Von 0 auf 100 in unter 27 Stunden – Willkommen zurück in Italien!

Nach einem gut zweistündigen Flug und einem anschliessenden, halsbrecherischen Transfer vom Flughafen zur Werft sind wir wieder heute endlich wieder zurück an Bord.

Da wir an einem Freitag Mittag, kurz vor Feierabend ankommen, liegt unser Boot bereits im Wasser und ist längsseits an einer Mauer auf dem Werftgelände festgemacht. Nach dem Begleichen unserer Rechnung 🤫 hilft man uns trotz des nahen Wochenendes noch unsere zahlreichen Gepäckstücke an Bord zu hieven.

Dann sind wir auf uns gestellt: Feierabend! Strom oder Wasser gibt es hier nicht. Das ist aber kein Problem, wir haben für die ersten Nächte einen Hafenplatz in der Marina im selben Hafenbecken reserviert und müssen uns lediglich dorthin verholen. Die ca. 5 Knoten auflandiger Wind sind dann beim Eindampfen in die Spring beim Ablegen auch gar nicht das Problem. Leider aber hat die Mauer an der wir liegen einen Vorsprung, der nicht auf Höhe unserer Bordwand sondern deutlich darüber (auf Höhe unserer Relingsoberkante) liegt. Nach einigem improvisierten Hin- und Her- (vermutlich war ich beim Eindampfen in die Spring nach so langer Bootsabstinenz etwas zu zaghaft) schaffen wir es freizukommen und verholen uns problemlos auf unseren Liegeplatz unmittelbar vor der lokalen Pizzeria. Abends schlage ich noch die Sprayhood an, bevor der Tag bei Pizza und Bier ausklingt.

Nachts gegen viertel vor vier werden wir tatsächlich von Regen geweckt und bauen halsüberkopf unsere Klimaanlage ab. Gleichzeitig bemerken wir einen Regenwassereinbruch über zwei Lampen an unserer Salondecke steuerbords. Da haben wir also schon einen weiteren Punkt auf unserer To-do Liste.

Am nächsten Morgen trocknen wir die Motorbilge und bringen das Bimini an. Nach zwischenzeitlichen Regenpausen folgen am Nachmittag das Grosssegel und die Lazybags. So langsam sieht Zanzibar schon wieder wie ein Segelboot aus…

Anschliessend spielt Annika etwas am nahen Sandstrand und ich buche den nächsten Hafenplatz in der Marina di Palmi, die wir ebenfalls bereits von einem Besuch im Vorjahr kennen. Wir wollen es langsam angehen lassen und uns schrittweise der Strasse von Messina nähern, die uns doch einiges an Respekt abverlangt.

Obwohl wir bei der örtlichen Werft durch den Neuafbau (inkl. Sandstrahlen) des Unterwasserschiffs rund 20% das Schiffswertes investierten, gibt es auch hier wieder etwas zu meckern: Wir hatten auch die Aufarbeitung des Teaks im Cockpit in Auftrag gegeben. Man sagte uns zwar, dass das schwierig sei, da das Teak nur noch sehr dünn sei, unsere Beschwerde hat aber nichts mit dem tatsächlich sehr dünnen Teak zu tun. Viel mehr mit der Arbeitsweise des Mitarbeiters, der das Teak abgeschliffen hat. Offenbar ist er beim Schleifen davon ausgegangen, dass das Teak über dem umliegenden Gelcoat liegt. Das war jedoch leider nicht überall der Fall. Man hat sich anschliessend noch nicht einmal die Mühe gemacht, den Fehler zu beheben/vertuschen…

Doch es kommt noch doller: Gegen 19 Uhr als wir gerade unter Deck zu abend essen, kracht ein Boot Anker voraus in unsere Backboardseite. Verständlicherweise sind wir etwas aufgeregt als wir vom Abendessen aufspringen und beim Abdrücken des fremden Ankers von unserer Bordwand helfen. Vom Vorschiff, des mit dem Wind einparkenden Bootes wird uns gleich signalisiert: Kein Problem! Kann man alles wegpolieren. Von wegen! Wir nehmen uns vor, auf eine Regelung durch die gegnerische Versicherung zu bestehen. Ein ähnlicher, in Rom reparierter Gelcoatschaden (vom netten „Fahrerflucht Franzosen“ in Genua) hatte immerhin mit rund 300,- EUR zu Buche geschlagen.

Anschliessend passiert dann zunächst etwa 1.5h nichts. Als Tatjana(!) nachdem sich alle etwas beruhigt hatten zum Boot des Unfallgegners spaziert und fragt, wie wir mit dem Unfallschaden denn nun umgehen sollten, wird Ihr vom Skipper ein unfreundliches „Domani Mattina“ („Morgen früh“) entgegengeraunt. Kein Wort der Entschuldigung, Nichts!

Auch als sich auf dem 3 Plätze weiter entfernt liegenden Boot gegen halb elf am nächsten Morgen schliesslich endlich etwas regt, werden wir beim erneuten Nachfragen auf „später“ vertröstet. Man habe Urlaub und möchte zunächst in einem Cafe am Hafen einen Kaffee trinken gehen.

Schliesslich bequemt sich einige Zeit später dann doch noch ein Besatzungsmitglied zu uns. Er möchte zunächst den Schaden begutachten und Fotos machen. Ich bitte ihn an Bord und nach kurzer Inspektion unserer Backboardseite sieht er ein, dass die von mir bereits gemachten Fotos wohl genügen..

Wir tauschen die Fotos und Handynummern aus und er verspricht, ein Foto seine Versicherungspapiere zu schicken. Na ob das klappt? Willkommen zurück in Italien!

Noch eine Woche: Sich permanent ändernde Einreisebestimmungen sorgen für Kopfzerbrechen. Immerhin, unsere Solarzellen sind bereits in der Werft angekommen

Morgen in einer Woche wollen wir den Flieger in Richtung Italien besteigen. Wir müssen noch packen, klar. Mehr beschäftigt mich derzeit aber die Frage, ob ich bei den doch recht komplexen Reisebestimmungen auch wirklich nichts übersehen habe, was unserer Reise noch im Wege stehen könnte. Die Coronasituation ist trotz aktuell recht niedriger Fallzahlen kompliziert. Die aufkommende Delta-Variante sorgt für einige Unsicherheit. Daran muss man sich aber wohl gewöhnen, wenn man wie wir in einer „Pandemiepause“ ins Ausland reisen möchte.

Immerhin ist inzwischen ganz Italien „weisse Zone“. Es gibt also nur noch relativ leichte Einschränkungen wie Maskenpflicht und Abstandhalten.

Auch die Einreisebestimmungen sind moderat:

  • Kinder unter 6 Jahren (und somit auch Annika) sind bei der Einreise aus der Schweiz von der Testpflicht ausgenommen.
  • Tatjana und ich haben jeweils ein digitales Impfzertifikat und sollten daher ebenfalls ohne weiteren Test nach Italien einreisen dürfen.

Zur Sicherheit habe ich die gebuchten Testslots am Abflugtag allerdings noch nicht gecancelt, man weiss ja nie.

Die Tatsache, dass ich ein Impfzertifikat aus der Schweiz, Tatjana aber eines aus Deutschland hat, stellt für Italien kein Problem dar. Wohl aber für Malta. Dorthin dürfte Tatjana (mit EU Zertifikat) inzwischen ohne Test reisen. Solange die EU das schweizer Zertifikat jedoch noch nicht vollständig anerkennt, bräuchte ich allerdings einen negativen PCR Test… Ich bin gespannt, ob sich das (wie inzwischen angekündigt) in den nächsten Tagen noch ändert (und ob wir zeitmässig überhaupt in der Verlegenheit kommen, einen Abstecher nach Malta in Betracht zu ziehen). Immerhin, würde Annika (und generell Kinder bis 5 Jahre) auch in Malta keinen negativen Test mehr benötigen.

Eine andere Sorge ist, dass unser Boot rechtzeitig fertig wird. Natürlich kennt die Werft unseren Anreisetag. Natürlich hat sie zugesagt, uns am Freitag den 16. Juli kurz vor Feierabend noch zu kranen. Ob aber sämtliche in Auftrag gegebene Arbeiten erledigt sind entzieht sich meiner Kenntnis. Die vormals sehr reaktionsschnelle Werft wird beim Beantworten meiner Anfragen per eMail oder WhatsApp zunehmend einsilbig und träge. Das letzte Update ist schon eine ganze Weile her und beunruhigte mich mit dem Plan man wolle mit den noch ausstehenden Arbeiten noch warten und diese erst Anfang Juli erledigen. Na ob das klappt. Ich versuche optimistisch zu bleiben.

Inzwischen wurden auch unsere Solarzellen durch UPS an die Werft geliefert (ich hoffe, dass sie in der letzten Woche vor unserer Anreise dort nicht verschwinden).

Es bleibt spannend…

Noch 6 Wochen! Gelbe Heftchen mit kleinen, weissen Aufklebern und eine Entscheidung in Sachen Winterlager

Ich fiebere unserem Italien Urlaub entgegen und hoffe inständig, dass uns Corona keine (weiteren) Knüppel zwischen die Beine wirft.

So langsam wird es konkret: Nächste Woche soll mit Tatjanas zweitem Impftermin der Impfstatus der erwachsenen Crewmitglieder komplettiert werden. Sollten sich die italienischen Einreiseregularien dann bis zu unserer Abreise nicht mehr ändern, planen wir anschliessend, kurz vor dem Abflug einen Coronatest am Flughafen durchführen zu lassen. Wie wir inzwischen herausgefunden haben, gibt es dort für Kleinkinder sogenannte Nuckeltests, die (so hoffen wir) für Annika angenehmer als die üblichen Standardabstriche sein sollten.

Unsere neu gekauften Solarzellen werden die Reise zum Boot kurz vor uns per UPS antreten. Zu aufwändig und unsicher erschien es uns diese als Aufgabegepäck mit zu nehmen.

Unser Winterlager 2021/22 haben wir inzwischen aufgrund der immer noch unsicheren und unklaren Corona-Regularien auf Malta in den Porto Turistico Marina di Ragusa im Süden Siziliens verlegt.

Hier soll Zanzibar (zum ersten Mal seit wir Port Grimaud 2019 verlassen haben) im Wasser überwintern. Die Möglichkeit eines Winterlagers an Land gibt es hier nicht. Das Boot über einen so langen Zeitraum unbewohnt im Wasser zu lassen, fühlt sich für mich etwas komisch an, hat aber den Vorteil, dass ich im Herbst oder Winter einfach noch einmal zum Boot fliegen könnte um ggf. erste Einhand-Erfahrung mit Zanzibar zu sammeln. Mit dem Marinabetreiber ist die Option den Liegeplatz zwischenzeitlich zu verlassen und zurückzukehren jedenfalls bereits abgesprochen. Auch sonst macht die Marina nach dem bisherigen Schriftwechsel einen seriösen und gut geführten Eindruck. Anfragen meinerseits wurden bisher stets prompt beantwortet und wir kennen sogar schon die Platznummer unseres Liegeplatzes ab dem 1. August 2021.

Ein Nachteil von Marina di Ragusa sind die fast 2 Stunden Fahrtzeit zum nächstgelegenen Flughafen in Catania. Immerhin fliegt Easyjet von dort aus aber direkt ins heimische Basel und wir müssen nicht wie von Malta einen Umweg über Genf in Kauf nehmen.

Kurz nach unserer Entscheidung unser Boot in Sizilien zu überwintern, kam Malta dann doch noch zur Vernunft: Inzwischen wird ein negativer PCR Tests nur noch von Einreisenden verlangt, die älter als 5 Jahre sind. Möglicherweise, komme ich ja doch noch zur ersehnten Stippvisite in diesem südeuropäischen Inselstaat…

Auf Los geht’s los? Noch etwas mehr als 2 Monate…

Noch immer ist die geplante Fortsetzung unserer Reise mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Denn noch immer bestehen durch Corona zahlreiche Reisebeschränkungen (Italien) und Quarantäneverpflichtungen (Malta). Dennoch: Wir glauben das Licht am Ende des Tunnels erkennen zu können. Der erwachsene Teil der Crew ist bereits mit jeweils einer Dosis gegen Corona geimpft und wir haben einen Flug nach Italien für Mitte Juli gebucht. Eine Anreise mit dem Auto (durch sämtliche Regionen Italiens) erscheint uns derzeit doch zu unsicher (und wäre zumindest momentan auch noch gar nicht zulässig). Ausserdem sind es fast 2’000 km zum Boot. Das würde mit dem Auto mindestens 2 Tage dauern. Da wir dieses Jahr leider nur 3 Wochen Zeit/Urlaub haben, wollen wir möglichst wenig Zeit mit der Anreise im Auto verplempern und möglichst viel Zeit zum Segeln zur Verfügung haben.

Notfalls müssen wir die gebuchten Flüge eben umbuchen oder stornieren. Easyjet wurde durch die Pandemie diesbezüglich erfreulich flexibel.

Viel flexibler als unser angepeiltes Winterlager-Ziel Malta: Dort verlangt man zur Einreise momentan doch tatsächlich auch von Kleinkindern und Säuglingen einen negativen PCR-Test (der nicht älter als 72 Stunden sein darf). Da wir Annika (aus rein touristischen Gründen) das unangenehme Test-Prozedere eigentlich nicht zumuten wollen (schon gar nicht in einer Umgebung in der wir die Sprache kaum sprechen) fahren wir derzeit mehrgleisig: Sollte Malta die Einreiseregeln bis Ende Juli noch lockern, würden wir gerne nach Malta segeln, das Boot dort überwintern und von dort aus zurück in die Schweiz fliegen. Sollten sich die Bestimmungen nicht ändern, würden wir dieses Jahr schweren Herzens in Italien bleiben, die Ostküste Siziliens und die Strasse von Messina ausgiebig erkunden und unser Winterlager hier aufschlagen. Malta würden wir dann erst im nächsten Jahr besuchen. Die Flexibilität von Easyjet macht’s möglich.

Doch auch auf Sizilien muss sich vor unserer Ankunft noch etwas ändern: Aktuell gilt Sizilien innerhalb Italiens noch als „orange Zone“ mit relativ vielen Einschränkungen. Auch bei der Einreise aus anderen Regionen Italiens. Erleichterungen gibt es für Kinder bis 2. Ob diese auch für zweijährige Kindern gelten (oder mit deren 2. Geburtstag enden) ist uns aktuell nicht wirklich klar. Einfacher wäre es, wenn Sizilien zur gelben oder gar weissen Zone umdeklariert würde. Das ist aktuell für Montag den 17. Mai in Aussicht gestellt.

Es bleibt spannend…

Endlich Frühling! Aber: Italien befindet sich im Lockdown 😭 – Immerhin unser „Erstboot“ ist wieder im Wasser…

Nachdem die Coronafallzahlen in Italien bereits seit einiger Zeit immer weiter angestiegen sind, hat die italienische Regierung zur Eindämmung der Pandemie nun leider zum dritten Mal einen Lockdown verhängt: Bis mindestens 6. April sind alle Schulen, Geschäfte und Restaurants geschlossen. Das eigene Zuhause darf nur aus triftigem Grund verlassen werden. Unser urpsrüglich für Ende April geplanter Italienurlaub rückt damit noch weiter in die Ferne. Uns bleibt nur die Hoffnung, dass sich die COVID Lage baldmöglichst entspannt und wir unsere Segelreise dann vielleicht im Spätsommer unbeschwert fortsetzen können.

Erneut Corona-Pause bei „Rund Stiefel“

Als Alternative zum eigentlich geplanten Segeltörn in Süditalien planen wir nun vermehrt Kurztrips zu unserem Erstboot am Neuenburgersee in der Schweiz. Die ersten frühlingshaften Tage haben wir deshalb genutzt, um Boomerang einen neuen Antifoulinganstrich zu verpassen und eine kleine Macke am Bug, die durch Kontakt des Bootes mit dem Trailer beim Auskranen verursacht wurde zu spachteln und beizulackieren. Nun hoffen wir (erneut), dass das Infektionsgeschehen in der Schweiz unseren Alternativplänen nicht auch in die Quere kommt. Während der ersten Welle war unser Heimathafen nämlich schon einmal wegen Corona gesperrt und auch Reisen innerhalb der Schweiz sollten damals vermieden werden. Immerhin konnten wir das Boot wie geplant am 18. März einkranen. Ein wichtiges Etappenziel, das die Stimmung des Skipper direkt positiv beeinflusst hat. Ostertörn, wir kommen…

Erstboot beim Einkranen

Um das Projekt „Rund Stiefel“ nicht völlig aus den Augen zu verlieren und auch um sonst trotz Corona und segelfreier Zeit im Winter positiv zu bleiben und nach vorn zu schauen, habe ich bereits unsere nächsten Italien-Etappen durch die Strasse von Messina und hinüber zur Insel Malta geplant.

Sobald wir wieder dürfen, sollen uns insgesamt sieben Etappen von Tropea nach Malta führen:

  • Tropea – Palmi (21 sm)
  • Palmi – Messina (19 sm)
  • Messina – Giardini Naxos (28 sm)
  • Giardini Naxos – Catania (25 sm)
  • Catania – Siracusa (30 sm)
  • Siracusa – Marzamemi (24 sm)
  • Marzamemi – Valletta (62 sm)

Eine Gastlandflagge für Malta haben wir jedenfalls bereits an Bord. Ausser einer (für uns) laaaaaangen Etappe und eben Corona steht unserem Abstecher dort hin also nichts mehr im Wege.

Eigentlich war ich davon ausgegangen, es dieses Jahr deutlich weiter als bis nach Malta zu schaffen. Dieses Inselchen hatte ich eher als nettes Zwischenziel für den Oster- oder Pfingsturlaub angepeilt. Sollten wir dieses Jahr aber tatsächlich nur drei Wochen im Spätsommer im Mittelmeer segeln können, würde sich Malta durchaus auch als gut erschlossenes, nächstes Winterlager anbieten, bevor es dann (hoffentlich im nächsten Jahr) entlang der Stiefelsohle in Richtung Adria gehen soll.

Countdown: 52 Tage bis zum Frühling und die letzten Stunden der Vendee Globe

Während sich der Corona-Winter gefühlt zäh immer mehr in die Länge zieht, sehne ich den Frühling herbei: Noch 7 Wochen.

Ich hoffe, dass die Infektionszahlen (trotz der aufgetretenen Mutationen) dann zurück gehen und wenigstens eines unserer beiden Boote wieder eingewassert werden kann.

Momentan sieht es jedenfalls nicht allzu gut für eine Fortsetzung unseres Rund Stiefel Trips Ende April in Süditalien aus. Italien verzeichnet derzeit rund 10.000 neue Corona Fälle pro Tag und verlangt bei der Einreise einen negativen PCR-Test. Das alleine wäre sicherlich kein Problem, generell wird aber dringend von nicht zwingend notwenigen Italien-Reisen abgeraten. Hierzu zählt zweifellos auch unser Segeltörn um die italienische Halbinsel. Auch das als Etappenziel angepeilte Malta, wirkt mit eigens für Einreisende eingerichteten Quarantäne-Kliniken auf uns derzeit nicht gerade einladend.

Photo by CDC from Pexels

Um mich von der Corona Tristesse etwas abzulenken, verfolge ich noch immer die Vendee Globe: Am inzwischen 80. Tag der Regatta geht es in der Biskaya mächtig zur Sache. Es läuft der Endspurt! Boris Herrmann, dem ich als ersten deutschen Teilnehmer natürlich die Daumen drücke, liegt gut im Rennen mit realistischen Chancen auf einen Podiumsplatz.

Bei der heute Abend anstehenden Zielankunft sind, wie schon beim Start keine Zuschauer zugelassen. Ein Ausflug an die französische Atlantikküste erübrigt sich also und ich verfolge das Rennen vom heimischen PC aus (Wahnsinn, es gibt sogar Zoom Live Streams von Bord).

Was mache ich bloss, wenn dieses Rennen vorbei ist und die segelfreie Zeit weiter andauert?

Zweite Welle im Homeoffice

Nachdem Corona Europa immer noch (oder inzwischen wieder) fest im Griff hat, versuche ich mich mit Bootsprojekten vom grauen November-Alltag abzulenken.

Um im nächsten Jahr hoffentlich mehr Nächte als bisher vor Anker verbringen zu können 😉 und dabei nicht auf den Kühlschrank verzichten zu müssen, haben wir uns entschieden, unser Bimini mit aufknöpfbaren Solarzellen auszurüsten. Die Mittelmeersonne soll unseren Energiebedarf (oder zumindest Teile davon) decken.

Ausserdem gab es ein Update von der Werft in Tropea. Dort lassen wir unter anderem das Unterwasserschiff neu aufbauen (und den Kiel entrosten, den die vorherige Werft verhunzt hat)

Vorher
Nach dem Sandstrahlen
und Nachher 🙂

Es geht voran, leider kam inzwischen aber auch schon die erste Rechnung von der Werft 😉

Eigentlich wollten wir zum Start der Vendee Globe im November einen kurzen Abstecher an die französische Atlantikküste machen, um dieses Segel-Spektakel live vor Ort zu verfolgen. Durch die Coronabeschränkungen war dies jedoch nicht möglich und so verfolge ich die gerade laufende Regatta mit großem Interesse vom heimischen Sofa aus.

Auch die Etappenplanung fürs nächste Jahr (alle Corona-Daumen gedrückt) schreitet voran. Wir haben voraussichtlich zwei mal drei Wochen Zeit in denen ich gerne durch die Straße von Messina und nach Malta segeln würde. Wo wir dann im nächsten Winterlager landen, steht derzeit noch nicht fest, aber immerhin gäbe es sowohl auf Malta als auch auf Sizilien Flughäfen (sollte der Flugverkehr sich bis nächstes Jahr normalisieren, wäre das vermutlich die eleganteste Lösung). Auf jeden Fall wollen wir im Vergleich zu diesem Jahr nochmals langsamer um den Stiefel gondeln um uns vom Homeoffice Stress zu erholen.

Etappe 2020-21: Stromboli – Tropea (34 sm)

Zunächst herscht auch heute wieder Flaute. Dabei war bis gestern eigentlich noch schöner Segelwind vorhergesagt. Dieser lässt jedoch auf sich warten und soll nun erst gegen Abend kommen. So motoren wir auch auf unserer Schlussetappe ins Winterlager nach Tropea. Wieder werde ich wehmütig: Es ist erst Ende August und unser Segelsommer 2020 ist schon wieder zu Ende und das Boot wird Ende der Woche schon wieder fürs Winterlager ausgekrant.

Immerhin konnten wir im verrückten Corona-Jahr unsere Reise um den Stiefel überhaupt fortsetzen und das Thyrrennische Meer liegt nun in unserem Kielwasser.

Da das Boot in diesem Jahr nur 6 Wochen im Wasser war, hatten wir uns eigentlich entschieden diesen Winter kein neues Antifouling auftragen zu lassen.

Allerdings zeigen sich am Kiel, wie ich beim Tauchen feststellen konnte, grössere Rostbereiche unter abgeplatztem Antifouling. Hier hatte die Werft in Rom (ohne unseren Auftrag) eine spezielle Anti-Rost-Grundierung aufgetragen. Soviel dazu. Das muss weg.

Auch unser Motor soll natürlich wieder einen wohlverdienten Filter- und Ölwechsel erhalten und wir spielen mit dem Gedanken, das Teak in Zanzibars Cockpit aufarbeiten oder gleich durch einen Kunststoffbelag in Teakoptik ersetzen zu lassen. 

Vor allem die Fugen des aktuellen Belags haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und hinterlassen bei Berührung, speziell in nassem Zustand, auf Badehosen, Fingern, Füssen und dem umliegenden Gelcoat unschöne schwarze, schmierige Flecken.

Nach einiger Zeit überqueren wir den Patti Canyon mit mehr als 2000 Metern Wassertiefe. Wenn man drüber nachdenkt, beschleicht einen schon ein seltsames Gefühl: Unter uns ist 2km nichts.

Gut, dass der Tiefenmesser blinkend bei leichter verdaulichen 96 m stehen bleibt und sein ausgesendetes Signal nicht mehr empfängt: Zu tief!

Eine andere Sichtweise, die ich zum Thema Wassertiefe von einem Skipper einmal gehört hatte ist: Das Land ist gar nicht so weit weg, nur halt in eine ungewohnte Richtung 😉

Nach etwa zwei Stunden hoffe ich die Genua bei leichtem achterlichen Wind zur Hilfe nehmen zu können, aber der Wind ist zu leicht und das Segel schlägt im Seegang derart, dass ich es wieder einrolle. War wohl nix.

Unterwegs ist es heute ausserdem so diesig, dass man Sizilien am Horizont mehr erahnen als sehen kann.

Dann werde ich endlich erlöst und der erhoffte Wind kommt doch noch, so dass wir unter Genua unserem Winterlager in Tropea entgegen motorsegeln können.

Nach einer erneut recht versandeten Hafeneinfahrt (natürlich reagiert man auch hier nur widerwillig auf unsere Funksprüche) machen wir am letzten Liegeplatz des Urlaubs fest und Tatjana triezt mich, kurz nach dem Anleger noch das Vorsegel abzuschlagen.

Am ersten Hafentag steigen wir dann die 196 Stufen in die historische Altstadt hinauf und besichtigen das sehenswerte Örtchen. Ausserdem wird das Grosssegel eingetütet und im Waschsalon der Marina alles nochmal durchgewaschen, was über Winter an Bord bleiben soll.

Zum Glück haben wir beide Segel bereits im Boot verstaut als es Nachts das erste Mal seit langem regnet. Am nächsten Tag wird der Bordgrill gereinigt, der Aussenboarder verstaut und allerlei andere Jobs erledigt, die eben anstehen, wenn man sein Boot für längere Zeit verlässt.

Morgen steht nun eigentlich nur noch das Volltanken und das Leeren des Fäkalientanks an. Dann sollten wir bereit sein zum Auswassern. Ach ja, das mit dem Mietwagen mit dem wir nach Rom zum eigenen Auto zurück fahren wollen, erweist sich auch als schwieriger als gedacht: Die Autovermietung ist zu Fuss gut 1 Stunde vom Hafen entfernt und wir versuchen seit nun 2 Tagen herauszufinden, ob eine Übergabe des Wagens auch im Hafen und ggf. bereits am Vorabend möglich wäre.

Etappe 2020-20: Salina – Stromboli (26 sm)

Die heutige Etappe führt uns motorsegelnderweise über 26 Meilen von der Insel Salina nach Stromboli. Nach Schauergeschichten über hohe Bussgelder halten wir uns im Gegensatz zu einigen anderen Yachten peinlich genau an das 2019 erweiterte Sperrgebiet und hangeln uns mit einem Abstand von 2 Seemeilen der Nordwestküste Strombolis entlang.

Bemerkenswert finde ich, das zwar das alte Sperrgebiet noch mit Bojen markiert ist, nicht aber das neue. Die entsprechende Meldung des italienischen Innenministeriums gibt es ausschliesslich auf italienisch. Hmm…

Als wir näher kommen spuckt der Vulkan ein ums andere Mal ein dunkles Rauchwölkchen aus. Das hatte ich mir irgendwie spektakulärer vorgestellt. Jedenfalls ist das Spektakel keinesfalls mit dem zu vergleichen wie man Vulkane aus Filmen so kennt. Tatjana ist weniger enttäuscht, sie kennt Vulkane bereits von einem Aufenthalt auf Hawaii (vor meiner Zeit ;-))

Als wir am Bojenfeld ankommen, ist Savannah schon da und ankert etwas abseits (sogar der Tender hat hier einen AIS-Transponder). Irgendjemand in der Bucht hat wohl immer ein noch grösseres Spielzeug/Boot. Wenigstens geht das hier allen Booten so. Auch Giorgio Armani, dessen Yacht Main ebenfalls hier vor Anker liegt.

Wir lassen uns vom Bojenfeldbetreiber an Land bringen und machen nach Annikas allererster Dinghyfahrt einen Spaziergang durch den Ort.

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit bricht geschäftiges Treiben im und ums Bojenfeld aus: Ein ums andere Boot geht Anker auf bzw. verlässt seine Boje. Haben wir eine Schwerwetterwarnung verpasst? Wo wollen die hin? Die meisten der aufbrechenden Boote haben kein AIS, doch plötzlich bemerke ich, dass auch Savannah nicht mehr da ist. Und siehe da: Ich kann bei Marinetraffic einige Boote an der Nordwestküste des Stromboli entdecken. Vielleicht verpassen wir hier grade ein tolles nächtliches Vulkanspektakel. Aber Annika schläft schon seelenruhig im Vorschiff und damit das so bleibt, werden wir an unserer Boje bleiben. Vielleicht kommen wir nächstes Jahr erneut hier vorbei um uns die „Vulkanseite“ des Strombolis bei Nacht anzusehen. Schliesslich liegen wir hier nur einen (relativ) kurzen Schlag von unserem Winterlager in Tropea entfernt.

Etappe 2020-19: Vulcano – Salina (12.5 sm)

Auch die heutige Etappe nach Salina startet windlos und wir motoren durch die Bocce di Vulcano und an der Westseite Liparis entlang nach Salina. Unterwegs passieren wir die Yacht Savannah, die ziemlich genau an unserem gestrigen Ankerplatz ankert und auf deren Vorschiff gerade Netze (vielleicht für Tennis?) aufgespannt werden. Offenbar wird der 140-Millionen-Dampfer sogar von der italienischen Küstenwache bewacht (und/oder bestaunt).

Über Mittag ankern wir in dann rund 5 Meter tiefem Wasser über schwarzem Sand und sehen von unserem Ankerplatz aus sowohl vor uns den Vulkan Stromboli, als auch hinter uns auf Sizilien den Ätna.

Für einen Aufenthalt über Nacht wären wir mir hier deutlich zu nahe an Land (und haben auch noch leichten auflandigen Wind). Während unserer Pause stelle ich ausserdem fest, dass wir uns in einer Zone befinden, in der Ankern eigentlich verboten ist. Das scheint aber auch unsere Nachbarboote hier nicht zu stören (auch das nach uns ankommende, das direkt schon mit gesetztem Ankerball durch die Bucht motort).

Da sich das zu Beginn noch kristallklare Wasser aber bald durch den Inhalt eines (fremden) Fäkalientanks trübt und wir ausserdem einige Quallen beobachten, verzichten wir auf ein Bad und laufen etwa Stunde später in den Porto delle Eolie ein.

Hier kostet der Hafenplatz tatsächlich nochmal mehr als in der Marina Grande auf Capri. Satte 190.- € werden hier für eine Nacht fällig. Zuzüglich Wasser und Strom versteht sich. Egal, wir haben Urlaub und kommen nur einmal hier vorbei.

Wir fahren das mit Abstand schlechteste Hafenmanöver des Urlaubs (auch weil die Luv-Heckleine ewig braucht, um zurückzukommen, Hafenmanöver mit „Luv-Heckleine zuerst“ scheinen mir inzwischen nur in Deutschland bzw. Nordeuropa verbreitet) und sind im Porto delle Eolie fest. Hier verbringen wir eine Nacht bevor es für uns über den Stromboli zurück zum Festland gehen soll. Bei der Anmeldung muss ich bestätigen, dass alle Personen an Bord über die sizilianische COVID App registriert sind (die Inselgruppe gehört verwaltungstechnisch zu Sizilien). Zwar fragt niemand nach wieviele Personen an Bord sind, aber immerhin.

Bei einem Strompreis von 1,40 € pro Kilowattstunde verzichten wir auf den Einsatz unserer liebgewonnenen Bordklimaanlage, die von Annika inzwischen den Spitznamen “Kli-Kli” bekommen hat und deren Betrieb sie mitunter lautstark einfordert. Nach dem Abendessen geht es für einen kurzen Spaziergang auf die Hafenmole, bevor wir ins Bett fallen.

Am nächsten Morgen erkunden wir den kleinen Ort, bevor wir zum Stromboli zu unserer letzten Station auf den Liparischen Inseln aufbrechen.

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