Etappe 2020-13: Vibo Valentia – Marina di Palmi (32 sm)

Nach einem letzten Spaziergang zur Tanke legen wir um kurz nach acht zu unserer Etappe nach Marina di Palmi ab. Wir haben dort für zwei Nächte einen Liegeplatz gebucht und sollen sogar noch vor dem Hafen von einem Schlauchboot empfangen werden.

Natürlich herscht zunächst bis auf unseren Fahrtwind wieder völlige Flaute. SOG 5.5, Wind 5.4, direkt von vorn. Kein Wunder also, dass wir gerade so viel Diesel brauchen. Und die Windvorhersage verheisst nichts Gutes.

Kurz vor dem Capo Cozzo (hihi) haben wir ein Tretboot mit Rutsche querab. Nah unter Land zwar, aber trotzdem eine skurrile Begegnung.

Vorbei am Kap, unserem Winterlagerort Tropea und dem Capo Vaticano gehts es parallel zu einer Küstenstrasse mit (laut Seekarte) lustigem Namen weiter dem südlichsten Festlandziel des Jahres entgegen.

Später können wir am Horizont erst den Stromboli und beim Einbiegen in den Golfo di Gioia Sizilien und die Einfahrt zur Straße von Messina erkennen. Das fühlt sich schon ein bisschen wie ein weiteres grosses Etappenziel an: Wir sind am Ende des Tyrrhenischen Meers angelangt und haben etwa den halben Weg um den Stiefel “abgesegelt” (bzw. motort ;-)).

Ob wir im nächsten Jahr durch die Straße von Messina hindurch (mein ursprünglicher Plan) oder doch einmal um Sizilien herum (Tatjanas Wunsch) segeln, steht noch nicht fest. Vielleicht machen wir beides, segeln im Uhrzeigersinn um Sizilien und durchfahren die Strasse von Messina zwei mal. Aber das liegt noch in weiter Ferne und die Planung für diesen Teil der Reise wird wohl meine Winterbeschäftigung.

Rund 8.5 Meilen vor unserem Etappenziel in Palmi können wir bei 5 Knoten Wind fast direkt von hinten wenigstens noch ein wenig mit Genua motorsegeln und werden durch das ausgerollte Segel phänomenale 0.3 Knoten schneller. 

In Marina die Palmi liegen wir in einem sehr kleinen Hafen am Steg des örtlichen Yachtclubs. Auch hier werden wir gebeten umzuparken, allerdings geht das hier gemütlich mit Leinenarbeit und ohne Motor vonstatten. Neben uns legt kurze Zeit später das erste andere deutsche Boot an, dem wir seit langem begegnen, eine Familie aus München.

Als Annika schon schläft und die Eltern den Abend bei Schokolade auf dem Vorschiff ausklingen lassen, kommt nochmals ein Yachtclubmitglied vorbei und überreicht uns eine kalte Flasche Prosecco als Willkommensgeschenk 🥂.

Da der Ort in Palmi ein gutes Stück vom Yachtclub entfernt liegt, widme ich mich am Hafentag dem Einbau eines neuen Wasserfilters und dem Umbau des klappbaren Laufstalls für Annika (auch wenn ich nicht so wirklich überzeugt bin, dass sich unsere Tochter ohne Protest in den weniger als ein Quadratmeter grossen Käfig bugsieren lässt). Der Rest der Crew verbringt den bisher heissesten Tag mit Planschen am Strand.

Etappe 2020-12: Cetraro – Vibo Valentia (51 sm)

Erneut legen wir bereits um 5:50 und somit kurz vor Sonnenaufgang ab. Zur Ausfahrt aus dem Hafen, folgen wir dem GPS Track unserer Ankunft und wundern uns über einen vor der Hafeneinfahrt ankernden Segler, der ausser dem weissen Ankerlicht auch ein blinkendes rotes Rundumlicht zeigt, das durchaus mit dem roten Molenfeuer verwechselt werden könnte. Und das bei solch einer Hafeneinfahrt. Manche Dinge gibt es nur in Italien.

Als Highlight des erneut ziemlich windstillen Morgens weichen wir gegen viertel nach acht einem grossen Dreimaster aus. Was wir zunächst für ein Kreuzfahrtschiff halten, entpuppt sich später als Amerigo Vespucci, dem italienische Pendant zur Gorch Fock. Einmal mehr bin ich dabei froh über unseren AIS Transponder und kann CPA und TCPA genau im Auge behalten.

Kurze Zeit später begegnen wir einem kleinen Fischerboot, das Probleme hat, sein Fischerfähnchen wieder zu finden (wir versperren ihm die Sicht darauf), schlussendlich aber Erfolg bei seiner Suche hat.

Gegen 10 Uhr kreuzt Amerigo Vespucci erneut unseren Kurs und geht diesmal begleitet von einer Armada an kleinen Booten hinter uns durch. Doch auch das Segelschulschiff motort mangels Wind seinem Zielhafen Taranto am Absatz des Stiefels entgegen.

Kurz vor dem Golfo di Santa Eufemia können wir dann wenigstens die Genua etwas zur Hilfe nehmen und werden prompt einen knappen Knoten schneller. Segeln scheint auch in diesem Sommer im Mittelmeer eher schwierig. Auch sonst ist unser Törn dieses Jahr mit der fünfmonatigen Elternzeit im Vorjahr kaum zu vergleichen: Wir machen aufgrund der nur begrenzten Zeit (immerhin 6 Wochen) pro Etappe zwar deutlich mehr Strecke, bleiben aber weniger lang an den angelaufenen Orten und sehen so kaum etwas vom Hinterland. Da wir derzeit aufgrund von Corona keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen möchten und grössere Menschenansammlungen bestmöglich meiden, wäre das aber wohl auch mit mehr Zeit gerade eher schwierig. Dieses Mal „müssen“ wir aber auch Strecke machen, da wir am 28. August einen Krantermin fürs nächste Winterlager bei einer Werft in Tropea haben.

Schliesslich können wir dann doch noch segeln: Im Golfo di Santa Eufemia setzen wir bei mässigem Westwind nach gut drei Wochen erstmals auch das Grosssegel und segeln unter Vollzeug (und ohne Motor) rund zwei Stunden unserem Etappenziel mit zeitweise rund 7 Knoten Fahrt entgegen. Aber ich muss wirklich dringend die Reffleinen ersetzen 🤪.

Unter Segeln beobachte ich in einiger Entfernung einige jagende Thun- oder Schwertfische bevor wir in den Hafen einfahren. Unser Funkanruf wird innerhalb kürzester Zeit auf Englisch beantwortet und nur einen Augenblick später wird uns von einem Dinghy unser Liegeplatz gezeigt. Was für eine wohltuende Abwechslung.

Etappe 2020-11: Sapri – Cetraro (40.8 sm)

Die letzte geplante “Festlandetappe” soll uns heute von Sapri ins knapp 40 sm entfernte Cetraro nach Kalabrien bringen. Von dort aus wollen wir den Sprung hinüber zum Stromboli und den Liparischen Inseln wagen. Zunächst herscht wieder Flaute. Vorhergesagt sind leichte Winde aus südlichen Richtungen, also von vorn.

Wir motoren los und haben auf Höhe der Isola di Dino die zweite Delfinbegegnung des Jahres. Eine grössere Schule der Tiere umspielt unseren Bug und sorgt bei der Crew für Begeisterung. Diesmal bleiben die Delfine auch lange genug für ein standesgemässes Foto.

Später passieren wir das Örtchen mit dem wohlklingenden Namen Diamante. Das im Meer reflektierte Sonnenlicht glitzert tatsächlich sehr schön, ich bin mir aber nicht sicher, ob der Ursprung des Ortsnamens tatsächlich darin begründet liegt. Leider gibt es hier (noch) keine Marina und wir lassen den Ort links liegen und fahren weiter ums Capo Bonifatio in Richtung Cetraro.

Unterwegs waschen wir heute zum ersten Mal Wäsche durch hinterher ziehen. Wir hängen die Bezüge der im Winterlager geschimmelten Kopfkissen achteraus und werden dadurch prompt um etwa einen halben Knoten langsamer.

Leider schläft der Wind komplett ein, als wir ums Capo Bonifatio abbiegen. Stattdessen vernehmen wir Donnergrollen von den umliegenden Bergen und steuern auf die stark versandete Hafeneinfahrt zu. Stark versandet meint hier tatsächlich: Stark versandet! Vom roten Molenfeuer ragt eine sichtbare Sandbank ins Fahrwasser, die auch gut als Badestrand durchgehen könnte. Ein- und ausfahrende Boot müssen sich extrem auf der Seite des grünen Molenfeuers halten. 

Unsere Funkanfragen vor der kniffligen Hafeneinfahrt werden nicht beantwortet. Ebenso Anrufe. Auch auf einen Radiocheck Anfrage wird nicht reagiert. Erst als wir die kritische Stelle bereits vorsichtig passiert haben und die Ormeggiatore sehen können, die am für uns vorgesehenen Lieheplatz warten, funkt man zurück „No English!“.

Der Hafen selbst ist eher trostlos und etwas heruntergekommen. Mangels Alternativen ist er trotzdem ein von vielen Booten angelaufener Transithafen auf dem Weg nach Süden oder Norden. Laut Hafenhandbuch überwintern hier auch einige Boote im Wasser. Ich weiss jedoch nicht, ob das bei diesem Anblick an unserem Steg eine gute Idee ist.

Unser Plan von hier aus weiter zu den Liparischen Inseln zum Stromboli zu fahren, wird über den Haufen geworfen: Aufgrund des „Ferragosto“ einer italienischen Ferienwoche rund um Mariä Himmelfahrt, sind alle Bojen am Stromboli über Tage ausgebucht und wir wollen als „Ankeranfänger“ nach einer 55 Meilen Etappe ungern auf felsigem Grund ankern. 

Die nächsten Inseln sind für einen langen Tagesschlag von Cetraro aus zu weit entfernt. Auch in unserem 50 Seemeilen entfernten Winterlager in Tropea (Festland) von wo aus wir zu den Liparischen Inseln gelangen könnten, hat man in dieser Woche keinen Platz mehr für uns. Wir ergattern schliesslich einen Platz im ebenfalls 50 Seemeilen südlich gelegenen Vibo Valentia an einem Schwimmsteg. 

Unser neuer Plan sieht nun entweder einen langen Schlag von Vibo Valentia nach Panarea (einer anderen Liparischen Insel) vor um dort dann auf Sand zu ankern oder aber am Festland entlang weiter nach Süden zu fahren um dann nach einem Abstecher nach Sizilien die Liparischen Inseln von Süden her aufzurollen.

Panarea wird auch von einer Sunsail Flotille angefahren, die zweimal im Jahr im Norden Siziliens startet. Wir wollen uns daher beim hoffentlich trotz vieler Boote entspannten Inselhopping auf den Liparischen Inseln an der im Internet einsehbaren Flotillen-Route orientieren.

Etappe 2020-10: Agropoli – Sapri (55.5 sm): “Schon wieder ein Ablegemanöver das Grauens“

“5:50 Agropoli abgelegt” lautet heute der erste Logbucheintrag. Aufgrund der Etappenlänge, haben wir den Wecker gestellt und brechen noch in der Morgendämmerung auf in Richtung Sapri.

Mangels Wind motoren wir die ersten Stunden entlang der für Mittelmeerverhältnisse üppig betonnten Küste und wundern uns stellenweise über eine Art Algenteppich, den wir schon auf dem Weg nach Agropoli bemerkt hatten. Es scheint sich um eine Art Salzwasser-Wasserlinse zu handeln.

Kurz vor Acciaroli können wir in ca 6 Knoten Wind dann die Genua zur Hilfe nehmen um etwas schneller voranzukommen. Das Kommando “Motor aus” ist aufgrund der für den Nachmittag angesagten Gewitter und der Etappenlänge aber erst mal noch keine Option. 

Der Wind schläft nach einer zwischenzeitlichen Zunahme auf ca 12 Knoten ohnehin bald ein und ich freunde mich mit dem Gedanken an einen weiteren längeren Motorabschnitt an.

Wir kommen unter Motor zügig vorran und haben bei der Rundung des Capo Palinuro  um die Mittagszeit nach rund 6 Stunden bereits 34 Seemeilen zurück gelegt. Ein echter Tag zum Meilen fressen also…

Gegen Ende der Etappe können wir im Golf von Policastro tatsächlich nochmal fast 2 Stunden motorsegeln.

Leider müssen wir anschliessend auch in Sapri zweimal anlegen, wobei, das Anlegen hier gar nicht das Problem war:

In Sapri gibt es einen Pontile Communale (Stadthafen) und einen privaten Schwimmsteg im selben Hafenbecken. Der private Anbieter bietet seine Plätze bei Navily an und gibt dort VHF Kanal 12 als Kontaktmöglichkeit an. Auf Kanal 12 landet man aber beim Pontile Communale, wo wir nach kurzem Funkkontakt auch überaus freundlich empfangen und am Steg vertäut wurden.

Da man hier aber nichts von einer Reservierung zu weiss, werden wir skeptisch und entdecken gegenüber, vor einem Schwimmsteg die Markise der “Marina Porto di Sapri”. Uns schwant, dass wir dort reserviert haben.

Wir spazieren nach dem Anlegerbier also hin und fragen uns durch: Tatsächlich! Hier hat man eine Reservierung für Zanzibar. Der Stegbesitzer macht uns recht schnell klar, dass wir an seinen Steg umparken sollten, wenn wir nicht doppelt bezahlen wollen (sein gutes Recht, wir haben bei ihm reserviert). 

Wir fragen, ob uns wegen des auffrischenden Windes jemanden beim Anlegen helfen könnte. Natürlich, gar kein Problem.

Zu unserer Überraschung kommt ein hilfsbereiter Stegmitarbeiter sogar mit zu unserem Boot statt auf dem Schwimmsteg auf uns zu warten. Wie nett.

Als wir am Boot ankommen, geht die Tür nicht auf, das Schloss im Steckschot klemmt. Na Prima! Egal, unser Motor lässt sich starten ohne ins Boot zu müssen. Ich habe allerdings nicht bedacht, dass Tatjana nun Annika auf dem Arm hat und so nicht wie üblich beim Ablegen helfen kann. Kein Problem! Ich habe ja noch jemanden zum Helfen. Also Motor an und klar zum Ablegen bei Seitenwind. Ich entferne die Lee Heckleine und gehe nach vorn zur Lee-Muring. Ein Fehler! Während ich auf dem Vorschiff hantiere entfernt unser Helfer ungefragt unsere Luv Heckleine und wir treiben (noch an der Luv-Muuring hängend) aufs Nachbar Boot. Also schnell zurück ins Cockpit, aber es ist zu spät. Die Luvmuuring zieht uns vom Steg weg und unser Kiel verfängt sich in der Nachbar Muring. Unser Helfer hat inzwischen sein Handy am Ohr und palavert mit einem Anrufer.

Beim anschliessenden amateurhaften Abdrücken vom Nachbarboot geht unser Flaggenstock zu Bruch und unsere Halterung für den Rettungsring wird verbogen. Immerhin keine schlimmeren Verluste. Als wir an der Nachbar-Muring vorbei sind begehe ich Fehler Nr. 2: Ich überlasse unserem Helfer das Steuerrad. Offenbar Motorboote gewöhnt, kurbelt er wie wild von Anschlag zu Anschlag, gibt Rückwärts Vollgas ohne das Steuer fest zu halten und beweist erneut keine große Kompetenz. Meine aufrichtige Entschuldigung geht an dieser Stelle an unser Ruderlager und die Steuerseile. Als ich das Boot wieder steuere (Frau und Kind sind inzwischen völlig fertig) erklärt uns unser Helfer, dass Schäden am Boot doch kein Problem seien, solange es unserer Tochter gut gehe. Eine im Kern zweifellos richtige, aber dennoch etwas befremdliche Einstellung. 

Er fragt noch, ob er am neuen Liegeplatz anlegen solle. Ich verzichte und übernehme das lieber selbst. Was für ein Finale nach unserer bisherigen Königsetappe in Kampanien…

Ich versuche auch aus der Situation etwas zu lernen und nehme mir vor ab sofort bestimmter aufzutreten: Wenn ich an Bord bin, fasst kein Fremder das Steuer an und ICH sage, wann und wie abgelegt bzw. welche Leine gelöst wird. Eigentlich hatte ich das bisher als selbstverständlich vorausgesetzt…

Am nächsten Tag erkunden wir wie immer den Ort. Immerhin wird Sapri im Hafenhandbuch als “Sommerfrische” beschrieben. Leider finden wir die Küstenpromenade jedoch eher trostlos und sind froh, dass wir für den nächsten Tag einen Platz im rund 40 Meilen weiter südlich gelegenen Cetraro (Kalabrien) reservieren können.

Immerhin können wir trotz Sonntag in einem kleinen Supermarkt einige frische Lebensmittel aufstocken bevor wir nachmittags mit der Webseite für unsere COVID19 Selbstdeklaration zur Einreise nach Kalabrien kämpfen.

Etappe 2020-9: Arechi – Agropoli (22.3 sm): “Ablegemanöver des Grauens Teil 1“

In der Ruhe vor dem nächsten Gewitter-“Sturm” brachen wir nach einem Tankstopp in Arechi auf nach Agropoli. Dort wollen wir (in hoffentlich schönerer Umgebung) zwei Tage verbringen, bevor wir weiter nach Süden ziehen. Wir liegen gegen Urlaubsmitte gut in der Zeit, um es, wie ich insgeheim hoffe, vielleicht für einen kurzen Zwischenstopp noch nach Sizilien zu schaffen, bevor wir das Boot zurück zum Festland nach Tropea bringen, wo es den Winter über auf uns und die Fortsetzung unserer Reise warten soll.

Gegen Mitte der Etappe haben wir nach anfänglicher Flaute 15-20 Knoten Wind von hinten und können unter Genua unserem Ziel entgegenrauschen.

Selbst das Anlegen bei Seitenwind in Agropoli funktioniert zunächst problemlos. Wir erhalten vom freundlichen Mitarbeiter am Pontoon aber lediglich eine Mooring und er wollte nachdem unsere Luv-Heckleine festgemacht war, die Lee-Leine partout nicht haben. Erst nach einigen (langen) Sekunden verstanden wir, dass wir ihn beim Mittagessen gestört hatten und er in einer halben Stunde wieder kommen würde.

Als wir uns nach anderthalb Stunden bereits selbst mit Leinen und Strom versorgt hatten, kam der Stegbetreiber zurück und meinte (bei mittlerweile wohl >25 Knoten Wind), wenn wir bereit seien, sollten wir jetzt ablegen und zeigte auf einen gefühlt viel zu engen Liegeplatz auf der anderen Seite seines Schwimmstegs 😳😲. Während wir noch etwas verdattert das Ablegemanöver besprechen, wirft er plötzlich unsere auf Slip gelegte Luv-Heckleine von der Klampe los und wir drohten auf den Katamaran neben uns zu rutschen. Nachdem der Schreck verdaut war, ging die erste Ansteuerung am neuen Liegeplatz prompt daneben und wir trieben auf die Boote am Nachbarsteg 🤯.

Der zweite Versuch klappte besser und wir kamen schweißgebadet aber unbeschadet am Liegeplatz an. Was für eine Action nach dem Anlegebier…

Immerhin ist der auf einem Hügel gelegene Ort sehr nett und wir können in einem örtlichen Supermarkt noch am Nachmittag einige Vorräte aufstocken.

Am nächsten Vormittag haben wir uns das Örtchen etwas genauer angesehen und eine neue Reffleine gekauft. Leider nur eine. Ich wollte ungern 2 unterschiedliche Reffs mit Leinen derselben Farbcodierung ausstatten und es gab im entsprechenden Durchmesser leider nur eine Farbe. Ausserdem haben wir den nächsten Liegeplatz reserviert. Das war gar nicht so einfach. In Camerota gab es, vermutlich wegen des anstehenden Wochenendes keinen Liegeplatz für uns und in Acciaroli geht den ganzen Tag über niemand ans Telefon. Wir planen deshalb den bisher längsten Schlag und wollen direkt gut 50 Seemeilen weiter ans Südende Kampaniens nach Sapri.

Etappe 2020-8: Capri – Arechi (30.1 sm)

Durch die angekündigten Gewitter herscht heute auch an Bord Spannung: Kommen wir davon oder erwischt es uns? Auch das Meer ist laut italienischem Wetterdienst “agitato” also aufgeregt. Vorsorglich haben wir vor dem Ablegen deshalb die Rettungswesten rausgekramt. Gegen Nachmittag kommen sie auch zum Einsatz.

Wind bis 30 Knoten direkt von hinten und rund 1.5 Meter Wellen spülen uns mangels verfügbarem Liegeplatz an der Amalfiküste vorbei in die erste Betonmarina des Jahres (vom Starthafen in Ostia abgesehen) nach Arechi.

Natürlich wurde auch hier auf unsere Funksprüche vor der Hafeneinfahrt nicht reagiert und wir mussten im Schutz der Mole im Vorbecken des Hafens erneut zum Telefon greifen.

Kaum festgemacht kam das angekündigte Gewitter mit ausgewachsenem Wolkenbruch.

Da es um die Marina in Arechi herum zwar ein Fussballstadion, aber keinen wirklichen Ort gibt (und auch das versprochene WLAN wiedermal nicht funktioniert) wollen wir gleich am nächsten Morgen weiter ins 20 Seemeilen entfernte Agropoli. Auch morgen wollen wir früh aufbrechen, denn erneut sind für den Nachmittag Gewitter angesagt.

Etappe 2020-7: Sorrento – Capri (17.3 sm)

Besonders freundlich war der Marinamitarbeiter der Marina Grande in Capri mit dem Tatjana mehrfach telefoniert hatte nicht. Offenbar hatte er keine Lust auf Touristen in kleinen (ausländischen) Booten. Wir buchten trotzdem den bisher teuerste Hafenplatz unserer Reise. Mit 180,- €/Nacht ist es hier mehr als doppelt so teuer wie in Monaco (was nicht wirklich gerechtfertigt ist, wie sich noch zeigte). Aber wir sind vermutlich ja nur einmal in der Gegend und wollen natürlich die touristischen Highlights soweit dieses Jahr möglich auch mitnehmen.

Da der gebuchte Hafenplatz erst ab 15:30 Uhr angelaufen werden darf, legen wir erst gegen Mittag in Sorrent ab und erleben einen schönen Segeltag mit 12-18 Knoten Wind aus südlichen Richtungen. Nachdem wir ein Problem mit der sich mitdrehenden Vorsegelrollanlage provisorisch gelöst haben, kreuzen wir Richtung Capri und legen ingesamt 17.4 Seemeilen zurück.

Vor dem Hafen müssen wir dann in starkem Fährverkehr lange warten, bis auf unsere Funksprüche reagiert wird und wir endlich in die Marina einfahren dürfen. Knapp vor dem wackligen Schwimmsteg wird uns zugerufen, dass wir längsseits anlegen werden. Also alle Fender eine Etage tiefer und im engen Hafen einmal gegen den Radeffekt gedreht.

Strom und Wasser kosten hier extra. Das wussten wir vorher. Allerdings schockiert es mich schon, wenn trotz ausreichendem Guthaben (der auf dem Magnetschlüssel verbliebene Rest wird bei Abreise ausdrücklich nicht zurück bezahlt) morgens um 6 Uhr der Landstrom ausfällt und der Kühlschrank durch die Batteriebank betrieben wird. Es passt aber irgendwie ins Gesamtbild der Marina. Genau wie der Bauscheinwerfer, der Abends unser Cockpit und den Steg hell erleuchtet und das WLAN, das grade “defekt” ist.

Immerhin soll es hier einen Shipchandler geben bei dem ich vermutlich einige Schrauben und neue Reffleinen bekommen sollte.

Da wir die örtliche Seilbahn (Funicolare), die einen vom Hafen in den Hauptort der Insel bringt und doch sehr an einen (geschlossenen) Zug erinnert in Zeiten von Corona nicht nutzen wollen, planen wir für den als bedeckt angekündigten Vormittag unseren Aufstieg zu Fuss.

Das Hafenkino hier ist spektakulär: Frühmorgens kann ich den Captain von Irisha der grössten Motoryacht die in der Marina liegt bestaunen, wie er beim Ablegen mit viel Getöse und zahlreichen Helfern seinen Koloss zwischen den engen Stegen manövriert.

Der auf dem Hügel gelegene Ort ist trotz der vielen Nobelboutiquen sehenswert und entschädigt uns unter anderem mit dem Giardini di Augusto für den Aufstieg zu Fuss.

Der Brüller kommt am Nachmittag, als mir ein Marinero eröffnet, wir müssten bei böigem Wind um 20 Knoten und schlafendem Kind im Vorschiff den Platz wechseln, es käme ein größeres Boot. Wir müssten einen Steg weiter (wir hatten neben dem geplanten Sightseeing unter anderem deshalb extra zwei teure Nächte in Capri gebucht um den angekündigten stärkeren böigen Wind im Hafen abzuwarten und eben nicht unterwegs zu sein bzw. anlegen zu müssen). Es passt aber alles in unser Gesamtbild der Marina Grande di Capri: Überteuert, unfreundlich, überbewertet. Hier kommen wir bestimmt kein zweites Mal vorbei.

Ich habe daher alle Register gezogen und die aufgebrachte Bordfrau und Mutter zum Marinabüro an den Verhandlungstisch geschickt. Alles kein Problem, wir können selbstverständlich bleiben. Die Retourkutsche folgt jedoch prompt, wir werden bei auflandigem Wind zugeparkt. Am Heck nach knapp 1 m der Steg, vorne nun einen knappen Meter vor unserem Anker das GFK Heck des neuen Nachbars. Wir haben daher schon am Vorabend unseres Ablegens beschlossen, auf Hilfe durch ein Dinghy des Hafens beim Ablegemanöver zu bestehen. Ich habe schlicht keine Lust beim Versuch in die Achterspring einzudampfen unser oder das andere Boot zu beschädigen…

Etappe 2020-6: Neapel – Sorrento (15 sm)

Da die heutige Etappe von Neapel nach Sorrent mit knapp 15 Seemeilen recht kurz war, haben wir uns zu Beginn beim vorherschenden leichten Wind aus Süd entschieden auf den Einsatz des Motors komplett zu verzichten und sind mit 3 Knoten und himmlischer Ruhe an Bord unter Genua unserem heutigen Etappenziel am anderen Ende des Golf von Neapel entgegen gesegelt. Das Grosssegel wollen wir erst nach dem Ersatz der schwergängigen Reffleinen nutzen und sind bis dahin mit reduzierter Segelfläche unterwegs. Trotzdem blieben die Fender hängen. Hätte mir das mal einer erzählt bevor ich Papa wurde. Unmöglich: Unter Segeln mit hängenden Fendern. Tststs…

Bei einem SOG von nur noch 1.5 Knoten war die Geduld des Skipper nach etwa einer halben Stunde jedoch erschöpft und der Motor wurde wieder eingekuppelt, was uns zu einer Geschwindigkeit von rund 3.5 Knoten verhalf.

Trotzdem gibt es von unterwegs Erfreuliches zu berichten: Die Mastkletteraktion in Ischia scheint zusammen mit einem kurzen Gewitter gestern Abend tatsächlich Erfolg gehabt zu haben. Jedenfalls funktioniert unsere elektronische Windrichtungsanzeige seit heute morgen wieder.

Gegen Ende der Etappe konnten wir dem Motor erneut eine Pause gönnen und unter Genua wieder etwas segeln

Nach der Besichtigung des malerischen Städtchens Sorrent, wollen wir von dort, falls möglich morgen einen Abstecher zur Insel Capri machen, bevor wir die Amalfiküste erkunden. Anschliessend sollen uns einige längere Etappen weiter nach Süden, nach Kalabrien und den bereits zu Sizilien gehörenden Liparischen Inseln bringen.

In beiden Regionen muss man sich in Zeiten von Corona voranmelden. Ich bin gespannt, ob wir mit den (natürlich) italienischen Formularen zurecht kommen und ob jemand diese dann auch sehen will. Unsere bei der Einreise nach Italien ausgefüllte Selbstdeklaration wollte am Grenzübergang in Como nämlich niemand sehen und auch sonst scheinen die Coronaregeln im Süden Italiens meist eher locker ausgelegt.

Etappe 2020-5: Ischia – Neapel/St. Lucia (21 sm)

Die heutige 21 Seemeilen lange Etappe (inkl. Schlenker im Starthafen um einer einfahrenden Fähre aus dem Weg zu gehen) bot nur kurz nach dem Ablegen etwas Wind.

Als wir in den stark befahrenen Canale di Procida an der namensgebenden Insel vorbei und hinein in die Bucht von Neapel abbogen, schlief der Wind leider wieder vollständig ein und wir motorten der drittgrößten Stadt Italiens und dem Vesuv entgegen.

Dem netten Hafenmeister auf Ischia und Tatjanas besserwerdenden Italienischkenntnissen sei dank, liegen wir hier sehr zentral und bei Barzahlung preiswerter als befürchtet in Porticciolo di Santa Lucia am Fuße des Castel dell’ Ovo.

Speziell: Unser Schwimmsteg hat keinerlei “Landanschluss” sondern kann ausschliesslich mit dem Boot erreicht werden. Ein Taxibootservice des Hafens bringt einen auf Nachfrage per Stegtelefon kostenlos auf die andere Seite der Marina, von wo aus man in die Stadt laufen kann.

Nach einem frühen Abendessen am Ankunftstag erkundeten wir noch am Abend die Promenade. Am nächsten Morgen gingen wir vor der Mittagshitze auf Erkundungstour durch die neapolitanischen Altstadt und stockten auf dem Rückweg zum Boot unsere Vorräte etwas auf.

Etappe 2020-4: Ponza – Ischia (78.7 oder doch eher 45 sm???)

Bereits eine halbe Stunde nach dem erneut sehr frühen Ablegen vom Schwimmsteg in Ponza kam heute etwas Wind auf und wir konnten unter Motor und Genua unserem heutigen Etappenziels Ischia entgegen motorsegeln.

Aufgrund der in der Region aufgerufenen Liegeplatzpreise und der Tatsache, dass wir Annika abends gerne etwas Auslauf gönnen wollen, haben wir uns erneut für einen langen Schlag (~45 sm) direkt in die Region Kampanien entschieden, statt unterwegs, wie ursprünglich eigentlich angedacht auf Ventotene einen (ankernden) Zwischenstopp einzulegen. Da wir mit Zanzibar noch nie über Nacht geankert haben, würde ich beim ersten Mal gerne eine Ankerwache halten wollen, was mit unserem derzeitigen Schlafrhythmus ebenfalls nur schwer zu vereinbaren scheint.

Die Imbissbude, die ich anschliessend olfaktorisch wahrzunehmen glaubte, entpuppte sich kurze Zeit später als noch nicht geputzter Heckkorbgrill vom Vorabend, der nun in Luv des Steuerstandes lag und von dem in der Morgensonne ein leckerer Bratwurstduft herüberwehte…

Ab etwa halber Strecke hatten wir dann jedoch leider erneut derart wenig Wind, dass wir sogar einen Pizzateig für den Abend vorbereiten und Auberginen als Pizzabelag braten konnten. Ausserdem hat die Bordfrau Wäsche gewaschen, bevor wir um die Mittagszeit mit der ersten Delfinbegegnung des Jahres für unser Durchhaltevermögen in der Flaute belohnt wurden. Leider waren Flipper und seine Kumpels nicht in Spiellaune und verschwanden so plötzlich wieder, wie sie gekommen waren.

Am Ende der Etappe wurde es dann aber nochmal spannend: Nicht nur wegen der böigen Fallwinde beim Anlegen in der an den Hügeln gelegenen Marina Cala degli Aragonesi, sondern auch, durch kurz zuvor auftretende GPS Probleme beim Navigieren entlang der mit Untiefen übersäten Küste Ischias.

Immer wieder sprang die angezeigte Bootsposition hin und her und lag teilweile mehrere Seemeilen nordwestlich unserer echten Position. Ich ging zunächst von einem Problem mit dem zur Navigation verwendeten iPad bzw. der Navionics-App aus, habe aber nach unserer Ankunft festgestellt, dass auch unser AIS Track die beobachteten Unregelmäßigkeiten zeigt (das AIS wird über einen eigenen/unabhängigen GPS Empfänger gespeist). Mir hat dieses Erlebnis jedenfalls eindrucksvoll gezeigt, wie schwierig es ist, beim Ausfall dieser heutzutage oft verwendeten elektronischen Helferlein den Überblick zu behalten (auch wenn eine elektronische Seekarte natürlich ohnehin nie alleiniges Navigationsmittel sein sollte).

Auch unser beim motoren viel benutzter Autopilot macht Zicken: Er lässt sich, wenn der Skipper die Hafeneinfahrt am Ende einer Etappe selbst steuern möchte, nicht so ohne weiteres ausschalten und hängt fest. Erst ein von einem schrecklichen knarzenden Geräusch begleitetes hartes Ruderlegen gibt das Steuerrad wieder frei. Diesem Phänomen werde ich wohl zeitnah mit der Werkzeugkiste zu Leibe rücken.

Navionics App auf dem iPad
AIS Track

Die beschriebenen GPS Eskapaden sorgten für eine wahnwitzige (scheinbare) Etappenlänge von über 78 Seemeilen und ebenso abstruse Höchstgeschwindigkeiten.

Zum Abendessen gab es selbstgebackene Pizza, bevor wir müde in die Kojen sanken.

Am Erholungs/Hafentag auf Ischia ging es zunächst in den Mast hoch um den Geber der elektronische Windfahne mit WD40 zu behandeln. Leider wohl nur mit mäßigem Erfolg, aber noch hoffe ich, dass das Wundermittelchen dort oben an die richtigen Stellen kriecht und vielleicht eine starke Windböe mithilft den schwergängigen Geber zu lösen.

Immerhin konnte ich von oben ein eindrucksvolles Bild von Zanzibar schiessen:

Nachmittags haben wir die fussläufig zu erreichende Umgebung erkundet und im Hafenbüro um einen Anruf in der Marina in Neapel gebeten, da unsere Navily Anfrage leider unbeantwortet blieb. Telefonisch wurde uns ein Liegeplatz in der Marina Santa Lucia zugesagt. Ich bin gespannt, ob das wirklich klappt und wir die nächsten beiden Nächte tatsächlich im Herzen Neapels verbringen können.

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