkte auf der ToDo Liste kümmert.

Mit dem Wasserschlauch bewaffnet gehe ich auf Lecksuche. Uns war aufgefallen, dass wir immer, wenn wir nach Annikas geliebten Planschereien die Babybadewanne zum Entleeren ins Cockpit kippen, Wasser in der Motorbilge finden. Nicht viel zwar, aber es gehört dort definitiv nicht hin. Schnell habe ich das erste (kleinere) Problem gefunden: Sobald auf das obere Ruderwellenlager Wasser kommt, rinnt dieses an der Ruderwelle entlang, verschwindet in den Tiefen von Zanzibars Heck und sickert von dort dann als kleines Rinnsal weiter in die Motorbilge. Aus dem Segel Forum weiss ich, dass man diese Art Ruderlager bei Bedarf/zu viel Spiel nachziehen kann. Vielleicht lässt sich das Problem ja durch ein einfaches nachziehen beheben. Leider habe ich keinen dafür notwendigen Stirnlochschlüssel. Diese Baustelle wird also vertagt. Man kann den entsprechenden Bereich leicht über Winter abdecken. Da er sich unter dem Steuermannssitz befindet, ist er bei Regen aber ohnehin recht gut geschützt und ist nur sehr kleinen Wassermengen ausgesetzt.

Am nächsten Morgen erkunden wir die nähere Umgebung: Die besten Badestrände, den nächsten Supermarkt, den Shipchandler (natürlich hat er keinen Flachfräsbohrer und sein Tipp, wo man in der Umgebung einen bekommen könnte ist zu Fuss zu weit weg). Wir besuchen die lokale Sehenswürdigkeit, den Torre Cabrera, einen recht niedrigen, alten Leuchtturm, der sich heute zwischen den vielen Restaurants und Bars der sehr touristischen Strandpromenade versteckt.

Auf dem Rückweg frühstücken wir in einem Cafe am Hafen, bevor es mit den Bootsarbeiten weitergeht. So ist eben Urlaub als Bootseigner. Aber auch Leck Nr. 2 will gefunden werden: Bei Regen tropft es steuerbords von der Salondecke aus den Lampen 😳. Also wieder den Wasserschlauch raus und los gehts. In Messina hatte ich bereits den Handlauf und eine Scheuerleiste neu abgedichtet. Insgeheim, haben wir aber die Schiebelukgarage im Verdacht. Unser Verdacht bestätigt sich mit dem Wasserschlauch. So ein Mist! Die Demontage ist sehr aufwändig. Der Traveller muss runter. Schon oft habe ich davon gelesen, dass die entsprechenden Schrauben mit den Jahren festgammeln und dann beim Versuch sie zu lösen entweder (zu) festsitzen oder abbrechen. Auch deshalb habe ich es nicht bereits unterwegs versuchen wollen. Eine abgebrochene Schraube an dieser Stelle und der Urlaub endet abrupt mit einem Werftaufenthalt. Jetzt versuche ich es und habe tatsächlich Glück: Alle 4 Schrauben, die unseren Traveller für die Grossschot an Ort und Stelle halten, lassen sich lösen. Ich werkle weiter und das Chaos an Bord wird grösser und grösser. Ein offensichtlicher Riss o.ä. im Deck von Zanzibar ist unter dem Schiebeluk nicht zu erkennen. Es muss also tatsächlich eine der Bohrungen für die Schrauben sein.

Inzwischen ist es schon recht spät und wir beschliessen das Projekt zu vertagen. Wir vertäuen unsere (schwere) Rettungsinsel und die Abdeckung des Schiebeluks auf dem Vorschiff und holen Pizza zum Abendessen. Lecker!

Am zweiten ganzen Hafentag spachtle ich in der Morgensonne einige Unebenheiten unter der Schiebelukgarage und dichte anschliessen alles mit Sikaflex wieder ein. Geheimtipp des Urlaubs: Noch nicht ausgehärtetes Sikaflex lässt sich hervorragend mit Babyfeuchttüchern wieder von Werkzeugen und dem Boot selbst entfernen.

Nach dem Mittagessen montiere ich den Traveller und die Sprayhood wieder. Der Dichtheitstest am nächsten Morgen verläuft erfolgreich. Wir denken, wir haben das Problem gefunden und behoben.

Zeit also für etwas Urlaub zwischen all den Bootsarbeiten: Wir mieten uns zwei Fahrräder und einen Kindersitz und radeln am Meer entlang zum Leuchtturm Punta Secca zum zweiten Frühstück.

Auf dem Rückweg versuchen wir unser Glück beim empfohlenen “Baumarkt”. Und tatsächlich: Er hat einen Flachfräsbohrer. 26 statt der gewünschten 28 mm zwar, aber der Dremel wird das mit den fehlenden 2 mm Lochdurchmesser schon richten…

Provinzbaumarkt auf italienisch: Wirkt komisch, ist aber erfreulich gut sortiert.

Es läuft wie geschmiert und wir haken sogar einige der weniger dringenden Punkte unserer Liste ab: Das Auffüllen der am Vorabend geleerten Gasflasche und die Installation eines roten Farbfilters für die Lampe über dem Navitisch etwa. Ausserdem tüten wir das Vorsegel ein.

Dann wird es unterhaltsam: Eine Motoryacht macht neben uns auf Platz D-06 fest. Wir versuchen wirklich alles, dem Marinero zu erklären, dass wir morgen auf genau diesen Platz verholen werden und dann die Heimreise antreten. Mir ist nicht klar, ob er uns nicht versteht oder ob er uns schlicht nicht verstehen will. Wie auch immer, er macht keine Anstalten und meint wir sollten das doch alles mit dem Büro klären. Na dann. Mir wird das zu bunt. Ich mache mich auf in ebendieses Büro und kurze Zeit später verholt sich die Motoryacht auf D-04. Seither verhalten sich unsere neuen Nachbarn aber irgendwie komisch 🤷🏻‍♂️.

Am nächsten Morgen schlagen wir das Grosssegel ab und legen ab um den Fäkalientank zu entleeren und den Dieseltank nochmals rand voll zu füllen. Irgendwie bin ich erleichtert, als wir anschließend endlich an “unserem” Platz D-06 anlegen. Jetzt kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen.

Ich finde sogar die Zeit die wasserdichte USB Ladebuchse an der Steuersäule zu installieren. Doof nur, dass dabei die 10 A Flachsicherung die Grätsche macht. Naja, die bringe ich dann beim nächsten Besuch aus Deutschland mit. Prinzipiell lädt das Navigations-iPad jetzt also am Steuerstand, wie ich mit einer an anderer Stelle geliehenen Sicherung kurz testen kann. Jetzt können wir die Powerbank, die wir uns in Messina angeschafft hatten für den Notfall vorhalten.

Nach einem letzten Abstecher zum Strand (diesmal als komplette Familie) wollen wir den Abend mit erneuter Pizza zum Mitnehmen ausklingen lassen. Doch daraus wird nichts: Der Pizzaofen streikt und wir müssen auf unsere Vorbestellung verzichten. Da die Italiener erst spät zu abend essen (in einem Restaurant wird uns gesagt man würde das Dinner erst ab 21 Uhr servieren) halten wir uns mit einem ausgedehnten Aperitif über Wasser. Als wir zum Boot zurück kommen sind wir motiviert noch Bimini und Sprayhood abzuschlagen, aber es ist bereits zu feucht. Das machen wir also auch am morgigen letzten Tag. So war das eigentlich nicht geplant…

Tags darauf arbeiten wir weiter unsere Checkliste ab. Ganz schön viel Aufwand für drei Wochen Urlaub. Gut 3 Stunden bevor uns das Taxi zum Flughafen bringen soll sind wir fertig. Mittagessen! Anschliessend darf Annika nochmals im Cockpit planschen, bevor wir zum etwa 1.5 Stunden entfernten Flughafen in Catania aufbrechen. Durch die nun wieder verschärften Corona-Bestimmungen dürfen dort nur Reisende ins Terminalgebäude. So weit so gut. Leider sind daher aber die grossen Eingänge zum Flughafen geschlossen und die Bordkarten werden an einem klitzekleinen Seiteneingang des Gebäudes überprüft. Der Andrang ist entsprechend gross. Im Flughafen das selbe Spiel: Durch zusätzliche Checks kommt es immer wieder zu Warteschlangen und das mit der Maskenpflicht und dem Abstandhalten wird hier irgendwie nicht so eng gesehen. Wenigstens sollten hier alle über einen negativen Test verfügen oder geimpft sein. Wir hoffen sehr, dass Annika sich hier nicht noch was einfängt.

Mit etwa einer halben Stunde Verspätung heben wir ab in Richtung Krankenhaus (Tatjana), Homeoffice (ich) bzw. Kita (Annika) und kommen nach einer weiteren Taxifahrt erschöpft zu hause an. Ich hoffe, Corona erlaubt uns einen weiteren Besuch beim Boot in Italien im Herbst…

Etappe 2021-9: Marina di Ragusa – Licata 37.2 sm – Die Königsetappe(n) zum Schluss

Als letzten Hafen vor unserer Rückkehr ins Winterlager nach Ragusa entscheiden wir uns für Licata. Auch dieser ist gut geschützt weshalb hier ebenfalls viele Segler ihre Boote im Wasser überwintern.

Die Windvorhersage verheisst leichte Winde von vorn. Das kennen wir ja schon. Skurrilerweise ist die Vorhersage für unsere Rückreise nach Ragusa zwei Tage später identisch, nur eben um 180 Grad gedreht. Während der Wind heute aus NW kommen soll, sind für übermorgen südöstliche Winde vorhergesagt.

Äolus, der griechische Gott der Winde will uns scheinbar zum Ende des Urlaubs noch einmal zeigen, wer hier der Chef im Ring ist.

Unser Tag beginnt entsprechend mit Flaute und etwa 1 m Schwell aus Richtung Tunesien. Später wird es aber doch ganz unterhaltsam: Wir backen unterwegs frisches Brot, bestaunen Schwärme von fliegenden Fischen, die vor unserem Bug in alle Richtungen flüchten und entdecken schliesslich sogar einen blinden Passagier an Bord:

Eine Grille hat sich wohl in Ragusa an Bord geschlichen und fährt nun gemütlich unter unserem Bimini in Richtung Licata mit.

Später kommt tatsächlich etwas mehr Wind auf und wir motorsegeln unter Genua im Gela Basin an zwei Offshore Plattformen vorbei. Hoch am Wind zwar, aber was soll’s, immerhin können wir nochmal ein bisschen Segeln.

Immer wieder hören wir unterwegs Funksprüche die an Sea Watch 3 adressiert sind. Das private deutsche Rettungsboot ist gerade in der Gegend um Lampedusa im Einsatz und führt regelmässig in Diskussionen mit den italienischen Behörden.

Bevor wir in den Hafen von Licata einfahren, melden wir uns per Funk. Unser Funkspruch wird umgehend beantwortet. Auf italienisch zwar, aber immerhin. Zwar brettert das Dinghy mit den Marineros das uns abholen soll, in der Hafeneinfahrt zunächst an uns vorbei, aber die beiden Insassen winken uns freundlich zu. Sie weisen uns nach Ihrer Rückkehr den Weg zum Liegeplatz und helfen beim Festmachen.

Für die Marina von Licata sollten wir bereits vor unserer Ankunft zahlreiche Covid-Formulare ausfüllen. So muss der „Kapitän“ unter anderem bestätigen, dass an Bord bei allen täglich die Körpertemperatur gemessen wird (und die tagesaktuellen Messwerte übermitteln). Auch die vor Ort folgende Anmeldeprozedur ist kompliziert: Ich muss für unseren zweitägigen Aufenthalt einen vierseitigen Vertrag unterschreiben und erneut mehrere COVID-spezifische Formulare ausfüllen. Hier nimmt man es genau. Uns soll‘s Recht sein. Reisen zu Covid Zeiten scheint einfach irgendwie anstrengender zu werden. Immerhin, das Hafen-Wlan funktioniert hier ausgesprochen gut: Selbst unter Deck können wir Bilder verschicken bzw. in den Blog hochladen.

Nach einem Abstecher zum direkt hinter der Marina gelegenen Supermarkt, lassen wir den Abend am Heckkorbgrill ausklingen.

Am nächsten Morgen erklimmen wir gerade noch vor der Mittagshitze den Hausberg und besuchen das Castell Sant‘ Angelo. Überraschenderweise ist der Eintritt kostenlos und wir haben von hier oben einen guter Überblick über den Hafen und die nähere Umgebung.

Nach der Siesta statte ich dem Shipchandler einen Besuch ab und will mit einem bereits im letzten Jahr mitgebrachten 28 mm Flachfräsbohrer aus einer Holzlatte eine Führungsschablone basteln um für eine USB Ladebuchse in der Steuersäule ein entsprechendes Loch zu bohren. Eigentlich! Denn gerade, als die Holzleiste gebohrt ist, verabschiedet sich der Bohrer ins Hafenbecken. Er hatte sich offenbar während des Bohrens durch die auftretenden Vibrationen aus dem Bohrfutter des Akkuschraubers gelöst. Mist! Tatjanas trockener Kommentar: Wir lernen daraus: Nicht mehr über dem Wasser bohren! (Ich hatte das absichtlich so gemacht, um die Holzspähne elegant zu entsorgen).

Tja! Nun geht Licata als der Hafen in die Geschichte ein, in dem ich meinen Bohrer im Hafenbecken versenkt habe. Tauchen kommt bei 4m Tiefe und trübem Wasser nicht in Frage. Vermutlich würden wir den Bohrer im Schlick ohnehin nicht mehr finden. Eine Magnetangel ist nicht an Bord. Das Projekt wird also verschoben…

Etappe 2021-8: Pozzallo – Marina di Ragusa 18.2 sm

Auch unser nächster Urlaubstag startet windarm. Wir versuchen zwar mit Genua etwas zu motorsegeln, brechen aber bald wieder ab: Es hat zu wenig Wind!

Ursprünglich hatten wir geplant, heute von Pozzallo nach Scoglitti weiter zu fahren. Da die Tankstelle in Pozzallo aber genauso wenig vertrauensvoll wirkt, wie unser vom letzten Jahr übriggebliebener Diesel im Reservekanister und wir inzwischen wirklich wieder einmal tanken sollten, planen wir um und statten bereits heute unserem Winterlager in Marina di Ragusa (wo der Hafen hoffentlich über eine stark frequentierte Tanke verfügt) einen Besuch ab. Da wir den Liegeplatz dort ohnehin schon ab heute bezahlen, schonen wir so ganz nebenbei sogar noch unsere Urlaubskasse.

Nach dem obligatorischen Rührei zum Brunch und einer Badepause am frühen Nachmittag legen wir an der Tanke an. Wieder einmal staune ich: Der Verbrauch unseres Dieselmotors, den wir üblicherweise mit gemächlichen 1500 Umdrehungen betreiben (was uns dann mit etwa 5 Knoten vorwärts schiebt), liegt bei nur 0.8-0.9 Litern pro Stunde. Meine Schätzung ging von 1.5 l aus.

Kurze Zeit später machen wir dann erstmals an dem Liegeplatz fest, an dem unser Boot den kommenden Herbst und Winter verbringen soll. Tatjana und Annika statten dem stark bevölkerten örtlichen Strand einen Besuch ab, während ich mich einigen kleineren Bootsarbeiten widme.

Den Abend lassen wir in einem Restaurant an der ebenfalls sehr vollen Strandpromenade ausklingen. Es herrscht ein derartiger Menschenauflauf, dass die Take Away Pizzeria am Platz am Wochenende nur bereits vorbestellte Pizzen backt.

Etappe 2021-7: Marzamemi – Pozzallo 23 sm – Überwiegend Flaute, ein Anruf von Port Control und endlich solargekühltes Bier

Da Annika eine unruhige Nacht hatte, sind die Eltern morgens ziemlich zerknautscht und wir legen später als eigentlich geplant in Marzamemi ab.

Vorhersagenentsprechend erleben wir zunächst den windärmsten Tag unseres diesjährigen Urlaubs. Den wenigen Wind den es gibt, haben wir natürlich direkt auf der Nase. Wir passieren unter Motor Capo Passero und durchfahren ein Schiessübungsgebiet der italienischen Marine.

Als kurz danach der Wind wenigstens etwas zunimmt, entrollen wir die Genua und schalten den Motor aus. Wir wollen testen, wie gut unsere Solarzellen funktionieren und welche Verbraucher wir damit betreiben können. Bereits kurze Zeit später zeigt sich, dass wir noch zu viel Strom verbrauchen und wir schalten einige der weniger wichtigen Verbraucher aus. Der auf maximaler Stufe laufende Kühlschrank zieht kräftig. Wenn wir jedoch auf Autopilot und Radio verzichten, reicht es gerade so. Vielleicht sollten wir den Kühlschrank künftig einige Stufen niedriger drehen 😳

Als wir das Segel wieder einrollen, haben wir gerade ein Pipeline Gebiet verlassen, in dem das Ankern (und Trawlerfischen) selbstverständlich verboten ist. Hier möchte Tatjana rund 3 Seemeilen vor dem Hafen im Meer schwimmen. Wir lassen uns treiben. Kurze Zeit später empfangen wir auf Kanal 16 jedoch einen Funkspruch an “das Segelboot vor dem Hafen von Pozzallo”. Ich bin mir unsicher, ob wirklich wir gemeint sind und reagiere erst beim zweiten mal. Pozzallo Port Control teilt uns mit, dass wir an unserem aktuellen Ort nicht bleiben könnten. Ich erkläre, dass wir das Feld räumen und ohnehin demnächst in den Hafen einfahren werden.

Als wir uns dem Hafen nähern, sehen wir, dass ein anderer Segler fast unmittelbar vor der Hafeneinfahrt ankert. Vermutlich galt der Funkspruch eher ihm. Ups! Wir hatten uns schon gewundert, dass unser Gesprächspartner unsere Position nicht abgeglichen hatte. Auch über unser ausgesendetes AIS Signal hätte man uns zweifelfrei identifizieren können. Naja, es scheint kein größeres Problem zu sein, denn das andere Boot steht auch am nächsten Morgen noch an Ort und Stelle.

Unser Liegeplatz für die Nacht liegt an einem privaten Schwimmsteg im Hafen der echten Industriecharme versprüht. Natürlich wird auch hier wieder nicht auf Funk oder Telefonanrufe reagiert und wir gestikulieren uns mit Hilfe anderer „Stegbewohner“ zum Ziel. Umso überraschter bin ich, als zur Bezahlung zwei Mitzwanziger auftauchen, die einen Mundschutz tragen. Auch werden wir hier tatsächlich das erste Mal seit Reisebeginn nach unserem Covid Impfstatus gefragt.

Am selben Steg liegt eine recht heruntergekommene 64 Fuss Segelyacht neueren Baujahrs. Ein Blick auf den Heckspiegel lässt mich schmunzeln: Aus Steuergründen fahren viele Italiener unter ausländischer Flagge. Noch nie allerdings, sind wir einem Boot aus DIESEM Heimathafen begegnet 😂

Wir erkunden den Strand. Da wir hier nur eine Nacht bleiben, verzichten wir auf einen Spaziergang in den Ort.

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