Etappe 2023 – 5: Albarella – Chioggia 14 sm

Nach wir am Samstag Abend in Albarella ankamen und das Boot am Sonntag abfahrbereit gemacht haben geht es am Montag auch schon los. Zum Eingewöhnen steht heute nur eine kurze Etappe an: Wir wollen um die Ecke nach Chioggia, unserem ersten Ziel IN der Lagune von Venedig. Die erstem anderthalb Stunden motoren wir in Richtung Nord: wiedermal Flaute!

Ab der Osttonne vor Porto Fossone können wir tatsächlich bei leichten Winden aus Nord segeln. Zunächst nehmen wir die Genua zur Hilfe, später setzen wir auch das Grosssegel. Wir sind zwar langsam, aber wir kommen voran. Eindeutig ein Vorteil kurzer Schläge 😉.

Das Setzen des Grosssegels ist eine Qual: Mit Müh und Not bekommen wir es bis zum ersten Reff gesetzt: Ich muss dringend die Mastrutscher schmieren…

Wir schleichen nach Norden und legen im Porto San Felice an, wo wir trotz Mittagspause sehr freundlich von einem Marinero empfangen werden.

Während Annika im Cockpit in Ihrer Reisebadewanne planscht macht sich Tatajana auf den Weg zum Shipchandler um eine neue Gasflasche zu kaufen. Den Abend verbringen wir in einer kleinen Trattoria am Fischereihafen von Sotomarina: Der Urlaub kann losgehen…

Am nächsten Tag erkunden wir vormittags zu Fuss die nahe Altstadt von Chioggia bevor wir nach einer Mittagspause am Boot einen Abstecher zum Strand machen.

Aus den ursprünglich geplanten drei Nächten in Chioggia werden durch das Wetter auf nur zwei. Schon morgen wollen wir weiter nach Venedig bevor für die folgenden Tage Gewitter und entsprechender Wind angesagt sind.

Zug fahren in Italien – Jedes mal ein Abenteuer…

Mit der Sanierung unseres Eigenheims geht es gut voran (geplanter Einzugstermin ist der 25. August) und wir nehmen uns eine dreiwöchige Auszeit. Wie beim letzten Mal reisen wir mit dem Zug zum Boot. Und wie beim letzten Mal hetzen wir beim Umsteigen schwer bepackt von einem Bahnsteig zum anderen um unseren Anschluss zu erreichen. Bis zu unserer letzten Umsteigeaktion in Padua klappt alles wir am Schnürchen. Hier geraten wir schwer bepackt an der Zugtür stehend mit einer älteren Dame aneinander: Sie hat es ebenfalls eilig, sieht aber partout nicht ein, dass es prima wäre wenn Tatjana mir beim Aussteigen mit unserem Gepäck hilft. Wir werden wild beschimpft! Willkommen in (Nord-)Italien! 

Nach der letzten Etappe der Anreise von Rovigo nach Albarella mit dem Taxi erreichen wir das Boot dieses Mal sogar bei Tageslicht 😉. Und sehen so gleich, dass an Backboard zwei Fender hochgedrückt wurden und im Relingsnetz hängen. Bei näherer Betrachtung finden wir Gelcoatmacken in diesem Bereich. Hier ist wohl jemand rein gedonnert (und hat sich danach nicht mal die Mühe gemacht, unsere Fender zu richten)… 🤌

Nach einem Abendessen im Hafen und einer verschwitzten erste Nacht geht es los: Bimini, Sprayhood und Solarzellen werden montiert. Die Segel hatten wir während unserer sechswöchigen Abwesenheit nicht abgeschlagen.

Während Tatjana und Annika zum Supermarkt aufbrechen ersetze ich den Wasserhahn in unserer Pantry. Dieser hatte uns in der letzten Zeit wieder vermehrt durch eine Undichtigkeit geärgert.

Nach einem leckeren Mittagessen geht es zum Baden ein letztes Mal zum Strand bevor es uns am darauffolgenden Tages weiter nach Norden zieht: Endspurt!

Etappe 2023 – 4: Marina di Ravenna – Albarella 48.2 sm – Finale gegenan…

Aufgrund der Etappenlänge legen wir bereits um zwanzig nach sechs morgens ab. Motorsegeln und Motoren wechseln sich anschließend auf unserem Weg nach Norden ab. Von den befürchteten Baumstämmen und anderem Treibgut, das auf dem Weg nach Ravenna noch für einige Anspannung an Bord gesorgt hatte, ist glücklicherweise auch beim Passieren der Po-Mündung nichts zu sehen. Der anfänglich recht unangenehme Seegang geht im Tagesverlauf zurück und wir erreichen nach etwa 10 Stunden die in der Region Venezien liegende Ferieninsel Albarella.

Nach dem längsseits Anlegen am Besuchersteg melden wir uns im Hafenbüro an und regeln unseren rund sechswöchigen Aufenthalt bevor wir im Sommerurlaub von hier aus zum Endspurt in Richtung Triest aufbrechen wollen.

Wir erkunden zunächst zu Fuss, am nächsten Tag mit den in der Gebühr für den Liegeplatz enthaltenen Leihfahrrädern die Insel. Authentizität sucht man hier vergeblich: Albarella ist durch und durch Feriendorf. Sieht man sich um, scheint es fest in deutscher (genauer bayrischer) Hand. Gefühlt kommt jedes zweite Auto hier aus dem Freistaat und man hört an jeder Ecke die heimische Sprache.

An unserem ersten Hafentag herrscht bereits deutlich mehr Wind. Gut, dass wir schon hier sind. Der Wind hilft jedoch die Angriffe der Moskitos abzuwehren, die es aufgrund des stehenden Wassers hier zu Hauf gibt. Natürlich stehen einige kleinere Bootsarbeiten auf dem Plan: Ich ersetze mit Annikas tatkräftiger Unterstützung die Leinen unserer Lazybags, die im letzten Winterlager fast durchgescheuert wurden.

Am zweiten Tag befestige ich das Steuergerät und den Kompass für den neuen Autopiloten. Jetzt fehlt tatsächlich nur noch die Verkabelung. An Tag 3 waschen wir nach einer morgendlichen Radtour über die Insel die erste Wäsche. Anschliessend messe ich die Längen der benötigten Seatalk Spurkabel aus und verlege das Strom- und Backbone Kabel vom Steuergerät zum Display an der Steuersäule. Tatjana wird währenddessen beim Baden mit Annika im seichten Wasser von einem Petermännchen gestochen 😩.

Unser Hafentag 4 fällt auf den italienischen Nationalfeiertag. Im Hafen und der gesamten Ferienanlage ist deutlich mehr los als die vorherigen Tage. Wir fahren kurz mit dem Boot raus um unseren Tank zu leeren und während ich Bimini, die Solarzellen und die Sprayhood abschlage machen Annika und Tatjana erneut einen Ausflug zum zum Burgen bauen am sehr kinderfreundlichen (weil flachen) Sandstrand.

Am letzten Hafentag vor unserer Rückreise zieht ein Gewitter auf und ich komme beim Anreichen der ein oder anderen Heckleine am Steg zum Schluss, dass mein Einhand-/Hafentraining auf Sizilien sich durchaus gelohnt hat 😏.

Etappe 2023 – 3: Rimini – Marina di Ravenna 32.4 sm – Fender: -1!

Da wir auch auf unserer Etappe von Rimini nach Ravenna mehr als 30 Meilen vor uns haben, brechen wir früh auf. Die (für den Fingersteg) auf Höhe der Wasserlinie angebrachten Fender tanzen auf der Wasseroberfläche.  In der Hafenausfahrt verabschiedet sich einer davon. Bis wir gewendet haben, ist er für eine sichere Bergung leider schon zu nah an die Mole vertrieben.

Der Wind weht stärker als vorhergesagt. Wir können am Wind zum ersten Wegpunkt segeln. Dann müssen wir in den Wind und motoren durch Unmengen an Treibholz. Teilweise kommen uns in der konfusen See ganze Bäume entgegen. So abwegig war es also nicht, in Ravenna anzurufen um zu fragen, ob vor Ort alles ok ist. Leider war die Dame im Hafenbüro von unserer Frage völlig überfordert (weil vermutlich noch nie auf einem Boot). Wir fahren zwischen den riesigen Wellenbrechern hindurch und biegen in die Marina ab. Am Funkgerät erreichen wir niemanden. Nach mehreren Versuchen am Telefon geht endlich jemand dran: die Marineros kommen. Uns wir ein Platz längsseits am Fingersteg zugewiesen und erklärt, dass das Funkgerät leider grade ein Problem hätte… 

Es geht skurril weiter: Das Büro für die Anmeldung hat bis 18 Uhr geöffnet, wir sollen unbedingt vor 17:30 dort sein. Wir wiederholen: 17:30. Aller spätestens, besser 17:00 😂

Als wir um 17:00 vor dem Büro ankommen ist dieses verschlossen. Auf einem Schild an der gläsernen Tür wird darauf hingewiesen, dass sich jeweils immer nur eine Person im Büro aufhalten darf. Die Dame im Büro wirkt mit der Angestellten sehr vertraut, man hält ein Schwätzchen, während sich vor der Tür eine Schlange bildet. Gegen 17:30 darf Tatjana endlich eintreten und nach einer länglichen Anmeldeprozedur ist es geschafft. Die schwammigen Zeitangaben der Ormeggiatore machen nun Sinn. Wir zahlen zunächst für 2 Nächte und wollen das Wetter beobachten bevor wir weiter nach Norden fahren.

Eine etwaige Verlängerung müssten wir mit den Marineros vereinbaren, denn das Büro ist ab Sonn- und Montagen geschlossen (wohl bemerkt gilt das nicht nur für das bevorstehende Pfingstwochenende)…

Am Pfingstsonntag machen wir einen Spaziergang zur Autotankstelle und fahren anschließend zum Sightseeing mit dem Bus nach Ravenna. Trotz Kreuzfahrtschiff im Hafen wirkt der Ort am Pfingstsonntag fast wie ausgestorben. Wir besuchen spontan eine Ausstellung für Mosaike und machen uns nach dem Mittagessen auf den Rückweg.

Wir entschliessen uns aufgrund des Wetters nur 2 Nächte hier zu bleiben und anschliessend weiter nach Norden zu fahren. Somit haben wir vor unserer Rückreise zwar fast einen Aufenthalt von einer Woche in unserem Zielhafen aber während der fast 50 Seemeilen langen Etappe weniger Wind auf der Nase.

Nach dem unser Entschluss feststeht versuchen wir den Transponder für den Zugang zum Hafen zurück zu geben (und unsere 20 € Kaution wieder zu bekommen). Das erweist sich als schwierig. Die Dame im Hafenbüro hatte erklärt die Ormeggiatore würden auf Nachfrage jederzeit vorbei kommen um den Schlüssel entgegen zu nehmen und unsere Kaution auszuzahlen. Leider will der Marinero nichts davon wissen. Er hätte auch grade gar keine Zeit, Tatjana solle in einer halben Stunde vorbeikommen. Nachdem die Bordfrau also einmal ums Hafenbecken gelaufen ist und im Dunkeln vor dem Büro wartet ruft sie erneut an: Leider immer noch keine Zeit, man braucht noch 15 min. Da Tatjana nicht noch länger warten will und Annika ins Bett soll, insistiert sie und bestellt den Hafenmitarbeiter doch zum Boot. Als er später missmutig auftaucht erklärt er uns, dass es in „seiner“ Marina 1000 Boote gäbe und er sich nun wirklich nicht um alles kümmern könnte (Gastlieger gibt es genau zwei!). Nun denn, wir verabschieden uns und er wünscht gute Weiterreise…

Etappe 2023 – 2: Senigallia – Rimini 38.6 sm

Nach unserem zweitägigen Besuch in der beschaulichen Partnerstadt unserer neuen Heimat führt unsere Route in die Region Emilia-Romagna. Genauer, in die für Ihre ellenlangen Sonnenschirmreihen berühmt berüchtigte Stadt Rimini. Wir motorsegeln bei sehr schwachen Winden aus Nord-Ost entlang von zahlreichen Muschelfarmen und sehen etwas weiter draussen die Gasplattformen.

Unser Plan unterwegs ein Brot zu backen scheitert: Die Gasflasche ist leer. Mit dem Flaschenwechsel möchte ich bis zum Zielhafen warten. Pünktlich zum Anlegemanöver zieht ein Gewitter mit entsprechend kräftigen Windböen auf. War ja klar! Dankenswerterweise weist uns der Marinero einen Platz mit Schwimmsteg in Lee zu. Hier können wir uns erstmal anlehnen, und in aller Ruhe die Leinen ausbringen. Da es statt einer Mooring am Bug Dalben gibt, üben wir auch gleich das für uns ungewohnte Leinenwerfen zum Ausbringen unserer Vorleinen. Was für ein Spass 😉

Abends machen wir uns auf der Suche nach einem netten Restaurant zu Fuss auf den langen Weg zur Strandpromenade. Fehlanzeige: die meisten Restaurants öffnen erst am kommenden Wochenende. Die Lokale, die bereits geöffnet sind, bieten überwiegend Snacks für die Badegäste an. Auf dem Rückweg zum Boot kehren wir schliesslich ein: Burger und eine ziemlich trockene Piadina, naja, immerhin sparen wir uns den Abwasch an Bord.

Am nächsten Tag pilgern wir zu Fuss zum Bahnhof und nehmen von dort einen Bus ins nahe San Marino.

Nach unserer Rückkehr aus dem Kleinstaat erholt sich der Skipper an Bord während die Mädels den Strand unsicher machen bevor wir unseren Heckkorbgrill aus dem Winterschlaf holen und angrillen. Vor dem ins Bett gehen „geniessen“ wir den Soundcheck einer nahen Discothek, die sich offenbar auf den Saisonstart am Pfingstwochenende vorbereitet. Wie gut, dass wir weiter ziehen…

An Hafentag 3 erkunden wir die Altstadt von Rimini und fragen im Hafenbüro nach, ob man das nordöstlich von Rimini gelegene Sperrgebiet durchfahren darf (Man darf! Das spart uns auf unserer nächsten Etappe nach Ravenna etwa 15 Seemeilen). Während die Damen den Nachmittag erneut am Strand verbringen bin ich mit Bootsarbeiten beschäftigt. Das iPad hat das WLAN Passwort für unseren AIS Transponder „vergessen“. Da es nur auf der Transponderrückseite steht muss dieser also einmal aus und anschliessend (nach Fototermin und Logbucheintrag) wieder eingebaut werden.

Etappe 2023 – 1: Ancona – Senigallia 16.2 sm

Nachdem sich das ungewöhnliche Wetter der letzten Wochen verzogen hat, führt uns unsere erste Etappe des Jahres in die Partnerstadt unseres baldigen Wohnortes (wir ziehen im September von Basel (Schweiz) zurück nach Lörrach in Deutschland) nach Senigallia. Wetter wieder „normal“ bedeutet für uns hier aber leider auch: Wind und Welle aus Nord-West, also von vorn. Nach dem Auschecken in Ancona motoren wir also in Richtung Norden.

Wir passieren eine Offshore Plattform und stampfen vorwärts. Achtern höre ich unterwegs immer wieder ein seltsames Klopfen. Im Hafen will ich diesem Geräusch unbedingt auf den Grund gehen. Ich hoffe dass sich der Linearantrieb nicht von der neu laminierten Plattform gelöst hat und jetzt im Heck herum klappert. Ansonsten verläuft unsere Fahrt ziemlich ereignislos. Wir weichen den zahlreichen, jeweils in Hafennähe ausgebrachten Fischerfähnchen aus und sind froh, dass die Hafeneinfahrt von Senigallia trotz der unmittelbaren Nähe zum Fluss Misa nicht von den Überschwemmungen der letzten Wochen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Hafen ist zwar flach, aber ausreichend tief für uns und unser Zuhause.

Wir erkunden die sehenswerte Altstadt und schlendern an den adriatypischen Bagnis entlang zurück zum Boot. Nach einer Portion Pasta sinken wir in die Kojen: Das Bootsleben hat uns wieder.

Am nächsten Tag geht unsere Entdeckungstour weiter: Es scheint, als sei das Örtchen von der Flut die in der Region wohl gewütet hat nur mäßig betroffen. In der Altstadt erkennen wir keinerlei Anzeichen einer kürzlichen Überschwemmung. Lediglich an einigen Stränden nördlich des Flusses türmt sich noch Treibholz, das gerade entfernt wird.

Mal wieder ein Abenteuer: Anreise zum Boot

Donnerstag:

Der Plan war ja eigentlich zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten eine Auszeit von der in den Endzügen liegenden Sanierung unseres neuen Eigenheims zu nehmen und uns auf dem Boot etwas zu erholen.

Doch wieder einmal kam alles anders: Nachdem es in den letzten Wochen in Italien ungewöhnlich trocken war und ich schon Sorge hatte, die ohnehin geringe Wassertiefe in einigen Häfen auf unserer Route in Richtung Norden könnte zu gering ausfallen, hat das Wetter in den letzten Tagen und Wochen völlig verrückt gespielt und an vielen Orten an der italienischen Adria kam es zu Überflutungen. Jedenfalls wurde unsere Zugverbindung zwischen Mailand und Ancona, die teilweise direkt an der Küste entlang führt gestern Nacht abgesagt. Kurz vor unserer Abreise haben wir daher heute morgen Plätze in einem Flixbus von Bologna nach Ancona gebucht. Jetzt müssen wir unterwegs nur noch einen Transfer von Mailand nach Bologna organisieren… zuviel Abenteuer für meinen Geschmack, und das bereits zu Beginn des Urlaubs.

Zu Beginn der Reise klappt alles noch wie am Schnürchen. Auf die Schweizer Bahn ist Verlass und wir erreichen unseren ersten Umsteigebahnhof in Lugano wie geplant. Von dort aus geht es in überfüllten und verspäteten Zügen weiter nach Mailand. Mit dem Bummelzug tuckern wir anschließend weiter nach Bologna wo wir von unterwegs über das Smartphone ein Hotel für die Nacht gebucht haben.

Immerhin steht Abends leckere Pasta und Pizza im “Il Veliero” (Das Segelboot, wie passend) einer nahen Pizzeria auf dem Speiseplan. 

Freitag:

Am nächsten Morgen lassen wir unser Gepäck im Hotel und kaufen vor unserem Streifzug durch die historische Altstadt zunächst einen Regenschirm. Es schüttet! Wir schlendern unter den Arkaden von Cafe zu Cafe und sitzen trotzdem über 2 Stunden vor der geplanten Abfahrt unseres Busses am Busbahnhof. Immerhin kommt Annika nach Schokocroissant und Minidonut tagsüber zu ihrem erste Eis des Urlaubs. Und natürlich: Unser Bus hat über eine Stunde Verspätung: Statt einer späten aber humanen Ankunftszeit um viertel nach neun sollen wir nun erst gegen halb elf an unserem Ziel in Ancona ankommen 😩.

Doch es wird noch später: Kaum aus Bologna raus, stehen wir in einem 20 km langen Stau und kommen so erst gegen halb 3 Nachts in Ancona an. Ein einzelnes Taxi bedient die Fahrgäste. Doch wir haben Glück und sind um kurz vor 3 tatsächlich am Boot und sinken in die Kojen…

Einbau des neuen Autopiloten Teil II

Zugegeben: Lange war es ruhig hier. Die Sanierung unseres neuen Eigenheims in das wir im September umziehen wollen, hat unsere Freizeit in letzter Zeit quasi komplett für sich beansprucht. Nun aber geht es weiter: Ich sitze in einem Hotel südlich von Mailand und will morgen früh weiter zum Boot nach Ancona fahren um am Autopilot weiter zu werkeln. Zunächst möchte ich das Podest einlaminieren und anschliessend sehen, wie weit ich mit der restlichen Installation komme. Auch das Anschlagen der Segel und das Verproviantieren mit Konserven steht auf dem Programm, denn in ungefähr 6 Wochen soll es mit Familie weiter in Richtung Norden gehen.

Nach einigem Stau auf dem Weg bis zum Zwischenstopp läuft es auf der zweiten Hälfte der Anreise trotz erneuter Starkwindwarnung auf der Autobahn wie am Schnürchen und ich komme nach einem Boxenstopp beim Bau- und Supermarkt endlich am Boot an.

An Steuerbord begrüßt mich am Unterwasserschiff zwar ein langer grüner Bart, aber sonst sieht eigentlich alles ganz vernünftig aus.

Kaum habe ich mein Gepäck verstaut und eine Kleinigkeit zu Mittag gegessen, zieht ein Gewitter auf und vom vormals sonnigen Frühjahrswetter ist nicht mehr viel übrig. Unter Deck nähe ich einen aus dem Lazybag ausgerissenen Reissverschluss neu ein und erhole mich ansonsten von den Strapazen der Anreise. Morgen soll es mit den Hohlkehlen am Podest für den Autopiloten richtig losgehen.

An Tag zwei bin ich ziemlich froh, dass die Dieselheizung tadellos anspringt, denn im Boot hat es als ich aus der Koje klettere nur 5 Grad. Ich widme mich wie geplant den Hohlkehlen auf der Unterseite der Holzkonstruktion die später den Autopilot tragen soll.

Ausserdem entschliesse ich mich am laut Vorhersage windärmsten Tag meines Aufenthalts an Bord die Segel anzuschlagen. Mittlerweile bin ich geübt und beide Segel sind inkl. Reffleinen, Segellatten und Lazybag nach etwa 2 Stunden montiert. Während der Wartezeit bis das Harz trocken ist, schmettert Britney mir vom Steg gegenüber “Whoops I did it again” entgegen und ich verpflege mich mit den Nudeln des Vorabends.

An den Folgetagen laminiere ich zur Verstärkung Glasfasergewebe auf die Holzkonstruktion und klebe diese waagerecht und zum an der Ruderwelle befindlichen “Tillerarm” entsprechend ausgerichtet ins Heck von Zanzibar. Ausserdem statte ich der Werft einen Besuch ab, die über den Winter unsere Rettungsinsel und den Außenbordmotor, an dessen Instandsetzung ich im Sommer verzweifelt war, gewartet hatte.

Immerhin den “mechanischen Teil” der Installation des neuen Autopiloten kann ich abschliessen. Im Rahmen der diesjährigen Familienurlaube will ich mich dann um die zugehörige Verkabelung kümmern…

Bootsarbeiten – Einbau des neuen Autopiloten

Nach etlichen Wochen im Büro und auf der Baustelle (wir sanieren seit dem Frühjahr ein fast 100 Jahre altes Reiheneckhaus) geht es endlich wieder in Richtung Süden aufs Boot. Nicht zum Segeln zwar, ich freue mich aber trotzdem sehr darauf eine Woche das Marinafeeling zu geniessen und auf dem Boot übernachten zu können. Diesmal bin ich alleine. Ich will mich ganz auf die anstehenden Bootsarbeiten konzentrieren. Die letzte Telefonkonferenz am Freitag Nachmittag habe ich kurzerhand bereits auf den Rastplatz am Südportal des Gotthardtunnes verlegt, bevor es im Regen über überfüllte italienische Autobahnen zunächst nach Piacenza geht. Südlich von Mailand steige ich hier in einem simplen Motel ab und will nach einigen Stunden Schlaf morgen ausgeruht weiter nach Ancona fahren.

Auf der Bootsarbeitsliste ganz oben steht für diesen Besuch der Einbau des neuen Autopiloten. Zumindest das für den Linearantrieb nötige Holzpodest will ich zusammenschreinern und auch die übrigen mechanischen Komponenten so weit wie möglich installieren. Der Elektroteil folgt dann später.

Unterwegs mache ich einen kurzen Abstecher nach Maranello: Ich wollte immer schon mal sehen, iwo die roten Flitzer gebaut werden 😄

Nach meiner ersten Starkwind Warnung auf der Autobahn erreiche ich am Samstag Nachmittag die Marina. Auch ohne gemeinsame Sprache mit den Angestellten klappt alles prima, ich werde erwartet. Die Schranke öffnet und als ich kurze Zeit später auf das doch arg schmutzige Boot klettere habe ich sowohl Zugang zum Steg als auch Strom und Wasser: Läuft!

Das Boot ist trocken, und die meisten Arbeiten der Werft wurden zu meiner Zufriedenheit ausgeführt. Nach einem Teller Pasta samt Feierabendbier sinke ich in die Koje.

In dem folgenden Tagen hänge ich den Großteil des Tages im schwerzugänglichen Heck Zanzibars um den Linearantrieb für den Autopiloten auf einem eigens gebauten Holzpodest rechtwinklig und waagerecht auszurichten. Das dauert (natürlich wieder einmal) deutlich länger als gedacht und ich muss mich bereits zur Wochenmitte damit abfinden, dass ich die Arbeiten in diesem “Urlaub” nicht abschließen können werde. Da muss ich wohl im Frühjahr nochmal wieder kommen…

Immerhin, während das Epoxidharz für das Holzpodest des Autopiloten trocknet, markiere ich endlich unsere Ankerkette. Die Gelegenheit dazu ist günstig, wer weiss, wann wir das nächste Mal längsseits an einem Steg liegen 😉

Ausserdem tanke ich aus dem Kanister mit einem neu angeschafften Schüttelschlauch: Was für ein geniales Gadget! Kein Vergleich zum Balancieren des schweren Dieselkanisters auf der Badeplattform.

Während das Epoxidharz trocknet bezahle ich den Liegeplatz und die Werftarbeiten und mache regelmäßig Ausflüge zum gut sortierten Baumarkt in der Nähe.

Etappe 2022 – 17: Porto San Giorgio – Ancona 35.5 sm

Die letzte Etappe unseres diesjährigen Sommerurlaubs ist mit rund 35 Meilen wieder etwas länger. Entsprechend legen wir bereits gegen 7 Uhr morgens bei böigem Seitenwind an. Erneut motorsegeln wir zwischen piepsenden Bohrplattformen und Fischfarmen hindurch. Der für 14 Uhr angekündigte kräftige Wind, der der Skipperin eine schlaflose Nacht bereitet hatte kommt nicht. Nur beim Anlegen an der Stirnseite eines Fingerstegs briest es kurz auf. Der Marinero, der etliche Runden im Hafenbecken auf sich warten lässt überzeugt nicht wirklich mit seinen Kommentaren zu meinem Anlegemanöver vom Steg, aber dann sind wir fest.

Ich hoffe, dass dieser unmittelbar in der Boxengasse liegende Liegeplatz nicht unser Winterplatz ist und wir spätestens Mitte Oktober nach dem wieder Einwassern einen geschützteren Liegeplatz bekommen, an dem nicht Hinz und Kunz auf dem Weg zur Hafeneinfahrt vorbeibrettern. Eine Hoffnung, die sich leider nicht erfüllt. Das soll tatsächlich unser Winterplatz sein. Auch sonst ist man hier nicht wirklich auf Winterlager eingestellt. Das hatte ich mir doch etwas anders vorgestellt.

Wir schlagen inzwischen routiniert die Segel ab, waschen mangels Automatenwaschmachine von Hand unsere Wäsche und erreichen einen Tag nach unserer Ankunft endlich jemanden bei der Werft, die über den Winter neues Antifouling anbringen, die Anoden wechseln und einen Motorservice durchführen soll. Ausserdem wollen wir hier unsere Rettungsinsel zum ersten Mal warten lassen.

Abends wundern wir uns, wie überlaufen die tagsüber noch ausgestorben wirkenden Restaurants im Hafen sind. Hier kochen wir wohl eher an Bord. Auch gut! Die Reste müssen ohnehin weg. Nach und nach räumen wir das Boot auf und finden sogar Zeit die Edelstahlteile an Deck zu polieren, die in den 6 Wochen in Brindisi an der Wetterseite ziemlichen Flugrost angesetzt hatten. Da es hier in Gehdistanz leider keinen Badestrand gibt, darf Annika am Spätnachmittag jeweils in ihrer Babybadewanne im Cockpit planschen während die Eltern alles zusammen packen.

Am Freitag morgen heben wir unser Gepäck auf den Steg und legen ab um in einiger Entfernung vom Hafen den Fäkalientank zu entleeren. Während wir gerade die Hafeneinfahrt wieder passieren, klingelt mein Handy: Die Mannschaft am Kran steht bereits 40 min vor dem vereinbarten Termin bereit und wartet auf uns. Wir legen also nicht mehr am Liegeplatz an sondern fahren direkt weiter zum Kran. Ich bin froh, dass es heute kaum Wind gibt als wir in das Kranbecken einbiegen. Das Auskranen und Abkärchern läuft problemlos und schon steht unser schwimmendes Zuhause auf dem Hafengelände an Land.

Hier soll Das Boot nun bis Mitte Oktober stehen bevor es von der Werft wieder an Ihren Liegeplatz im Wasser verholt werden soll. Ich will Ende Oktober erneut zum Boot um mit dem Einbau des neuen Autopiloten zu beginnen. Ein bisschen beunruhigt bin ich, dass wir bisher keinen Vertrag für den Liegeplatz im Winter haben. Den möchte die Marina dann im Oktober aufsetzen. Italien!

Wir fahren mit dem Bus in die Stadt und beziehen unser direkt am Bahnhof liegendes Hotel. Von hier aus geht es am nächsten Tag zurück nach Hause. Bahn fahren (zumal mit Kleinkind und viel Gepäck) ist, wie wir dabei feststellen auch ein grosses Abenteuer 😉

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