Unbeliebteste Boatjobs ever und letzter Coachingtag

Während ich an Bord auf Richard und auffrischenden Wind für die letzte Trainingseinheit warte, widme ich mich der tropfenden Handpumpe der Bordtoilette. Arbeiten an der Toilette sind nie besonders angenehm, weiss man doch nie so ganz genau, was einen erwartet und welche Gerüche und Residuen einem so begegnen. Diesmal aber ist es halb so wild, und die Toilette ist nach einer halben Stunde Klempnerei wieder dicht.

Wunschgemäß hat der Wind inzwischen aufgefrischt. Es weht mit 12-15 Knoten aus West (steuerbord achtern). Etwas seitlicher könnte der Wind für meinen Geschmack schon sein, aber das Spiel mit dem Wetter ist eben kein Wunschkonzert…

Nachdem Richard eingetroffen ist, bereiten wir alles vor und dampfen zum Ablegen wieder in die 30m Heckleine ein. Das klappt wirklich ganz hervorragend! Wir versuchen auch, uns gegen den vorwärts arbeitenden Motor über die Winsch zurück an den Steg zu kurbeln. Auch das klappt! Gut zu wissen, falls etwas schief geht. Wir legen mit einem vorwärts Gasstoss ab, der das Heck herum drückt und fahren wie gehabt ein paar Runden im Vorhafen. Anschliessend legen wir wieder an. Für meinen Geschmack hat der Wind dabei schon wieder etwas zu sehr nachgelassen, aber von Flaute sind wir immer noch weit entfernt.

Als wir in der Lücke kurz vor dem Steg zum Stehen kommen, gelingt es mir erstmals die Heckleinen von der Badeplattform aus über die Klampen am Steg zu werfen. Was für ein toller Abschluss! Wir belassen es bei einer Trainingsstunde. Auch wenn mich der durchs Rigg heulende Wind noch immer erfürchtig nach oben blicken lässt, weiss ich nun: Es geht! Bei diesen Bedingungen krieg ich das alleine hin. Das nächste Mal soll Richard dann doch bitte bei 35+ Knoten Wind mit Ratschlägen und Tipps zur Seite stehen 😅.

Vermutlich werde ich mir alleine auch weiterhin sehr genau überlegen, ob und bis wieviel Wind ich ablege. Das entspricht aber eben auch meinem Selbstverständnis von Sicherheit und Komfort an Bord. Neben einigen hilfreichen Tipps und Kniffen, habe in den letzten Tagen vor allem gelernt, dass es alleine zwar aufwändig, aber durchaus möglich ist, und dass ich viele Dinge bereits jetzt gar nicht so ganz schlecht mache…

Das Coaching mit Richard hat sich für mich in jedem Fall gelohnt und ich kann mir gut vorstellen ihn vielleicht erneut für ein Training mit der Familiencrew an Bord zu holen.

Einhandtraining! Ein bezahlter Beobachter und Tippgeber an Board…

Nachdem eine fiese Magen/Darminfektion die Familie kurzzeitig ausser Gefecht gesetzt hatte und es fraglich war, ob Tatjana Annika tatsächlich eine Woche lang alleine betreuen können würde, bin ich froh, dass ich nun mit 1.5 Tagen Verspätung doch noch auf Sizilien angekommen bin und wie geplant zum Coaching zum Thema Einhandsegeln antreten kann.

Nachdem ich erst Abends in Catania gelandet und mich anschliessend mit dem Mietwagen auf den Weg zum Boot gemacht habe, falle ich ins Bett.

Gleich am nächsten Morgen hole ich das Paket mit dem bereits wartenden neuen Autopiloten im Marinabüro ab und weihe die Mitarbeiterin in unsere Pläne ein: Wir werden also mehrfach an- und ablegen und brauchen wirklich keine Hilfe (so hoffe ich 😉).

Anschliessend treffe ich mich auf einen Kaffee mit Richard von Well Sailing, um den weiteren Ablauf durchzugehen. Gegen 11 Uhr geht es los und wir legen bei Kaiserwetter (und fast völliger Flaute) ab: Macht nichts! Ich erläutere jeweils kurz, was ich als nächstes zu tun gedenke und Richard gibt Tipps wo er es für angebracht, sicherer oder einfach praktischer hält zunächst etwas noch einmal zu überdenken.

Nach dem Ablegen wechseln wir am Steuer kurz ab, damit auch er für den Notfall mit dem Manövrierverhalten von Zanzibar vertraut ist. Anschliessend bin ich wieder dran und der Coach verschränkt die Arme oder vergräbt die Hände in den Hosentaschen. Das ist durchaus so gewollt, schliesslich will ich „Einhand-“ Segeln bzw. an- und ablegen lernen.

Ich bin überrascht, als Richard erklärt, wir sollten vor dem wieder „einparken“ doch erst einige Male üben das Anlegemanöver vor dem Festmachen irgendwo in der Boxengasse abzubrechen. Im Nachhinein gesehen, habe ich dabei aber sehr viel gelernt. Die wichtigste Message: Mehrere Versuche sind ok. Wenn irgendwas, und sei es das Bauchgefühl des Rudergängers nicht stimmt, fahren wir wieder raus, drehen eine Runde und setzen komplett neu an. Der anschliessende Anleger klappt problemlos (nur mit dem Werfen der Heckleinen um die Klampen am Steg habe ich so meine Schwierigkeiten, meist steige ich kurz über). Anlegen bei wenig Wind kann ich also, erst Recht, wenn der Liegeplatz zwischen zwei anderen Booten liegt. Das wusste ich zwar bereits vorher, es tut trotzdem gut, zu hören, was man vielleicht noch besser oder anders machen kann und was man eigentlich schon ziemlich gut kann.

Nach einer kurzen Mittagspause legen wir erneut ab und gehen am Tankpier längsseits. Zum Einen möchte ich gerne tanken, zum Anderen habe ich Richard gebeten, mir beim Eindampfen in die Achterspring doch mal auf die Finger zu schauen. Ich hatte immer das Gefühl, beim Eindampfen in Springs etwas zu zaghaft am Gashebel zu sein. Das klappt nun prima, genau wie das für mehr Wind geeignete Eindampfen in die seewärtige (Luv-) Achterleine. Bei einem der letzten Anleger am Tankpier merken wir beide, dass unsere Konzentration nachlässt: Schön war das nicht mehr, aber es ist nichts kaputt, nur die Fender mussten etwas mehr arbeiten als geplant 😅.

Nach dem Ende der Trainingseinheit verabreden wir uns zu einer weiteren Übungseinheit am nächsten Tag (bei bis zu 30 Knoten vorhergesagtem Wind) und ich breche auf, um beim örtlichen Segelmacher unsere Sprayhood. und die beiden Segel abzuholen.

Während die Segel nur gewaschen, durchgesehen und einige kleinere Reparaturen daran vorgenommen wurden, erhielt Zanzibars Sprayhood neue Folienfenster und neu, auch enstprechende Abdeckungen. Diese sollen die Fenster vor UV-Strahlung, aber auch Annika im Seaswing im Cockpit vor der italienischen Sonne schützen. Hier hatten wir uns bisher immer wenig effektiv mit gespannten Handtüchern beholfen. Jetzt sieht das ganze doch schon viel professionaller aus. Ich bin zufrieden!

Tag 2 startet wie bei Windy vorhergesagt mit bis zu 30 Knoten Wind aus Südost und grauem Himmel. Ein im Vergleich zu gestern völlig anderes Gefühl. Ich bin nervös, aber eigentlich ist es perfekt, ein Hafentraining bei Flaute macht wie ich finde wenig Sinn. Nach ewiger Vorbereitung und Planung (laut Richard besteht Einhandsegeln bzw. die entsprechenden Hafenmanöver zu 80% aus Planung) dampfen wir in die ausgebrachte 30 m lange Luv-Achterleine ein und hangeln uns in unserer Box nach vorn. Immer wieder stoppen wir kurz, nehmen die Leine dicht und beobachten, wie das Boot sich verhält und wie wir dieses Verhalten beeinflussen können. Dann sind wir frei und verhindern mit einer vorher eigens ausgebrachten Hilfsleine, dass die elend lange Heckleine beim anfänglichen Hinterherziehen in die Schraube gerät. Nach dem Einholen der Leine, testen wir im Vorhafen erneut das Manövrierverhalten des Bootes, bevor wir einmal in die Boxengasse antäuschen und anschliessend bei abnehmendem Wind (noch ca. 17 Knoten) wieder anlegen. Zack, schon sind die für heute geplanten 2h um… Ich bin aber auch echt geschafft. Das ist (vor allem mental) anstrengender als gedacht. Wir vereinbaren eine weitere Einheit. Je nach Wind wollen wir kurzfristig entscheiden ob diese morgen (bei 2-7 bft) oder übermorgen (bei 4-6) stattfinden soll.

Ich habe in jedem Fall wieder viel gelernt, auch wenn das Training so ganz anders läuft, als ich das eigentlich erwartet hatte. Ich hatte (wie in meinen bisherigen Manöverkursen mit Crew) eher mit 30 An-/Ablegemanövern pro Übungseinheit gerechnet und weiss bereits jetzt, dass es auch nach diesem Training Situationen geben wird, in denen ich Einhand lieber in der Hafenkneipe bleibe, statt abzulegen. Aber auch das ist eine Erkenntnis und immerhin, der Anfang ist gemacht…

Der GPS Track der intensiven Einheit an Tag 2. Tatsächlich schaffe ich es erst nach fast 2 Tagen auf Sizilien zum ersten Mal (Abends, zu Fuss) den Strand und das Meer aus der Nähe zu sehen 😅

An Tag 3 bin ich hin und her gerissen: Der Wind bläst, soll ich es heute wirklich wagen? Nach dem Duschen telefonieren ich kurz mit Richard. Ich will es heute alleine versuchen und gebe ihm frei. Ich melde mich per Funk bei den Marinamitarbeitern und bitte um ein Dinghy auf Standby zum Ablegen. Verständnisprobleme sorgen beim folgenden allerersten echten Einhand-Ablegen dafür, dass das externe Bugstrahlruder in Form des Dinghies meinen Bug in die Boxengasse bugsiert. Egal! Ich habe bei ca. 4 Beaufort abgelegt und hole die im Wasser treibende Heckleine ein.

Wie zuvor mit Richard drehe ich anschliessend im Vorhafen meine Runden, klariere die Heckleinen und täusche einige Anlegemanöver genau gegen den Wind (an die Mole) und einige male parallel zur eigenen Boxengasse an. Dann funke ich erneut mit der Marina. „Bitte wieder das Dinghy, ich komme zurück!“

Der Wind hat zwischenzeitlich etwas nachgelassen (2-3 bft) und der Marinero beschliesst für mich, dass ich das Dinghy nicht brauche und nimmt mir stattdessen lieber die Heckleinen ab. Ganz anders als eigentlich geplant, aber irgendwie auch sehr realistisch 😉. Ich bin total geflasht: Das hat wirklich gut geklappt, keine neuen Schrammen im eigenen Boot oder den Nachbarbooten, Alles gut!

Leider ist der Einhandtrack unvollständig, Akku leer! Auch das aber irgendwie wieder ein sehr realistisches Szenario 😅

Um die Mittagszeit (ich bastle inzwischen schon wieder am Boot) bin ich froh, dass Richard heute frei hat: Es herscht Flaute! Zum Glück habe ich mich schon heute morgen getraut abzulegen, was würde ich sonst jetzt mit dem fehlenden Wind hadern.

Ich bin nun gespannt, ob der Wind wie angekündigt morgen tatsächlich auf West dreht und wie es mit dem Coaching weitergeht. 2 Stunden würde ich denke ich schon noch gerne machen, jetzt wo der Coach schon mal da ist…

Schon wieder eine Werft zum Kopfschütteln

Wie ich bei Instagram ja fast schon überschwänglich verkündet hatte, wurde Zanzibar von der Werft auf Sizilien inzwischen ausgekrant, um die geplanten Arbeiten in Angriff zu nehmen (Saildrive-Manschetten, Ruderlager, Antifouling und Anoden). Aufgrund des Wetters und eines (wie auch immer gearteten) „Notfalls“ steht Zanzibar nun mit einer verkraftbaren Verspätung von 2 Tagen auf dem Werftgelände an Land. Leider klappte es seither dann doch wieder einmal nicht ganz so reibungslos wie erhofft: Die Werft rief an, um sich zu erkundigen, wo denn die Ruderlager seien, die man tauschen solle?

Ich war verwirrt und erklärte, dass diese doch wohl im Heck des Bootes an der Ruderwelle zu finden sein müssten. Die Werft aber meinte etwas anderes, nämlich wo im Boot ich denn die notwendigen Ersatzteile verstaut hätte, die man einbauen solle. Ich erklärte (immerhin einem passabel englischsprechenden Werftmitarbeiter), dass die Werft die entsprechenden Teile eigentlich hätte beschaffen sollen und das ich davon ausging, dass meine Anzahlung unter anderem dafür verwendet wird.

Nun denn, man wollte sehen, wo man die entsprechenden Teile nun kurzfristig herbekommt und sich dann wieder melden. Tat man natürlich nicht.

Als ich einige Tage später per eMail nachfragte, wurde mir vielsagend mitgeteilt, die Arbeiten seien auf einem guten Weg und man sei zuversichtlich, Zanzibar am 21. Februar wieder einkranen zu können. Ich hoffte sehr, dass das klappt. In weiser Voraussicht hatte zwar zwischen dem Werftaufenthalt und dem geplanten Einhandtraining Ende März einen Zeitpuffer für etwaige Verzögerungen eingeplant, aber so ganz entspannt war ich nun nicht mehr.

Als ich einige Tage später erneut nachfragte, hiess es, man käme gut voran, der zuständige Mechaniker sei nun aber leider krank und niemand sonst könne Saildrive und Ruder wieder einbauen oder das streichen des Antifoulings übernehmen (vorallem der letzte Punkt sorgt auf meiner Seite doch für Falten auf der Stirn). Nächste Woche solle es aber ganz bestimmt klappen…

Glücklicherweise fand der Saildrive dann doch noch den Weg zurück ins Boot und ausser dem Tausch der Saildrivemembran wurde (wie besprochen) auch der angerostete Metallring geschliffen und neu lackiert. Ein Lichtblick, wie schön!

In Bezug auf das Ruderlager teilte man mir mit, man hätte die Teile geprüft, sie seien noch in Ordnung 🤨. Man hätte daher nur die obere Abschlussmutter getauscht (im Bild schwarz). Ein Schelm, wer das Urteil über den Zustand des Ruderlagers mit der Ersatzteilsituation von oben in Verbindung bringt. Nun denn, ich hoffe inzwischen, dass durch den Tausch der Mutter, die Undichtigkeit am oberen Ruderlager der Vergangenheit angehört. Darüber war nach Annikas Badeorgien im Cockpit oder einfach bei Regen oder beim Boot waschen immer etwas Wasser in die Motorbilge gesickert. Vermutlich war dies der Grund für den Rost am Metallring des Saildrives.

Ich hoffe nun also, dass auch das Ruder bald wieder eingebaut wird und die „einfacheren“ Arbeiten „Antifouling“ und „Anoden“ nicht für weitere Verzögerungen sorgen. Der weitere Plan sieht vor, dass ich im März also wie angekündigt alleine mit einem Coach zum Boot fliege um Einhandhafenmanöver zu trainieren.

Der nächste Familienbesuch an Bord soll dann vor Pfingsten folgen. Dann soll es für uns von Südsizilien nach einem eventuellen Abstecher hinüber nach Malta in die Adria gehen. Ich bin mir dabei noch nicht ganz so sicher, ob ich meiner Familie mit der bisher angedachten Route, nicht vielleicht doch etwas viel zumute. Immerhin stehen in nur 2 Wochen rund 430 Seemeilen auf dem Plan. Abbrechen wird unterwegs kaum möglich sein. Wir haben den Rückflug aus Brindisi ebenso wie den Hafenplatz auf dem Zanzibar dann bis Mitte Juli stehen soll nämlich bereits gebucht. Im Zweifel heisst es da wohl „Augen zu und durch“.

Einhand? Aufgeben gilt nicht! Ich hole mir einen Coach an Bord

Mit einigem Abstand zum gefühlten Misserfolg bzw. geplatzten Traum vom Einhandtrip nach Malta bin ich entschlossener denn je. Es gibt sie durchaus: Einhandsegler, also Leute, die machen und können, was ich mir vorstelle: Alleine zu segeln. Zugegeben, gerade im Mittelmeer, sind es nicht furchtbar viele, aber es gibt sie. Mein Plan ist also dafür zu sorgen, meine Fähigkeiten im Bootshandling soweit zu verbessern, dass ich mich das nächste Mal für ein Einhandabenteuer besser gerüstet fühle. Es muss ja trotzdem nicht gleich bei Windstärke 6-7 los gehen.

Ich frage also bei einigen Segelschulen an, ob ich für 1-2 Tage einen Segellehrer oder Coach buchen könnte, der mir an Bord von Zanzibar Tipps speziell zu Einhandhafenmanövern gibt. Da es auf Sizilien und generell in Süditalien keine RYA Trainings Center gibt, kontaktiere ich zunächste die RYA Schulen im nahegelegenen Malta. Ich habe mich ein wenig auf die RYA Trainingscenter eingeschossen, da ich (vor dem Hintergrund der bisher in Italien so beobachteten Hafenmanövern nicht einfach eine x-beliebige Segelschule buchen will, von deren Ausbildungskompetenz ich nicht restlos überzeugt bin). Da ich mit meinen RYA Kursen bisher ausschliesslich gute Erfahrungen gemacht habe, lag dieser erste Ansatz für mich nahe.

Es entsteht auch ein netter Kontakt zu einer RYA Schule auf Malta. Letztlich hat man dort aber nicht die Möglichkeit mir genau das anzubieten, was ich mir vorstelle. Ich suche also weiter und ziehe auch in Betracht, für das geplante Vorhaben einen Coach aus Deutschland bzw. der Schweiz nach Sizilien zum Boot einzufliegen. Eine verrückte Idee! Und ein teures Unterfangen, klar! Wenn man aber die laufenden Kosten, die Zanzibar jährlich so verursacht bedenkt, kann man durchaus auch einmal Geld in die eigenen Souveränität bei Auftritten im Hafenkino investieren. Und: Der Stachel vom gescheiterten Solotrip nach Malta sitzt tief.

Nach einigen eMails, Telefonaten und eingefangenen Absagen, lande ich schliesslich bei Richard Jeske von Well Sailing. Dort hatte ich bereits auf der Ostsee einmal ein Hafenmanövertraining (mit Crew) absolviert. Der damalige Skipper war hochkompetent und hat mir und den anderen Kursteilnehmern (ich glaube wir waren damals insgesamt vier oder fünf Schüler) die grundlegenden Anlegemanöver, auch bei durchaus ordentlich Wind, didaktisch perfekt vermittelt. Auch wenn Richard der hochpreisigste aller angefragten Anbieter war, fühle ich mich hier mit meinem etwas exotischen Plan gut aufgehoben. Nachdem der Papierkram erledigt ist, kommt Richard nun also (sofern Corona es zulässt) in der letzten März Woche zu mir an Bord und wird mir Tipps geben, die mir hoffentlich ermöglichen anschliessend auch alleine souveräne An- und Ablegemanöver zu fahren.

Kontrollbesuch beim Boot – Reisen mit 2G+

Da bei der örtlichen Werft wie bereits erwähnt nur einen Kran-/Arbeitstermin Anfang Februar frei war, mussten wir improvisieren: Das Wohl unserer im Achterschiff verstauten Solarzellen und der Klimaanlage wollten wir nur ungern den Werftmitarbeitern anvertrauen. Diese müssen für die Arbeiten an Saildrive Manschette und Ruderlagern dort ohne Zweifel durch. Da wir ja gewissermassen gebrannte Kinder sind, fliege ich also am 27. November, je nach Zählweise mitten in der vierten bzw. fünften Corona Welle erneut nach Marina di Ragusa. Immerhin entkomme ich so den eisigen Temperaturen zuhause und am Flughafen ist es angenehm ruhig. 

In Sizilien ist es gerade zwar rund 15 Grad wärmer als in der Schweiz, allerdings regnet es und wieder einmal ist Sturm angesagt: Böen über 50 Knoten am Montag! Da kommt es doch gerade recht, dass ich noch einmal die Heckleinen kontrollieren kann. Die Sicherheitskontrolle am Flughafen verläuft aufgrund meines ungewöhnlichen Handgepäcks unterhaltsam. In meinem Rucksack findet sich ein Stück PVC Plane (zum Abdichten von Leckagen), 30 Meter knallgelbe Schwimmleine und jede Menge Schräubchen, Bolzen,  Muttern und andere Kleinteile. Verdächtig! Prompt werde ich zum Sprengstofftest gebeten. Dann aber geht es los. Doppel geimpft und negativ getestet (sowohl auf Sprengstoff als auch auf Covid). 

Den Covid Test hatte ich “freiwillig” gemacht. Je nach Zielland gilt der Abflug-Flughagen in Basel aufgrund seiner speziellen geografischen Lage nämlich als französischer Abflugort. Aus Frankreich kommend und auch für Reisende, die sich in dem letzten 14 Tagen vor der Reise in Deutschland aufgehalten haben, gilt bei der Einreise nach Sizilien 2Gplus. Es ist also unabhängig vom Impfstatus ein negativer Test notwendig. Aus der Schweiz kommend gilt das aktuell noch nicht. Egal! Ich möchte potentiellen Problemen bei der Einreise bestmöglich aus dem Weg gehen. Vorauseilender Gehorsam sozusagen. Ein Test schadet aber ja nicht (auch wenn ich das höchste Infektionsrisiko der letzten Tage vermutlich in der überfüllten Teststation am Vorabend des Fluges hatte).

Nach der Landung geht es diesmal per Mietwagen zum Hafen. Das schien mir bei einem Aufenthalt von nur eineinhalb Tagen günstiger, als die üblichen Transfers. Am Montag Vormittag soll es nämlich bereits wieder zurück gehen. Es steht mir also ein stressiges Wochenende bevor…

So weit, so gut, es scheint alles dicht und trocken, allerdings hat es unter Deck nur 10°C. Brrr….

Sonntag, 28.November 2021

Ich lebe aus dem Rucksack! Ich will am Ende meiner Stippvisite so wenig aufräumen müssen wie möglich.

Gegen halb sieben werde ich von kräftigen Windböen geweckt die unser Vorstag lautstark vibrieren lassen. Nach einem Instantkaffee mache ich mich an die Arbeit. Wie bereits in der Achterkoje möchte ich nun auch im Vorschiff mit Gurtbandbügeln eine Vorrichtung basteln, an der sich die Klimaanlage festzurren lässt. Die Solarzellen will ich statt auf den Matratzen der Achterkoje auf den Matratzen im Vorschiff deponieren. Auch sonst versuche ich die Achterkoje möglichst frei zu räumen. Der Durchgang zum Ruderquadranten (zum Wechsel der Ruderlager) ist eng genug. Glücklicherweise sind unsere Segel ja gerade beim Segelmacher. Stauraum haben wir also reichlich unter den verschiedenen Kojen.

Eigentlich möchte ich ausserdem einen Zusatzschalter am Ankerrelais anschliessen, um die Ankerwinsch bald auch vom Cockpit aus bedienen zu können (das wäre für den Einhandsegler in Spe ja nicht ganz unwichtig). Leider regnet es derart, dass ich mich auf die Vorarbeiten unter Deck (im Trockenen) beschränke. Der Rest muss warten. Nach einem asiatischen Instantnudelgericht zum Mittagessen 🤢 fehlt eigentlich nur noch das Umpacken der Solarzellen bevor ich zurück fliege. Ein wahrer Blitzbesuch. An Bord scheint es keine gröberen Probleme zu geben. Die Schiebelukgarage hält dich. Ebenso die Fenster (wobei wir die Fenster an Steuerbord, die wir bisher nicht mit neuen Dichtungen ausgestattet hatten im Frühjahr wohl in Angriff nehmen sollten).

Ein echter “Junggesellen-Trip” 🤣

Auch in der zweiten Nacht an Bord schlafe ich schlecht. Sollte ich den Wind im Oktober bereits für kräftig gehalten haben, werde ich nun belehrt: Es geht noch mehr! Ausserdem regnet es in Strömen, als ich frühmorgens das Landstromkabel einsammle und die Querleinen am Heck wieder anbringe. Heute Abend soll die Windgeschwindigkeit hier in Böen 58 Knoten erreichen.

Nach einer unspektakulären Autofahrt zum Flughafen warte ich aufs Boarding, bin gespannt wie turbulent der Rückflug wird und bin doch irgendwie froh, den weiteren Winter auf dem heimischen Sofa statt an Bord zu verbringen…

Die Werft ziert sich? Dann macht’s der Eigner eben selbst…

Nachdem die in Marina di Ragusa ansässige Werft immer nur sehr zögerlich auf meine Anfragen reagierte, habe ich das von dort ursprünglich erhaltene Angebot auf „das Nötigste“ zusammengestrichen und mich entschieden, den angedachten neuen Autopiloten im nächsten Jahr selbst einzubauen.

Um den zugehörigen Linearantrieb an der Ruderwelle von Zanzibar zu befestigen, braucht es eine so genannte Hilfpinne. Diese habe ich nach Messungen an Bord von Jefa in Dänemark anfertigen lassen. Sobald die Hilfpinne angebracht ist, möchte ich vor Ort ein Podest für den Antrieb des Autopiloten auf Mass fertigen und ins Heck des Bootes einlaminieren. So habe ich immerhin einen Grund im Frühjahr (bevor wir ungefähr um Pfingsten mit dem Boot weitersegeln wollen) erneut nach Italien zu fliegen um etwas am Boot zu werkeln.

Die Werft soll neben dem vorsorglichen Austausch der beiden Saildrivedichtungen (innen und aussen) einen Ölwechsel am Saildrive vornehmen und ebenfalls vorsorglich auch die beiden Ruderlager tauschen. Beides sind Arbeiten, für die Zanzibar aus dem Wasser gehoben werden muss und beides wären Arbeiten, die ich mir als do-it-yourself Jobs eher nicht zumuten will. Da das Boot also ohnehin gekrant wird, lassen wir im selben Aufwasch neues Antifouling streichen und neue Anoden anbringen. Beides könnte man natürlich leicht selbst übernehmen. Das würde allerdings bedeuten, dass wir wertvolle Urlaubstage auf einem staubigen Werftgelände statt auf See verbringen.

Da die Werft im Frühjahr aber offenbar bereits recht ausgebucht ist, soll Zanzibar nun bereits Anfang Februar gekrant werden. Das hätte ich mir bei einem geplanten Urlaubsstart Ende Mai eigentlich anders gewünscht. Naja, was soll’s. Von unserem Besuch im Oktober wissen wir, dass das Unterwasserschiff nach 2 unbewegten Monaten im Hafen kaum merklich Bewuchs zeigt. Ein Monat mehr, zumal mit dann neuem Antifouling, wird schon gehen. Unsere Solarzellen liegen allerdings recht ungeschützt im Achterschiff und auch die festgezurrte Klimaanlage versperrt den Weg zum Motorraum. Da müssen die Mechaniker zwangsläufig ran. Die Erfahrung lehrt uns, dass Werftmitarbeiter eher wenig zimperlich sind, wenn es darum geht einen einmal erteilten Auftrag (z.B. „Wechsel Saildrive Manschette“) auszuführen. Das Inventar kann dabei durchaus in Mitleidenschaft gezogen werden.

Ich will daher auf Nummer Sicher gehen und fliege deshalb ungeplant Ende November erneut für ein Wochenende zum Boot um die beiden fragilen Komponenten ins Vorschiff und somit weiter weg vom Ort des geplanten Geschehens zu verfrachten.

Anschliessend bleibt mir über den Winter nur zu hoffen, dass die Werft die Arbeiten sorgfältig und wie zugesagt termingerecht in 7-10 Tagen erledigt so dass Zanzibar dann Mitte Februar tatsächlich wieder an ihrem Liegeplatz vertäut auf neue Abenteuer (und eine für Ende März geplante Überraschung) wartet.

Das nächste Tief ist im Anmarsch – das Boot als schwimmende Ferienwohnung

Nach der ersten Enttäuschung darüber nicht abgelegt zu haben, geniesse ich es einige Tage mit meiner am Mittwoch angereisten Familie zu verbringen. Zum ersten mal seit der Geburt unserer Tochter war ich fünf Tage von ihr und meiner Frau getrennt. Ein ungewohntes Gefühl.

Wir verbringen die Tage am Strand und machen Ausflüge mit einem Mietwagen bzw. Leihfahrrädern. Der für Marina di Ragusa namensgebende Ort Ragusa, der etwas im Hinterland liegt, ist durchaus sehenswert. Ebenso, wie die jeweils auf einem Hügel gelegenen Orte Noto und das für seine Keramik- und Töpferkunst bekannte Caltagirone. An Land haben wir hier wirklich so viel gesehen, wie schon lange nicht mehr 😏.

Ragusa
Noto
Caltagirone

Gegen Ende des Urlaubs wird das Wetter dann wieder ungemütlich. Der Luftdruck fällt und prompt stehen wieder bis zu 40 Knoten Wind (diesmal aus SE) im Hafen. Diesmal haben sich gar die örtlichen Fischer aus Ihren sehr exponierten Fischereihäfen in der Nähe an die Mole des deutlich geschützteren Touristenhafen verholt. Erneut keine einladenden Bedingungen für einen Einhandanfänger wie mich. Trotzdem hadere ich noch immer mit mir und trauere dem verpassten Abenteuer etwas nach. Gerade, da ich ab Montag wieder im Büroalltag im Homeoffice feststecke.

Wir schlagen die Segel also wieder ab. Sie werden den Winter über eine Wellnessbehandlung beim örtlichen Segelmacher geniessen. Anschliessend machen wir eine französische Liveaboard Familie glücklich, die am selben Steg liegt und deren Heizung nicht funktioniert. Wie gut, dass wir den bei unserer Heizungsinstallation übriggebliebenen Zusatztank damals nicht entsorgt sondern bei den Ersatzteilen an Bord (seit Rom) mit uns herumgeschippert haben. Nach der Installation unseres Tanks wird im französischen Boot mit dem alten Diesel aus unserem Reservekanister jetzt jeden morgen kräftig geheizt um die Feuchtigkeit aus dem Boot zu bekommen. Wir sparen so gleichzeitig die Entsorgungsgebühr für unseren nicht mehr ganz vertrauenswürdigen Diesel. Zum Heizen taugt er noch 😉

Von den übrigen Liveaboards in der Marina werden wir eher geduldet als akzeptiert. So wirklich gehören wir mit unseren zweiwöchigen Urlaubsbesuchen an Bord ja auch nicht mehr dazu.

Als wir Sonntag Morgen um 6 Uhr dann von einem Fahrer, der uns zum Flughafen bringen soll an der Marina abgeholt werden, weht es wieder kräftig. Wir machen das Boot winterklar, stellen Entfeuchter auf, bringen zusätzliche Leinen aus, schliessen die Seeventile und kappen Strom und Gas. Dann geht es zurück ins Land- und Arbeitsleben.

Einhand nach Malta – Vom Winde verweht: Ich lege nicht ab

Erst kam die Einreisegenehmigung für den ursprünglich für Sonntag geplanten Schlag zur für mich so faszinierenden Insel nicht. Als diese dann für Dienstag endlich eintrudelt und auch der Hafenplatz in der Grand Harbour Marina reserviert ist, habe ich hier in Marina di Ragusa bereits einige Tage als Zuschauer des Hafenkinos hinter mir:

Pro Tag laufen, bei immer noch steifem Wind aus Nord-West nicht mehr als zwei Boote ein. Alle mit Crew (teilweise zusätzlich mit Bugstrahlruder). Fast alle davon haben trotz Dinghyunterstützung durch Hafenmitarbeiter mehr oder weniger grosse Probleme im böigen Wind einzuparken. Hier und da scheppert es und es gibt Macken im GFK der Boote. Von Sonntag auf Montag liege ich fast die ganze Nacht wach. Der Wind heult durchs Rigg. Morgens beim Aufstehen bin ich fast schon entschlossen, einfach hier im Hafen zu bleiben und nicht abzulegen. Und dann das: Um 8 Uhr herrscht im Hafen bei strahlendem Sonnenschein fast Flaute. Ich mache das Boot also segelklar. Beim Versuch den hinteren Wassertank aufzufüllen stelle ich fest, dass die Wasseranschlüsse am Steg nicht mehr funktionieren. Wintermodus! Wasser gibt es nur noch auf Nachfrage (dabei halte ich Frost hier für eher unwahrscheinlich). Als ich dann später am Tag verdutzt auch noch einen Marinamitarbeiter beobachte, der am Steg sämtliche Holeleinen der Moorings am Steg abknotet und ins Wasser wirft, um sie kurze Zeit später fein säuberlich aufgeschossen an den jeweiligen Bugkörben aufzuhängen, verstehe ich: Die meinen das mit dem Wintermodus wirklich ernst.

Einmal angelegt fährt hier vermutlich kaum noch einmal jemand aus dem sicheren Hafen zum Segeln raus ins herbstliche Mittelmeer. Und ich will morgen bei bis zu 30 Knoten aus Nordwest meine Einhandsegelpremiere mit Zanzibar feiern? Vermutlich eher keine so gute Idee. Vor dem Segeln ist mir nicht bange. Die Rettungsweste liegt bereit und vorsorglich habe ich statt der vorderen Reffleine des 1. Reffs das 3. eingeschoren (unser Einleinenreffsystem im Baum sieht vorne nur zwei statt der bei unserem Segel vorhandenen drei Reffs vor). Natürlich kann man bei 30 Knoten segeln. Erst recht wenn man den Wind wie ich beim geplanten Törn nach Malta eher von hinten hat. Das größere Problem wäre der Rückweg, denn die Wetterlage bleibt die nächsten Tage recht beständig. Das aktuelle Tiefdruckgebiet bewegt sicht nur langsam in Richtung Griechenland und bei Tunesien und Gibraltar warten schon die Nächsten. Ich müsste mindestens bis Sonntag auf Malta auf ein Wetterfenster warten. Dann blieben mir allerdings nur noch wenige Tage zusammen mit der Familie zum „Erholen“. Das Boot muss ja auch wieder eingemottet werden. Ausserdem müsste ich alleine auch immerhin vier Hafenmanöver fahren. Bei den Bedingungen die gerade herrschen, hätte ich am liebsten schon beim Ablegen ein Dinghy auf standby. Schweren Herzens entschliesse ich mich deshaln nichts zu erzwingen und hier zu bleiben. Wer schon beim Ablegen am Startort ein ungutes Gefühl hat, sollte vermutlich einfach im Hafen bleiben, schliesslich will ich keinen Bruch fabrizieren (auch wenn wir gut versichert sind ;-).

Ich hoffe es kommt vielleicht 2022 eine neue Chance nach Malta zu segeln. Einhand, mit Crew auf jeden Fall bitte einfach mit mehr Zeit um auf das passende Wetterfenster zu warten. Diesmal hat es wohl nicht sollen sein. Nun freue ich mich auf meine morgen hier eintreffende Familie und hoffe auf sonnige Tage und tolle Ausflüge an Land. Das Boot fungiert dabei als Ferienwohnung.

Ich bin um die Erkenntnis reicher, dass ich wohl eher bei 3-4 statt 6-7 Beaufort mit der Einhandsegelei im Mittelmeer beginnen sollte. Ich denke auch die schwierige Entscheidung im Zweifel eben nicht abzulegen, lässt mich als Skipper reifen (auch wenn ich mir den Ausflug nach Sizilien natürlich etwas anders vorgestellt hatte und entsprechend enttäuscht bin). Die besten Segler sterben an Land 😉

Einhand nach Malta – Funkstille weil Schiss nachdem die Clearance zur Einreise (am Dienstag statt Sonntag) doch noch kam…

Ich sitze unter Deck und lausche wie der Wind durchs Rigg pfeift. Ich habe echt Schiss, Angst vor der eigenen Courage. Soll ich bei solchen Bedingungen am Dienstag wirklich ablegen (Sonntag ging wegen fehlender Einreisegenehmigung nicht)? In Böen sind wieder bis 30 Knoten vorhergesagt. Windstärke 7, steifer Wind, soll ich wirklich? Ich habe Bedenken. Wie bereits einmal beschrieben weniger vor der offenen See, viel mehr vor den Hafenmanöver. Bereits der Gedanke an das Ablegemanöver im Ausgangshafen sorgt für mentalen Stress. In Lee von mir liegt ein Boot. Eigentlich gut, aber die Eigner sind an Bord 😬. Im Laufe des Sonntags kommt mir der Gedanke bei den stets freundlich grüßenden Niederländern einfach vor meiner Abreise freundlich zu fragen, ob Sie eventuell einen zusätzlichen Fender auf ihrer Luv-Seite ausbringen würden. Echt ne Menge Wind! Sogar die Palmen im Ort sind „aufgeriggt“. Andererseits sagt der port medic ja (nun endlich), ich solle am Dienstag kommen 😉. Auch mag ich mir gar nicht ausmalen wie frustriert ich Ende Oktober wieder im Büro sitzen würde, wenn ich hier ohne abzulegen im Hafen eine ruhige Kugel schieben und einfach auf die Ankunft meiner Familie warten würde.

Die Reffleinen habe ich jedenfalls heute morgen ins Grosssegel gebunden. Vielleicht sollte ich am Vorliek vorsichtshalber vom 1. aufs 3. Reff wechseln.

Einhand nach Malta – der zerknautschte Skipper und ein stinkendes Paket sind da. Das Boot ist abfahrbeit. Die Einreisegenehmigung lässt auf sich warten…

Nachdem ich am Freitag morgen (gefühlt: mitten in der Nacht) mit dem Taxi in Basel aufgebrochen bin, erreiche ich um kurz nach elf das Boot in Marina di Ragusa. Es bläst ordentlich. In Böen sicher 30 Knoten und das Meer sieht aufgewühlt und bedrohlich aus. Ich mache mich an die Arbeit und um kurz nach zwölf sind bereits Sprayhood , Bimini und Solarzellen montiert. Läuft! Könnte man meinen. Leider habe ich auf meine Bitte um “Clearance“ zur Einreise am Sonntag bisher keine Rückmeldung vom maltesischen Port Medic erhalten. Ohne diese darf ich aber keinesfalls in maltesische Gewässer einlaufen.

Wie mir die Marina per eMail mitteilte ist inzwischen auch mein Paket angekommen. Allerdings würde es komisch riechen und würde deshalb nicht im Büro sondern in einer Garage verwahrt. 🙄 Mir schwant schreckliches. Im Paket befinden sich neben allerlei Ersatzteilen (und neuen Flip Flops) auch Gelcoat inkl. Härter, Farbe und eine neue Dose Dieselzusatz. Worst case wäre also stinkendes Biozid im ganzen Paket verteilt. Und tatsächlich, schon als ich das Paket entgegennehme steigt mir der charakteristische Geruch in die Nase. Am Steg öffne ich das Paket (vorsichtshalber mit Einmalhandschuhen). Die Diesel-Zusatz Dose hat ein etwa 7 mm grosses Loch im Boden und ihr kompletter Inhalt wurde von Karton und Inhalt aufgesaugt. Sch…

In 2 Mülltüten sortiere ich: „Zu retten“ und „Gleich entsorgen“. Die gefriergetrocknete Nahrung fliegt sofort weg. Ebenso das Segel-Nähgarn und das Klebeband. Beim Sicherungshalter für den Gaswarner (auf unserem Erst-Boot war dieser ohne Sicherung eindrucksvoll abgefackelt), den Flip Flops und zwei Thermosbechern zögere ich. Nach und nach fliegt aber fast alles weg. Anschliessend verproviantiere ich. Gar nicht so einfach. Der nächstgelegene Supermarkt hat nur im Sommer geöffnet. Ich muss also die schweren Getränke und die Milch für den morgendlichen Kaffee Wohl oder Übel etwa 20 min die Promenade entlang schleppen. Immerhin lerne ich so den Ort etwas besser kennen. Alles hier wirkt völlig anders als im Sommer. Der Strand ist fast menschenleer und nur vereinzelt sind Surfer unterwegs.

Am Samstag vormittag herscht Windstille und ich beginne damit das Vorsegel anzuschlagen. Sofort werde ich vom Nachbarn schräg gegenüber gefragt ob ich Hilfe brauche (das wäre im Hochsommer sicher nicht passiert). Aber ich will es alleine versuchen. Schon bald ist das Vorsegel aufgezogen. Das Grosssegel ist etwas komplizierter. Lazybag und Unterliek des Segels wollen gemeinsam in die Nut auf dem Baum gezogen werden. Aber auch das gelingt. Jetzt sieht Zanzibar eigentlich schon ziemlich abfahrbereit aus.

Die Segellatten friemel ich am Nachmittag bei wieder deutlich mehr Wind ins Segel. Das ist alleine die bisher größte Herausforderung. Die Reffleinen vertage ich wegen des Windes auf den Sonntag. Denn noch immer habe ich keine Einreisegenehmigung für Malta erhalten. Für morgen sieht es also nicht allzu gut aus 😏. Ein Probelauf des Motors verläuft ebenso erfolgreich wie das „Vorkochen“. So ganz aufgeben will ich noch nicht. Aber inzwischen ziehe ich insgeheim durchaus in Betracht, dass es mit Malta schon wieder nicht klappen könnte. Als Alternativplan spiele ich inzwischen daher mit dem Gedanken eines Daysail von/nach Marina di Ragusa. Vielleicht wäre das als Start ins Einhandsegeln im Herbst ohnehin die weisere Entscheidung.

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