Etappe 2022 – 6: Gallipoli – San Foca 64 sm – Um die Ferse in die Adria und gleich bei 6 bft gegenan

Um kurz nach fünf schrecke ich auf: Oh Gott, es ist hell! Ich habe verschlafen, wir wollten doch früh los! Kurze Zeit später die Entwarnung, der Wecker klingelt. Noch schlaftrunken torkeln wir durchs Schiff und sind uns sicher: Überführungscrew wäre kein Job für uns. Mit Urlaub hat dieser Törn definitv nichts zu tun. Aber es hilft nichts, wir wollen heute um die Ferse in die Adria. 

Leider kämpfen wir uns auch heute wieder durch die Flaute. Wenigstens passieren wir nach etwa einer Stunde endlich einen „Punta del Pizza“. 🤣. Es geht weiter vorbei an Santa Maria di Leuca und in die Adria. Der „Rückweg“ ist offiziell gestartet. Nun kommt auch Wind auf. Wir versuchen zweimal die Segel etwas zur Hilfe zu nehmen, aber es klappt nicht, der Wind kommt zu sehr von vorn. Kreuzen? Wieder mal wegen der Etappenlänge keine Option

Auf dem Weg zu unserem Tagesziel in San Foca spielen wir mit Annika im Cockpit stundenlang „Ich sehe was, was Du nicht siehst“. Alles ganz lustig und entspannt. Bis wir unseren Kurs nach Nordwest einschlagen: Aus dem Kanal von Otranto blasen uns urplötzlich statt der angesagten drei Beaufort deren sechs entgegen und die Welle ist kurz und unangenehm. Diese Erfahrung hätten wir gegen Ende unseres Trips nun wirklich nicht mehr gebraucht. Wir versuchen dichter unter Land zu fahren. Es hilft nichts. Wir kommen kaum mehr vorran. Stellenweise machen wir unter 3 Knoten. Wir erhöhen die Motordrehzahl und ärgern uns: Am Vorabend hatten wir uns entschlossen nicht zu tanken, damit „der Diesel auch mal verbraucht wird“. Jetzt ist uns schon ein bisschen mulmig mit nur einem viertel Tank bei diesen Bedingungen. Nachdem sich die Gemüter etwas beruhigt haben, tagt der Familienrat: Sch… auf unsere Reservierung in San Foca, wir laufen Otranto an und ersparen uns so zwei zusätzliche Stunden Höllenritt. Doch auch nach Otranto sind es noch 2,5 Stunden. Da müssen wir jetzt durch!

Durch ziemlich viel Müll motoren wir weiter. Immer wieder gilt ein banger Blick des Skippers der Tankanzeige: 1/4 voll, aber wie genau ist das? Hinter uns liegt kein Hafen in vernünftiger Reichweite. Warum haben wir bloss in Gallipoli nicht getankt? Irgendwann verfängt sich eine Art Bambusstab am Heck des Bootes. Haben wir ein Fischerfähnchen überfahren oder ist das einfach nur Treibgut? Jedenfalls kann bei diesen Bedingungen sicher niemand auf der Badeplattform versuchen das Teil zu entfernen.

Als wir kurz vor der Hafeneinfahrt die Fender ausbringen löst sich das Problem zum Glück von selbst…

Als wir ums Kap sind beruhigen sich die Bedingungen etwas. Da Tatjana in Otranto niemanden erreicht, beschließen wir doch weiter nach San Foca zu fahren. Die 2 Stunden schaffen wir noch. Ausserdem hätten wir jetzt mit Otranto einen Hafen als Backup im Rücken und unsere letzte Etappe morgen würde 10 Meilen kürzer ausfallen.

Der Hafen von San Foca ist flach, aber durch einen Wellenbrecher erstaunlich gut gegen nördliche Winde geschützt. Nach dem problemlosen Anleger würden wir hier in Abrahams Schoß nie vermuten was „da draußen“ los ist.

Nachdem wir sichergestellt haben, dass wir vor unserer Abfahrt morgen 20l Diesel im Kanister bekommen, gibt es einmal mehr Pasta an Bord. Zum Abschluss des Urlaubs wird in Brindisi bereits von Restaurantbesuchen und Erdbeereis (Annika) geträumt…

Kurz nach dem Abendessen zieht tatsächlich dichter Nebel auf und wir sind froh: Es hätte auch noch schlimmer kommen können 😉

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