Etappe 28: Anzio – Rom (31.9 sm)

Was mangels funktionierender Hände an Bord als langweilige Schwachwind-Motor-Überführungsfahrt zurück nach Rom geplant war wurde gestern doch nochmal aufregend. Ungefähr eine Stunde nachdem wir in Anzio abgelegt hatten, sackte die Motordrehzahl plötzlich ab und wir spürten seltsame Vibrationen im Boot. Nicht schon wieder das nächste Problem 🤯

Da im Motorraum nichts zu erkennen war und der Motor allem Anschein nach ruhig und gleichmäßig lief, gingen wir mögliche Ursachen durch:

Mangelnde Dieselzufuhr? Immerhin hatten wir in Anzio die neue Dieselpumpe für die neue Heizung eingebaut, die ihren Treibstoff aus unserem Haupttank bezieht. Verstopfter Dieselfiter? Eine angebrochne Anode am Propeller?

Tatjana und ich waren unterschiedlicher Meinung wie wir mit dem Problem umgehen sollten: Tatjana wollte die ca. 5 Seemeilen nach Anzio zurück, ich wollte wenigstens die halbe Strecke (also noch 10 weitere Seemeilen) schaffen, damit uns die Küstenwache bei gröberen Problemen wenigstens in “den richtigen” Hafen schleppen würde. Vermutlich wäre ein Zurückfahren die bessere Option gewesen (sicherlich im Sinne von guter Seemannschaft, erst Recht mit Säugling an Bord) aber wir haben es aus eigener Kraft mit 1100 Umdrehungen und rund 3 Knoten nach Porto di Roma geschafft.

Gegen Ende der Etappe wurde ich etwas wehmütig. Das war sie also, die Elternzeit im Mittelmeer. Schön! Aber doch so ganz anders als ich es mir ausgemalt hatte. Viel zu viele Motorstunden, nur wenige echte Segeltage und eine Menge Arbeit, um die zahlreichen auftretenden kleineren und grösseren Probleme an Bord zu bewältigen. Probleme ist ein gutes Stichwort:

Wir vermuten inzwischen die Ursache der Vibrationen entweder in einer um den Propeller gewickelten Leine/Fischernetz oder einer sich teilweise gelösten Anode… sobald das Wetter passt, wollen wir der Sache tauchend auf den Grund gehen. Eine mittels am Bootshaken befestigter GoPro durchgeführte Inspektion brachte leider keine neuen Erkenntnisse. Das Wasser im Hafenbecken ist zu trüb und die GoPro kommt nicht nahe genug an den Saildrive/die Schraube heran.

In diesem Zusammenhang fiel mir auch ein besonderes Feature einer auf der Boot in Düsseldorf besichtigten Amel (50?) wieder ein. Dort gab es unter dem Bett in der Achterkoje eigens ein Kontrollfenster um die Schiffsschraube zu begutachten. Tatsächlich sehr sinnvoll und durchdacht.

Leider eine andere Liga was das Budget angeht, also wird bei uns wohl getaucht. Ansonsten bleibt nur das Unterwasserschiff nach dem Auskranen am 11. Oktober zu begutachten.


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